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Kleine Forscher und Entdecker

Inklusion schon seit 30 Jahren: So sieht der Alltag in der Franziskus-Gruppe im Kloster Au aus

Rund 15 Mädchen und Buben besuchen den integrativen Kindergarten in Au am Inn.
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Wachsen zu starken Persönlichkeiten heran: die Mädchen und Buben im Kindergarten in Au am Inn.

Autismus, Sprachdefizite, emotionale Probleme: Für Kinder mit besonderem Förderbedarf gab es in der Gesellschaft lange Zeit keinen Platz. Nicht so in Au bei Gars. In der Franziskus-Gruppe wird Inklusion seit 30 Jahren gefördert. Welche Herausforderung die Einrichtung täglich meistert und warum manche Eltern „schier verzweifelt“ sind.

Gars/Kloster Au – Klein, aber fein, diese Eigenschaften passen wie das Tüpfelchen auf dem i zum Kindergarten in Au bei Gars, sprich zur Franziskusgruppe. Eingehüllt in einer familiären Atmosphäre und beheimatet im Klosterhof dürfen sich Kinder ab dem zweiten Lebensjahr bis hin zur Einschulung frei und individuell entfalten, und das schon dreißig Jahre lang. Fünf Erzieherinnen und ein Heilpädagoge machen es möglich, dass sich die kleinen Mädchen und Buben mit teils ganz eigenen Bedürfnissen zu starken und fröhlichen Persönlichkeiten entwickeln können. Für alle Interessierten: Am Samstag (5. April) steht der Einrichtung eine bunte Geburtstagsfeier ins Haus.

Blick in einen Gruppenraum des Kindergartens: In der Mitte (rote Jacke) Leiterin Sabine Binsteiner-Maier.

1994 Gründung des inklusiven Kindergartens

Der integrative Kindergarten wurde 1994 gegründet und erhielt damals den Namen „Franziskus von Assisi Kindergarten Au“. Im Jahre 2012 übergab die Pfarrei Gars die Trägerschaft ihres Kindergartens an die Kongregation der Franziskanerinnen in Au. Aus dem Franziskus von Assisi Kindergarten und dem Kindergarten in Gars wurde das Kinderhaus „St. Antonius“. Fortan nennt sich der integrative Kindergarten, der mittlerweile eigenständig unter dem Dach des Franziskushauses läuft, kurz und bündig einfach nur „Franziskusgruppe“.

Rund 15 Mädchen und Buben besuchen den integrativen Kindergarten in Au am Inn.

Wie Einrichtungsleiterin Sabine Binsteiner-Maier berichtet, gehörte der Kindergarten vor dreißig Jahren zu den ersten in der Region, in der auch Mädchen und Buben mit Beeinträchtigungen willkommen waren. Momentan besuchen nach Informationen der Einrichtungsleitung 15 Kinder die Einrichtung. Bei fünf gilt der Integrationsstatus, der zum Ziel hat, Kinder mit Einschränkungen einer bestmöglichen Förderung zuzuführen. Zwei Kinder gehören dem sogenannten Autismus-Spektrum an, ein Kind weist Sprachdefizite auf und zwei zeigen soziale und emotionale Probleme. In einer integrativen Einrichtung werden maximal ein Drittel der Plätze für Kinder mit besonderen Bedürfnissen freigehalten.

„Das Herzstück unserer Gruppe ist die integrative Arbeit“, betont Binsteiner-Maier und ergänzt: „Wir leben Inklusion, und das jeden Tag.“ Das Team der Franziskusgruppe blickt auf langjährige Erfahrungen im Integrationsbereich zurück. Zusätzlich erhalten Kinder, aber auch die Erzieherinnen, einmal wöchentlich Unterstützung durch einen Heilpädagogen. Die Einrichtungsleiterin spricht von einer hohen Interaktionsqualität zwischen Kindern und Erziehern und davon, „dass jedes Kind so angenommen wird, wie es ist“.

Zu wenig integrative Betreuungsplätze

Manche Eltern von behinderten Kleinkindern seien schier verzweifelt, weil es entweder tatsächlich keinen Kindergartenplatz gibt, oder dieser gar verweigert wird, weiß Binsteiner-Maier, die jedoch zugibt: „Auch wir mussten aus Kapazitätsgründen schon Kinder ablehnen. Zurzeit schaut es besser aus, wir verfügen sogar über freie Plätze. Anmeldungen nehmen wir gerne entgegen.“

Das Zusammenspiel von behinderten und nicht behinderten Kindern bringe zahlreiche Vorteile für beide Seiten. Die Kleinen mit Beeinträchtigungen würden von den anderen Kindern viel lernen, weil sie beispielsweise deren Verhalten beim Spielen oder bei gemeinsamen Mahlzeiten nachahmen würden. Andererseits würden die nicht beeinträchtigten Kinder sehen, wie das Leben auch ausschauen könne, denn es gäbe einfach unterschiedliche Menschen auf dieser Welt.

Viel in der Natur

Aufgrund des pädagogischen Konzepts kann in Kloster Au jedes Kind am Gruppengeschehen teilnehmen. Den Kindergarten-Alltag beschreibt Sabine Binsteiner-Maier folgendermaßen: „Natürlich besprechen wir mit den nicht beeinträchtigten Kindern die jeweilige Situation, sodass eine sogenannte Behinderung zwischen unseren Schützlingen eigentlich kein Thema mehr darstellt. Außerdem sind die Kinder ohne Integrationsstatus direkt ein bisschen stolz, denn sie verstehen sich durchaus als kleine Miterzieher.“ Was der Franziskusgruppe auch außerhalb des Klosterhofes immer wieder beste Laune verleiht, ist einem wunderbaren Wiesengrundstück am Ortsrand von Au zu verdanken. Nur wenige Gehminuten von der Einrichtung entfernt heißt es: „drunt in der greana Au steht a Bauwang schee blau“.

30 Jahre Integrationskindergarten

Am Samstag (5. April) feiert der Integrationskindergarten sein 30-jähriges Bestehen. Los geht es um 13.30 Uhr mit einem Familiengottesdienst in der Pfarrkirche. Im Spielegarten laden eine Hüpfburg und verschiedene Spielstationen zu einem fröhlichen Beisammensein ein. Für Verpflegung ist gesorgt. Zwischen 14.30 und 16.30 Uhr kann die Einrichtung besichtigt werden.

Bauwagen dient als Natur-Gruppenraum

Mitten unter einer Walnuss-Allee befindet sich nämlich ein himmelblauer Bauwagen, der den Kindern als „Natur-Gruppenraum“ dient. Die Erzieherinnen beobachten mit Freude, wie sich die Mädchen und Buben an diesem Ort in Forscher und Entdecker verwandeln. Die Stärkung eigener Fähigkeiten und Fertigkeiten gebe es dadurch quasi gratis dazu.

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