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Altstadt-Gastronomie im Wandel

Abschied von „Mathilda“ – Gemütliche Bar am „Scharfen Eck“ in Burghauser Altstadt schließt

Das „Mathilda“ sagt Adieu: Wirt Emanuel Haseloff hat Anfang Oktober seine Kultbar am Burghauser Scharfen Eck geschlossen.
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Das „Mathilda“ sagt Adieu: Wirt Emanuel Haseloff hat Anfang Oktober seine Kultbar am Burghauser Scharfen Eck geschlossen.

Das „Mathilda“ am Fuß des Burghauser Ludwigsberg gibt es nicht mehr. Inhaber Emanuel Haseloff zog Anfang Oktober einen Schlussstrich – mit dem Lokal verschwindet auch ein weiteres Stück Altstadtkultur.

Burghausen Das „Mathilda“ in der Burghauser Altstadt hat Anfang Oktober seine Schotten dicht gemacht. Nach sechs Jahren musste Inhaber Emanuel Haseloff, auch bekannt als „Emi“, einen Schlussstrich ziehen. Die Gründe für das Aus seines gemütlichen Lokals sind vielfältig – stehen aber stellvertretend für viele kleine Gastronomiebetriebe in der Region: sinkende Pro-Kopf-Umsätze, weniger Gäste, strenge Auflagen vom Ordnungsamt und steigende Kosten. Mit dem Abschied des „Mathilda“ endet nicht nur ein Gastronomiebetrieb, sondern auch ein kultiges Kapitel Stadtgeschichte am Fuße des Burghauser Ludwigsbergs – das weit über die Stadtgrenzen hinaus als „Scharfes Eck“ bekannt ist.

Gästen sitzt der „Pfennig“ nicht mehr so locker

Als „Emi“ im Mai 2019 das „Mathilda“ von Tassilo Knauer übernahm, hätte niemand gedacht, dass nur ein Jahr später globale Lockdowns die Gastronomie in die Knie zwingen würden. 2019 brummte der Laden noch: Täglich saßen Trauben junger Menschen auf den Stufen vor dem Lokal und regelmäßig fanden Konzerte dort statt. „Heute haben die Leute kein Interesse mehr daran“, sagt der Wirt. „Die schauen kurz rein, und wenn ein Konzert stattfindet wird weitergewandert.“ Auch die Karaoke-Abende, die in den ersten Jahren ein Publikumsmagnet waren, wurden zuletzt nicht mehr angenommen.

Vor Corona war das Weggeh-Verhalten einfach anders“, meint Haseloff. Der „Pfennig“ sitze heute nicht mehr so locker wie früher. „Damals habe ich an einem Freitag so viel Umsatz gemacht wie heute in einem ganzen Monat“, sagt Haseloff – aber es werde auch allgemein weniger getrunken: „Den Schnaps an der Bar, den gibt es heute nicht mehr.“

Allgemein habe sich auch das Freizeitverhalten der jungen Leute verändert, so der Wirt. „Heute trifft man sich daheim zum Vorglühen und wenn man weggeht, dann bleibt man eher unter sich.“ Die Zeit, in der man von Tisch zu Tisch wechselte und neue Leute kennenlernte, scheint vorbei. „Der Handygebrauch spielt dabei eine große Rolle“, meint der Betreiber.

Zu den ganzen Erschwernissen komme auch noch die Reglementierung seitens des Ordnungsamts. „Die Stadt macht es einem als Wirt nicht leicht“, kritisiert Haseloff. „Meldet man eine Veranstaltung an, kann man damit rechnen, dass man um 23 Uhr Schluss machen muss. Das ist einfach zu früh.“ Ohne Biergarten und mit seinen relativ dunklen Innenräumen konnte das „Mathilda“ aber nie auf ein großes Tagesgeschäft setzen.

Für Haseloff geht mit der „Mathilda“ nun ein Kapitel seines Lebens zu Ende. „Gastronomie war eigentlich immer mein Ding“, sagt er. Doch zuletzt sei es so schwer geworden, dass es keine Freude mehr mache. Dem Wirt zufolge wollen die Verpächter nun keine Gastronomie mehr.

Das „Scharfe Eck“, also das Haus zwischen Hofberg und Ludwigsberg, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Die bewegte Geschichte des Scharfen Ecks

Das Eckhaus zwischen Hofberg und Ludwigsberg, in dem sich die „Mathilda“ befindet, ist ein Ort mit bewegter Geschichte. Das „Scharfe Eck“ machte einige Jahre seinem Namen alle Ehre: In den 1950er bis 1990er Jahren sorgte hier nämlich das „Cabaret Lido“ für Schlagzeilen mit Striptease, Drogen und angeblichen Mafia-Verbindungen. „Blaulicht im Rotlicht-Milieu“, titelte die Münchner Abendzeitung 1995, als dort bei einer großen Razzia mehrere Personen festgenommen wurden.

Nach dem Ende der Rotlicht-Ära wurde das Gebäude wieder zum Gasthaus. Doch die Historie reicht weit zurück. Bereits im Jahr 1693 wohnte hier ein „Weißbierführer“. Das Burghauser Stadtarchiv belegt, dass das „Scharfe Eck“ über 400 Jahre Wirtshausgeschichte geschrieben hat. Erst im 19. Jahrhundert erhielt das Haus seine markante spitze Form – nachdem ein Nachbargebäude abgerissen wurde.

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