Citybus als „echtes Erfolgsmodell“
Burghauser Citybus soll teurer werden – Möglicher MVV-Beitritt birgt Chancen und Risiken
Einzelfahrt, Monatsticket, Wochenendticket – der Citybus soll teurer werden. Doch nicht nur das: Auch ein möglicher MVV-Beitritt des Landkreises könnte Preisanstiege nach sich ziehen.
Burghausen – Der Citybus ist für viele Burghauser zum festen Bestandteil des Alltags geworden – ob auf dem Weg zur Arbeit, in die Schule oder zu Veranstaltungen. Während der Schulzeit nutzen den Bus rund 1400 Personen pro Tag – in den Ferien sind es etwa 1100. Das sind ordentliche Zahlen, die auch die Mitglieder des Hauptausschusses am 16. Juli staunen ließen. Der Citybus hat sich also zu einem Erfolgsmodell entwickelt: „Wir haben die richtigen Linien, Zeiten und Spezialangebote und decken damit den Bedarf wirklich gut ab“, so Schneider. Doch angesichts der Haushaltslage Burghausens und angesichts der hohen Kosten für den Citybus sei die Erhöhung der Preise ab September 2025 unausweichlich geworden.
Preise steigen deutlich – „unausweichlich“
Über die Gründe und Sätze wurde bei der Hauptausschusssitzung dann zwar rege diskutiert, doch am Ende empfahl das Gremium dem Stadtrat mit zwei Gegenstimmen folgende Tariferhöhung: Eine Einzelfahrt für Erwachsene soll künftig 2 statt 1,50 Euro kosten und die Tageskarte 5 Euro statt bisher 3. Besonders deutlich fällt die Anpassung beim Monatsticket aus: von aktuell 9 Euro auf künftig 15 Euro. Auch die kostenfreie Beförderung am Wochenende soll abgeschafft werden und stattdessen 1 Euro pro Fahrt bezahlt werden.
| Tickets | Aktueller Preis | Ab September 2025 |
| Einzelfahrt Erwachse / Kind | 1,50 € / 0,70 € | 2,00 € / 1,00 € |
| Tageskarte | 3,00 € | 5,00 € |
| 10er Karte Erwachse / Kind | 10,00 € / 5,00 € | 15,00 € / 7,00 € |
| Monatskarte | 9,00 € | 15,00 € |
| Halbjahresticket | 50,00 € | fällt weg |
| Jahresticket | 100,00 € | 150,00 € |
| Wochenendfahrten | frei | 1,00 € pro Fahrt |
Laut Martin Hinterwinkler, dem Leiter des Ordnungsamts, ging die Zahl der verkauften Halbjahrestickets nach Einführung der günstigen Monatskarte sehr stark zurück, weswegen das Halbjahresticket künftig wegfallen soll. Die Preiserhöhung könne der Stadt rund 200.000 Euro Mehreinnahmen bringen, erklärte Bürgermeister Schneider. Dies könne zur Verringerung des Defizits beitragen. 2024 habe die Stadt rund 860.000 Euro für den Citybus ausgegeben. Für den Haushalt 2025 wurden eine Million Euro für den Posten vorgesehen.
Parkraumbewirtschaftung bleibt Thema
Klaus Schultheiß (FDP) begrüßte die Erhöhung angesichts der Haushaltslage Burghausenes. Auch Norbert Englisch (SPD) wies darauf hin, dass Burghausen dann noch immer günstige Ticketpreise habe. Was ihn aber traurig stimme, sei vielmehr die fehlende Parkraumbewirtschaftung: „Wir subventionieren tausende Parkplätze, das sollte endlich einmal Thema werden.“ Bürgermeister Schneider stimmte dem zu und versprach: „Die Parkraumbewirtschaftung wird kommen – aber nicht mehr in diesem Stadtrat.“
Peter Schacherbauer (UWB) warnte, dass eine Parkraumbewirtschaftung auch viel Geld kosten werde. Er empfahl auch, sich die Erhöhung der Ticketpreise nach Prozentsätzen genauer anzuschauen und war der Meinung, dass man die Wochenendfahrten an die Preise unter der Woche anpassen sollte. Auch Bernhard Harrer (CSU) wies darauf hin, dass die Einnahmen durch Wochenendausflügler so zum Abbau des Defizits beitragen könnten. Man solle zudem darüber nachdenken, wie viele Freifahrten man in Zukunft noch vergeben wolle.
Gunter Strebel (Grüne) plädierte dafür, den Preis für das Monatsticket bei 9 Euro zu belassen. Er sei zwar für die Tarifanpassung, aber da die Stadt erst vor zwei Jahren angehoben habe, sei es noch zu früh. Zudem sei es ein falsches Signal, die Kosten für die Busfahrt zu erhöhen, während Parkplätze weiterhin kostenlos blieben. Schneider betonte, dass er den Citybus in keiner Weise zurückfahren wolle. „Das Ziel möchte ich nicht durch eine andere Preisstruktur kaputt machen – und auch an der Qualität möchte ich nichts ändern.“
MVV-Beitritt: Chancen und Risiken
Sowohl im Kreisausschuss als auch bei der jüngsten Kreistagssitzung wurden die Auswirkungen eines möglichen MTV-Beitritts des Landkreises Altötting auf Burghausen diskutiert. Bürgermeister Schneider sieht sowohl Chancen als auch Risiken: „Burghausen spielt eine Sonderrolle mit dem Citybus und wir wollen nicht, dass der in irgendeiner Form einbricht. Auch auf den Werkverkehr hätte der Beitritt einen Einfluss“, erklärte er.
Durch eine Anpassung an die MVV-Preise könnte es erneut zu Tariferhöhungen kommen. So kostet laut der MVV-Homepage eine Kurzstrecken-Einzelfahrt für Erwachsene 1,78 € (Streifenkarte – ein Streifen). Eine Monatskarte kostet bereits 68,40 €. Um nun die Einflussmöglichkeiten der Stadt Burghausens auf Preisgestaltung und weitere Möglichkeiten eingehend zu klären, soll demnächst ein Gespräch mit Kevin Konschuh, dem Mobilitätsmanager am Landratsamt stattfinden, so Bürgermeister Schneider. Bisher standen Überlegungen im Raum, dass Burghausen seine Bürger im Falle eines MVV-Beitritts mit Zuschüssen unterstützen könne.
Die Mitglieder des Hauptausschusses waren sich diesbezüglich einig, dass die Stadt sich weiterhin die Entscheidungshoheit und Tarifautonomie über ihren Citybus behalten sollte. Ob dies im Falle eines MVV-Beitritts möglich wäre, blieb jedoch offen. „Der Citybus ist für Burghausen unbedingt erforderlich und er muss unbedingt so erhalten bleiben“, betonte Schneider. Man dürfe die Qualität nicht gefährden, dennoch müsse die Stadt auf die Kosten achten: „Sonst wird es uns irgendwann auf die Füße fallen.“