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Die Therapiehunde-Teams Chiemgaupfoten vom Roten Kreuz stellen sich vor

Zwölf Pfoten für ein Halleluja: Sind Hunde die besseren Therapeuten?

Therapiehunde-Teams im Chiemgau (von links): Tanja Rausch mit Hündin Frieda, Katrin Engelhardt mit Hündin Filli und Ania Jungkunz mit Hündin Aisha.
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Das sind die ersten, vom Bayerischen Roten Kreuz ausgebildeten Therapiehunde-Teams im Chiemgau (von links): Tanja Rausch mit Hündin Frieda, Katrin Engelhardt mit Hündin Filli und Ania Jungkunz mit Hündin Aisha.

„Frieda, mach sitz“ - die Border Collie Hündin wird für das Gruppenbild in Position gebracht. Kein Problem, denn: Die Fellschnauzen vom Therapiehunde-Team Chiemgaupfoten sind gut erzogen. Lange war es verpönt-Hunde in sozialen Einrichtungen. Dabei können die Vierbeiner „emotionale Grenzen“ überwinden, sagt auch Ania Jungkunz, Ärztin im Traunsteiner Krankenhaus. Wie künftig zwölf Pfoten im Chiemgau Glück bringen:

Siegsdorf –„Es war schon immer mein Lebenstraum“, erzählt uns Ania gleich zu Beginn des Gespräches. Ein Hund als beste Freundin und Weggefährtin. Und dann zog Aisha bei ihr und ihrem Mann ein. Ein Alaskan Malamute, eigentlich Schlittenhunde aus dem Norden der USA. Wie auch die anderen beiden Frauen wollte Ania Zeit mit ihrem Hund verbringen, ihn beschäftigen und dabei noch etwas Gutes tun.

Zwölf Pfoten für ein Halleluja: Die Therapiehunde-Teams stellen sich vor

Der Termin im Garten von Katrin in Siegsdorf beginnt aber erst mal ohne Worte, dafür mit Gebell. Denn auch Therapiehunde bellen mal. Und ganz besonders Frieda, die Hündin von Tanja, muss mich erst mal stürmisch begrüßen, wir kennen uns vom gemeinsamen Gassigehen. Dann beruhigen sich die Hunde und die Menschen sind dran: Katrin Engelhardt mit Hündin Filli, Tanja mit Hündin Frieda und Ania mit Hündin Aisha. Sie sind das neue Therapiehundeteam des Bayerischen Roten Kreuzes im Chiemgau: Drei Teams, drei Einsatzbereiche:

Therapiehunde-Team Katrin mit ihrer Hündin Filli, die sie aus dem Tierschutz adoptiert hat: Filli sei schon immer eine sehr liebe, ruhige und freundliche Hündin gewesen, die gern Zeit mit Kindern verbringt.

Katrin und Filli arbeiten sehr gern mit Kindern und Jugendlichen

„Ich habe die Filli, das ist ein Boder-Schäfer-Mix, mit zehn Monaten bekommen. Sie kommt ursprünglich aus dem Tierschutz aus Kroatien und ich habe gleich gemerkt, dass sie eine super entspannte, freundliche und ruhige Hündin ist und sehr gern mit Kindern Zeit verbringt.“ Katrin, die stolze Besitzerin von Filli, ist eigentlich bei einer großen Maschinenbaufirma angestellt und jedes Jahr an Weihnachten überbringen sie einem Kinderhospiz einen Spendencheck.

Therapiehund Filli mit ihrer Besitzerin Katrin Engelhardt im Einsatz: Therapiestunde für traumatisierte ukrainische Kinder beim Roten Kreuz in Traunstein.

„Und so bin ich einfach auch auf die Idee gekommen, Mensch, das wäre ja was, wenn ich einen Therapiehund habe, dass ich in diese Einrichtung mit ihr gehe.“ Und Katrin hat auch schon erste Erfahrungen machen können. Sie war mit ihrer Hündin nach der Ausbildung bereits beim Roten Kreuz, um dort traumatisierte ukrainische Kinder zu unterstützen. „Das war richtig toll“, erzählt sie uns, während wir die Fotos von ihrem Einsatz ansehen.

