Schließungen am Beispiel Burghausen
Zwischen Hoffen und Bangen: Warum die Gastronomie in der Region ums Überleben ringt
Leere Stühle, steigende Kosten und fehlende Gäste – viele Wirte in der Region kämpfen ums Überleben. Warum die Lage so ernst ist und was DEHOGA-Landeschef Thomas Geppert Hoffnung macht.
Oberbayern – Die Gastronomie steckt in einer schwierigen Phase. Zahlreiche Wirte in der Region klagen über leere Stühle, hohe Kosten und fehlendes Personal. Manche Betriebe schließen ganz, andere kämpfen sich mit viel Herzblut durch. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des DEHOGA Bayern, beschreibt die Lage als „deutlich angespannt, aber nicht hoffnungslos“.
„Deutliche Zurückhaltung bei den Gästen“
„Viele Betriebe spüren derzeit eine deutliche Zurückhaltung bei den Gästen“, sagt Geppert. „Die allgemeine Kaufzurückhaltung, gestiegene Lebenshaltungskosten und eine gewisse Konsummüdigkeit wirken sich spürbar auf die Gastronomie aus.“ Laut Statistik des Bayerischen Landesamts für Statistik gab es allein im ersten Halbjahr 2025 bereits 1031 vollständige Gewerbeabmeldungen in der Gastronomie. Auch wenn diesen Abmeldungen Neugründungen gegenüberstehen, zeigt der Trend: Es wird enger für viele Wirte.
„Energie, Lebensmittel und Löhne sind Kostentreiber“
„Besonders in den Monaten außerhalb der touristischen Hochsaison ist die Frequenz vielerorts rückläufig“, so Geppert. Während touristisch stark frequentierte Regionen oder Betriebe mit klarer Positionierung oft noch gut durchkämen, kämpften viele klassische Gasthäuser mit sinkenden Umsätzen. Laut Geppert stehen Gastronomen dabei drei Hauptproblemen gegenüber. Vor allem hohe Betriebsausgaben und niedrige Erträge spielen eine entscheidende Rolle. „Insbesondere Energie, Lebensmittel und Löhne sind Kostentreiber – aber auch die gestiegene Mehrwertsteuer. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass ab 1. Januar die Mehrwertsteuersenkung auf 7 Prozent kommt“, unterstreicht der DEHOGA-Geschäftsführer.
Nach wie vor komme erschwerend Personalmangel hinzu. „Aufgrund des demografischen Wandels haben es personalintensive Branchen wie das Gastgewerbe besonders schwer“, erklärt Geppert. Zuletzt kritisiert er auch den hohen bürokratischen Aufwand, dem Gastronomen gegenüber stehen. „Von Dokumentationspflichten bis hin zu komplizierten Förderverfahren kostet sie die Wirte wertvolle Zeit und Ressourcen“, so Geppert. Es brauche hier dringend spürbare Entlastungen.
Schließungen am Beispiel Burghausen
Exemplarisch für eine touristisch frequentierte Region ist die Inn-Salzach-Region und Burghausen. Gerade im Jahr 2025 zog das 1000-jährige Jubiläum und das Freilicht-Festspiel „Helmbrecht 2025“ viele Besucher an. Dennoch mussten das Sternerestaurant 271, das Restaurant „Zur Reib“, das „Maxi“ in den Grüben und die Kneipe „Mathilda“ am Stadtplatz schließen. Auch der Club „Moloko“ hat nach fast 18 Jahren angekündigt, Ende des Jahres aufzugeben.
„Seit Corona tröpfelt das Geschäft so dahin“, erklärte der Moloko-Betreiber Michael Petzold die Entwicklung. Der Inhaber des „Mathilda“ konnte bestätigen, dass sich das Ausgeh-Verhalten seit der Pandemie verändert habe. „Vor Corona habe ich an einem Freitag so viel Umsatz gemacht wie heute in einem ganzen Monat.“ Auch im Burghauser Umland muss Ende Oktober ein Gasthaus schließen: zwar gibt es bereits Interessenten, die den Kellerwirt in Haiming übernehmen wollen, doch auch hier gaben die bisherigen Pächter steigende Kosten und sinkende Realumsätze als Grund für ihre Restaurantschließung an.
„Die bayerische Gastronomie ist kreativ und fest verankert“
Trotz alledem sieht der DEHOGA-Geschäftsführer Thomas Geppert Lichtblicke: „Die bayerische Gastronomie ist kreativ, anpassungsfähig und fest in der Gesellschaft verankert.“ Viele Betriebe setzten auf Qualität, Regionalität und neue Konzepte, um Gäste zurückzugewinnen. Er unterstreicht aber auch: „Wenn die Mehrwertsteuer dauerhaft bei sieben Prozent bleibt, hilft das spürbar.“ Zudem sei die Einführung einer gesetzlichen Wochenarbeitszeit ein wichtiger Reformschritt, um den Wünschen der Mitarbeiter gerechter werden zu können.
