Bindeglied zwischen Bevölkerung und Polizei
„Haben keine Zeit mehr für Fußstreifen“: Sicherheitswacht soll Traunreuter Polizei helfen
Die Traunreuter Polizei wird künftig durch eine Sicherheitswacht aus aufmerksamen Bürgern unterstützt, hat der Stadtrat jetzt entschieden. Was die Sicherheitswacht darf, wer Mitglied werden kann und wo sie eingesetzt werden soll:
Traunreut - Das Problem ist einfach und anschaulich beschrieben: „Wir haben eigentlich keine Zeit mehr für Fußstreifen“, so Michael Doppelberger von der Polizeiinspektion (PI) Trostberg. Zusammen mit PI-Leiter Bernhard Dusch stellte er am Donnerstag (1. Februar) im Traunreuter Stadtrat das Konzept der Sicherheitswacht vor: Ehrenamtliche Bürger in Uniform sollen in der Stadt sichtbar und präsent sein - als Helfer und Ansprechpartner oder zum Lösen kleinerer Probleme. Sicherheitswachten gibt es unter anderem auch schon seit 2017 in Traunstein oder seit 2019 in Trostberg.
Kein Ersatz für die Polizei, nur eine Ergänzung
„Wir wollen der Unkultur des Wegschauens entgegenwirken“, so Bernhard Dusch. Vor allem auf öffentliche Anlagen, ÖPNV-Haltestellen, Wohnsiedlungen oder Asylbewerberheime sollen die Sicherheitswachtler ein Auge haben. Aber auch bei Veranstaltungen oder als Schulwegshelfer könnten sie zum Einsatz kommen. Die Beamten betonen: Die Sicherheitswacht wird die Polizei nicht ersetzen, sondern ihre Arbeit nur ergänzen. Ein„sichtbares und ansprechbares Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Polizei“.
Mindestens sechs Männer oder Frauen zwischen 18 und 62 Jahren soll die Traunreuter Sicherheitswacht umfassen. Nötig sind Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Zivilcourage. Vorausgesetzt wird außerdem eine Schul- oder Berufsausbildung sowie sicheres Deutsch. Die Sicherheitswachtler durchlaufen zuvor eine Ausbildung mit 40 Unterrichtseinheiten. Sie sind immer zu zweit unterwegs, die Aufgaben werden mit der örtlichen Polizei abgestimmt. Die Vergütung dieses Ehrenamts liegt bei acht Euro pro Stunde und wir vom Freistaat bezahlt.
Bewerber werden von der Polizei davor genau geprüft
Was die Mitglieder dürfen, steht im Sicherheitswachtgesetz: unter anderem Ausweise kontrollieren, Personendaten übermitteln oder Platzverweise erteilen. „Den Platzverweis durchsetzen, zum Beispiel mit Gewalt, dürften sie aber nicht“, machte Bernhard Dusch klar - wenn es zu Problemen kommt, wird immer die Polizei hinzugezogen. Ein frei erhältliches Pfefferspray, zur Abwehr in Notsituationen, werden die Männer und Frauen trotzdem dabeihaben. Klar ist auch: Die Bewerber werden von der Polizei zuvor genau geprüft.
„Das wird ein gutes Bild in Traunreut machen“, war Stadtrat Alfred Wildmann (Freie Wähler) überzeugt. Dagegen waren letztlich nur die SPD-Mitglieder Christian Stoib und Gerti Winkels. Stoib zeigte sich skeptisch, weil uniformierte „Hilfs-Sheriffs“ im Stadtbild wirken könnten, als habe man einen „Generalverdacht gegen die Bürger“, die „immer über die Stränge schlagen würden“. Mit einer deutlichen Mehrheit von 28:2 stimmte der Stadtrat einer Sicherheitswacht für Traunreut zu. Man rechnet mit einem Jahr, bis sie an den Start gehen kann.
xe