Auch Border Collie Hündin Frieda hat schon Erfahrung im Kinderhilfe-Bereich

Auch Frieda und ihre Besitzerin Tanja konnten schon einige Jahre Erfahrung sammeln, wie gut sich die Anwesenheit eines Hundes im Bereich Kinder- und Jugendarbeit auswirkt: „Ich arbeite ja in einer Jugendhilfeeinrichtung und da ist die Frieda von Anfang an dabei. Und hat natürlich auch das Zusammenleben mit Kindern und Jugendlichen von Anfang an kennengelernt.“ Von der Therapiehundeausbildung hat sich Tanja noch mehr Input erhofft, was man zusammen mit den Kindern und dem Hund machen kann. Außerdem interessiere sie sich auch künftig für die ehrenamtliche Arbeit mit Senioren.

Team Frieda mit Besitzerin Tanja Rausch: Die beiden sind ein bewährtes Team und arbeiten schon lange zusammen in der Kinder- und Jugendhilfe in Traunreut.

Ania und Aisha im Krankenhaus? „Das wäre ein Traum“

Hunde in der Kinder- und Jugendarbeit, ja selbst im Seniorenheim können sich wahrscheinlich die meisten vorstellen. Aber Hunde im Krankenhaus? Das ist doch unhygienisch? „Der Patient muss grundsätzlich erstmal ein ausreichend starkes Immunsystem haben. Und der Hund natürlich muss auch die Voraussetzungen erfüllen, dass er auch keine Krankheit überträgt. Aber in bestimmten Bereichen ist es auf jeden Fall möglich.“ Ania weiß, wovon sie spricht, denn sie ist Ärztin für innere Medizin am Klinikum Traunstein.

Hier spielt Ania, eigentlich Ärztin, eine liegende Patientin. Hündin Aisha hat gelernt, sich ganz entspannt neben die Person zu legen und so durch ihre Nähe für Ruhe und Freude zu sorgen.

Für sie wäre es ein riesengroßer Traum, erzählt sie uns mit leuchtenden Augen, wenn sie ihren Job als Ärztin verbinden könnte mit der ehrenamtlichen Tätigkeit als Therapiehundeteam: „Also wenn ich das gerade im Klinikum Traunstein umsetzen könnte, da würde mein Herz höher springen, da würde ich auch abends reinkommen. Ich kann es nicht erklären, aber es würde mich einfach total erfüllen.“ Was ist denn so besonders toll an diesem Therapiehunde-Konzept, wollen wir wissen, nachdem die drei so geschwärmt haben?

Die drei Frauen Tanja, Ania und Katrin haben sich bei der Therapiehundeausbildung kennengelernt und gleich richtig gut verstanden. In Zukunft wollen sie auch zusammen zu Einsätzen gehen und haben sich den Namen “Chiemgaupfoten Therapiehundeglück“ gegeben.

Hunde kommunizieren anders: einfühlsame Nähe ohne Worte

„Ich habe immer wieder Grenzen in meiner Arbeit gesehen. Emotionale Grenzen. Also obwohl ich bei den Patienten war, habe ich mit meinen Worten einfach nicht genügend Nähe herstellen können. Oder einfach das Gefühl gehabt, dass ich ihnen nicht wirklich so helfen kann wie ich möchte. Und Medikamente und Gespräche sind die eine Seite.“ Ania meint, sehr wichtig wäre eben auch Zeit beim Patienten. Und Hunde könnten auf einer ganz anderen Ebene kommunizieren, sie seien einfach einfühlsamer, ganz ohne Worte. Aber können denn alle Vierbeiner ein Therapiehund werden?

