Sternekoch zieht Konsequenzen
Unerfreuliche Nachricht: Burghauser Sternelokal „restaurant|271“ schließt zum Jahresende
Nach fünf Jahren, vielen Auszeichnungen und einem Michelin-Stern soll zum Jahresende Schluss sein mit dem „restaurant|271“ in der Burghauser Altstadt. Inhaber und Sternekoch Dominik Lobentanzer zu den Gründen.
Burghausen – Die Nachricht trifft die Burghauser Feinschmecker ins Mark: Das „restaurant|271“ in der Altstadt soll zum 1. Januar 2026 für immer seine Türen schließen. Sternekoch Dominik Lobentanzer teilte in einer E-Mail am 7. Juli mit, dass er sich nach reiflicher Überlegung zu diesem Schritt entschieden habe. „Steigende Kosten in nahezu allen Bereichen – vom Wareneinkauf über Strom bis hin zu Personal – und vor allem eine seit Jahren angespannte Personalsituation zehren an den Kräften“, schreibt er. Es sei viel passiert, seit das Lokal am 30. Oktober – nur drei Tage vor dem zweiten Corona-Lockdown – eröffnete, doch auch seitens der Politik werde es Restaurants dieser Kategorie schwer bis unmöglich gemacht, wirtschaftlich zufriedenstellend arbeiten zu können, so Lobentanzer.
Logischer Schlussstrich: Pachtvertrag läuft aus
Lobentanzer stand in seinem Betrieb nie nur als Gesicht, sondern als Motor: „Ich war jeden einzelnen Tag von früh bis spät selbst in der Küche, habe mitgekocht, angerichtet und mich bewusst als Teil meines Teams gesehen.“ Dass er im Gastraum selten zu sehen war, wurde gelegentlich kritisiert – aus seiner Sicht jedoch ein bewusster Schritt: Verantwortung übernehmen, Qualität garantieren, mit voller Hingabe. Der Betrieb sei immer mit Herzblut, aber auch mit wirtschaftlicher Vernunft geführt worden – ohne Investoren, ohne Hotel im Hintergrund. Der Gewinn sei stets in die Qualität der Produkte geflossen, nicht in die eigene Tasche.
Man habe sich stetig weiterentwickelt bis zur höchsten Ehre, dem Michelin-Stern, den Lobentanzer auch dieses Jahr wieder verteidigen und beibehalten konnte. Doch: „Trotz aller Leidenschaft und Hingabe bin ich nun an einem Punkt angekommen, an dem es für mich keinen Sinn mehr macht, mein Herzensprojekt in der bisherigen Form weiterzuführen“, schreibt der Restaurantinhaber. Gewisse Rahmenbedingungen ließen sich inzwischen nicht mehr länger ausblenden. „Da mein Pachtvertrag ausläuft, ist jetzt ein sozusagen logischer Zeitpunkt für diesen Schritt.“
„271“ steht nicht vor Insolvenz
Der Stern bringe nicht automatisch volle Gasträume, sondern im Gegenteil. „Wer sich die Situation in der Sterneküche vor und nach der Auszeichnung mit einem Michelinstern so vorstellt, dass sich die Chefs damit quasi erstmal auf ihren Lorbeeren ausruhen können und die Gäste in Scharen die Restauranttüren einrennen, liegt sehr weit daneben.“ Der Druck sei enorm, die Wochenstunden hoch, der Spagat zwischen Anspruch, Gästen, Personal und Finanzamt kaum zu leisten. Lobentanzer betont jedoch ausdrücklich, dass das restaurant|271 nicht vor der Insolvenz stehe, sondern die Schließung nur auf oben genannte Gründe zurückgehe.
„Dies alles und eine zunehmend ungewisse wirtschaftliche Zukunft, die einen Betrieb in dieser Intensität, Qualität und Konsequenz in Burghausen nicht mehr möglich machen, haben mich nach langem Überlegen und Ausloten aller Möglichkeiten zu dem Entschluss kommen lassen: Das restaurant|271 wird nach heutigem Wissenstand zum 01.01.2026 seine Türen schließen.“ Sollte jedoch zu einem früheren Zeitpunkt ein neuer Pächter gefunden werden, könne dies auch schon früher geschehen, so Lobentanzer.
Ein Ende für das Sterne-Kapitel der Burghauser Gastronomie?
Bis auf Weiteres bleibe auch das „Summer Pop-up“-Konzept bestehen – eine legere Form des Fine Dining mit à-la-carte-Angebot und unkompliziertem Genuss. Je nach Personalentwicklung könne sich im Herbst und Winter jedoch nochmals etwas ändern. „Dies teilen wir aber natürlich rechtzeitig mit“, so Lobentanzer. Auch sämtliche Gutscheine behalten bis Jahresende ihre Gültigkeit.
Mit dem nahenden Ende des „restaurant|271“ endet auch das Sterne-Kapitel der Burghauser Kulinarik. Denn, was nach dem 1. Januar 2026 kommt, bleibt offen. „So leise wie wir gekommen sind, verabschieden wir uns auch wieder“, schreibt Lobentanzer am Ende seiner Mail. „Was danach kommt, lasse ich bewusst offen – aber wer mich kennt, weiß, dass Stillstand für mich nie lange dauert.“