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Zwischen Klimaziel und Technik-Hürden

Zwischen Potenzial und Engpässen: Burghauser Altstadt im Fokus der kommunalen Wärmeplanung

Die Lage der Burghauser Altstadt ist einzigartig: Für eine zentrale Wärmeversorgung bestehen jedoch einige Hürden.
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Die Lage der Burghauser Altstadt ist einzigartig: Für eine zentrale Wärmeversorgung bestehen jedoch einige Hürden.

Die Kommunale Wärmeplanung in Burghausen geht in die nächste Runde – mit Fokus auf zentrale Versorgung, erneuerbare Energien und die Chancen und Herausforderungen in der Altstadt.

Burghausen – In Burghausen nimmt die kommunale Wärmeplanung zunehmend konkrete Formen an – mit einem besonderen Fokus auf die Altstadt. In der Stadtratssitzung am 26. Juni 2025 präsentierte das Planungsbüro Steinbacher Consult den aktuellen Zwischenstand und gab dabei tiefe Einblicke in die Herausforderungen, Potenziale und geplanten Schritte. Erst vor wenigen Monaten wurde die Bestands- und Potenzialanalyse vorgestellt, nun folgt bald die öffentliche Auslegung der Ergebnisse. Ziel der kommunalen Wärmeplanung ist es, den künftigen Wärmebedarf zu analysieren, potenzielle Versorgungsarten zu identifizieren und langfristige Szenarien zu entwickeln – ohne konkrete Bauvorhaben festzulegen.

Keine Verpflichtung zum Bau oder Umbau

„Es handelt sich hier nicht um eine Machbarkeitsstudie“, stellte M.Sc. Simon Markdraf von Steinbacher Consult klar. „Kein Gebäude hat Anspruch auf einen Anschluss an ein Wärmenetz, und es besteht keine Verpflichtung zum Bau oder Umbau.“ Vielmehr gehe es um die Kombination aus Bestandsaufnahme und Potenzialanalyse, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit verschiedener Versorgungsvarianten zu bewerten. Hintergrund ist die gesetzliche Vorgabe, ab dem 1. Juli 2026 mindestens 65 Prozent des Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien zu decken. Ab dem Jahr 2045 darf Wärme nur noch aus erneuerbaren Quellen stammen.

Im Rahmen der Analyse wurden verschiedene Gebietskategorien ausgewiesen: Gebiete zur Verdichtung, zum Ausbau und zur Neuerrichtung von Wärmenetzen sowie potenzielle Wasserstoffnetzgebiete. Daneben wurden sogenannte Prüfgebiete definiert – Zonen, in denen noch nicht genügend Informationen vorliegen oder die Entwicklung offen ist. „Ein Wasserstoffnetzgebiet konnten wir für Burghausen nicht ausweisen“, erklärte der Markdraf. „Zwar ist vorgesehen, dass Burghausen zwischen 2030 und 2037 ans Kernnetz angeschlossen wird – jedoch ist unklar, ob dies auch Wohngebiete betrifft und ob das wirtschaftlich tragfähig wäre.“ Auch Abwärme aus der Industrie, Flusswasserwärme und eine mögliche dritte Tiefengeothermie-Bohrung bei Halsbach wurden in die Potenzialanalyse einbezogen.

Die Burghauser Neustadt bietet viel Potenzial für eine zentrale kommunale Wärmeversorgung.

Altstadt bietet Chancen – aber auch technische Hürden

In der Neustadt konnten bereits konkrete Straßenzüge identifiziert werden, in denen sich eine zentrale Wärmeversorgung wirtschaftlich umsetzen ließe – insbesondere im Bereich des Gewerbegebiets und entlang der Marktler Straße. Auch die Altstadt weist aufgrund der dichten Bebauung grundsätzlich gute Voraussetzungen auf. Doch die Umsetzung dort ist deutlich komplexer. „In den Grüben zum Beispiel ist die bauliche Enge ein erheblicher Engpass“, so Markdraf. Die Altstadt wurde deshalb als Prüf- und Fokusgebiet ausgewiesen.

„Die Botschaft ist klar: Die Altstadt wird nicht vergessen“, betonte Bürgermeister Florian Schneider (SPD). Doch es gebe erhebliche technische Hürden. „Die Erschließung über den Ludwigsberg ist derzeit wegen technischer Schwierigkeiten fraglich. Die alternative Anbindung über die Tittmoninger Straße wäre zwar leichter realisierbar, doch dort fehlen ausreichende potenzielle Wärmeabnehmer.“ Zusätzlich erschwert eine lückenhafte Datenlage die Planung.

„Unklar ist etwa, wie viele Gebäude tatsächlich an zentrale Heizsysteme angeschlossen sind oder ob noch Einzelraumheizungen dominieren“, erklärte Markdraf. „Auch die Anschlussbereitschaft der Eigentümer ist entscheidend.“ Genaueres könnten nur detaillierte Machbarkeitsstudien liefern. Die beiden Teilbereiche der Altstadt – der historische Kern und der westlich der Tittmoninger Straße gelegene Abschnitt – sollen in die nächste Planungsstufe überführt werden.

Die Altstadt würde als Prüfgebiet definiert, die Burg wird dezentral versorgt und in der Neustadt gibt es sowohl Wärmenetzverdichtungs-, ausbau und -neubaugebiete

Ausbau des Fernwärmenetzes

Auch die Fernwärmeversorgung spielt eine zentrale Rolle. „Aktuell optimieren wir die Trasse zwischen Halsbach und Burghausen“, erläuterte Bürgermeister Schneider. „Dabei handelt es sich um ein Generationenprojekt. Der Ausbau muss in Stufen erfolgen – anders wäre das finanziell und organisatorisch nicht machbar.“ In Umfragen sollen die Bürger nun angeben, ob prinzipiell Interesse an einem Anschluss besteht. „Diese Rückmeldungen wären für die weitere Diskussion sehr hilfreich“, sagte der zweite Bürgermeister Norbert Stranzinger (CSU). „Denn man entscheidet sich für einen Anschluss nur, wenn es monetär sinnvoll ist – und nicht, wenn gerade erst eine neue Heizung eingebaut wurde.“

Klar ist bereits: Eine Versorgung von Raitenhaslach über Fernwärme wird aufgrund der großen Entfernung wirtschaftlich nicht darstellbar sein. Dort kommt laut Schneider nur eine dezentrale Lösung in Betracht. Wärmepumpen werden künftig eine deutlich wichtigere Rolle spielen, so Markdraf. Insgesamt könnten die Treibhausgasemissionen in Burghausen durch die geplanten Maßnahmen um bis zu 98 Prozent reduziert werden.

Öffentliche Auslegung bis August

Die Ergebnisse der Wärmeplanung – einschließlich Karten und Analysen – sind bereits auf der Homepage der Stadt Burghausen veröffentlicht und bis August öffentlich ausgelegt werden. In dieser Zeit können Bürger Stellungnahmen abgeben. Berechtigte Einwände werden im Plan berücksichtigt. Der Abschluss ist für Mitte August vorgesehen. Bürgermeister Schneider betonte: „Wir wollen, dass das möglichst zügig abgeschlossen wird, damit wir mit der Umsetzung beginnen und die Fördermittel nutzen können.“

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