Nicht jeder Vierbeiner eignet sich zum Therapiehund

Ganz klares „nein“, kommt als Antwort von allen dreien. Es gäbe wichtige Grundvoraussetzungen, die die Hunde mitbringen müssen: „Also Voraussetzungen sind zum Beispiel, dass der Hund schon in seinem Charakter gefestigt ist, also darf er es ab zwei Jahren beim Roten Kreuz mitmachen.“ Ania erklärt weiter, neben der Gesundheit und dem Alter müsse der Hund einen gewissen Grundgehorsam schon mitbringen: Leinenführigkeit, Grundkommandos wie Sitz oder Bleib sollten schon funktionieren.

„Also natürlich richtige Gründe, durch die Eignungsprüfung zu fallen, wäre, wenn der Hund wirklich doch eine Überlastübungsstressreaktion zeigt.“ Deshalb sei es für ängstliche Hunde zum Beispiel keine gute Idee, die Ausbildung zu absolvieren: Bei der Eignungsprüfung, die vor dem eigentlichen Kurs stattfindet, werden entsprechend Situationen simuliert, die dann im Einsatz auch so passieren können: Scheppern von Gläsern, Menschen, die mit Rollator auf den Hund zukommen, unerwartetes Anfassen von hinten, schreiende oder hinkende Menschen.

Bei der Ausbildung wird Wert darauf gelegt, dass sich Hund wie Mensch wohlfühlen

Es sei eben wichtig, dass es dem Hund bei der Arbeit als Therapeut auf vier Pfoten auch gut gehe, deshalb das strenge Auswahlverfahren. Die Hündinnen von Tanja, Ania und Katrin haben mit Bravour bestanden und konnten sich dann in die Ausbildung stürzen: „Die Ausbildung hat man natürlich neben der eigentlichen Arbeit noch gemacht. Das waren vier Wochenenden, jeweils Freitag bis Sonntag. Da war dann die Prüfung schon inklusive und der Eignungstest.“ Tanja lobt aber das Konzept, es sei so gut aufgebaut gewesen, dass man das auf jeden Fall schaffen konnte. Theorie und Praxis wechselten sich beim Kurs ab:

Unterschiedliche Patienten - unterschiedliche Herausforderungen

Ein großer Themenblock war zum Beispiel, so Ania, der Therapiehundeeinsatz: „Wir haben ganz viele unterschiedliche Patienten und quasi ein Spektrum analysiert, was für Bedürfnisse die Patienten haben, sprich von gesunden Menschen, Patienten mit Demenz oder auch Patienten mit neurologischen Erkrankungen, wie Schlaganfall und vielleicht Bewegungen, die dann auch für uns oder auch den Hund außergewöhnlich wirken können.“

Und egal ob im Krankenhaus, im Seniorenheim oder Kinderhospiz, ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung war: „Wie kann ich meinen Hund lesen lernen. Also wir haben auch sehr viele Videos und auch Theorie zum Lesen angeschaut, wie wir den eigenen Körper und die Sprache des Hundes interpretieren.“ Ania betont, dass es wichtig sei zu wissen, wann Schluss ist: „Und das war auch in sehr vielen Sitzungen, wenn wir mit Kindern oder im Seniorenheim waren, dass wir sagen, ich erkenne, wann mein Hund Stress hat und dass man rechtzeitig auch rausgeht.“

Nach 45 Minuten im Einsatz brauchen die Hunde eine Pause

Für erfahrene Therapiehunde dauert ein Besuch höchstens 45 Minuten, Anfängerteams sollten erst mal mit fünf bis zehn Minuten starten. Die Anwesenheit eines Hundes kann bei vielen Menschen für Geborgenheit, Nähe und Ruhe sorgen. Einige soziale Einrichtungen haben das bereits erkannt und das Bayerische Rote Kreuz vermittelt gerne den Kontakt zu dem neuen Therapiehunde Team Chiemgaupfoten, die sich während ihrer Ausbildung kennengelernt haben und nun auch manchmal künftig zusammen Termine übernehmen wollen:

„Ich hoffe doch, dass sich das immer mehr herumspricht, dass Hunde wirklich eine große Hilfe sein können.“ Tanja sagt, sie seien jetzt in den Startlöchern und freuen sich künftig mit ihren Hündinnen Menschen zu beglücken.

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