Weniger Abfall, mehr Recycling
Auf dem Weg zur Zero-Waste-Stadt: Bekommt Wasserburg die gelbe Tonne?
Wasserburg will weniger Müll produzieren. Dafür soll das Abfallsystem verbessert werden. Mit welchen Änderungen die Bürger rechnen müssen.
Wasserburg – Der Müll in Wasserburg soll weniger oder zumindest besser entsorgt werden. Zero-Waste, also Abfallvermeidung durch weniger Müll, mehr Wiederverwendung und Recycling, ist die Prämisse. Damit das klappt, hat sich die Stadt einen Experten ins Boot geholt. Dr. Niklas Heller vom Büro Infa erläuterte dem Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung die Pläne und schlug mögliche Verbesserungen vor.
Was die Abfallentsorgung angeht, ist Wasserburg ein Unikat. Als einzige Kommune im Landkreis Rosenheim regelt sie ihren Abfall selbst mit einem besonderen Management. „Ein solches Hol- und Bringsystem wie hier in Wasserburg gibt es selten“, stellte Heller fest und spielte damit auf die Wertstoffinseln der Stadt an. Die Ergebnisse des Wasserburger Sonderfalls können sich jedoch sehen lassen. Mit einer Abfallmenge von 370 Kilogramm pro Jahr produzieren die Bewohner der Innstadt weniger Müll als der Durchschnittsbürger, der über 400 Kilogramm im Jahr wegwirft. Insbesondere erfreulich: die Restabfallmenge. Seit der Einführung der Biotonne vor einigen Jahren ging die Menge von 124 auf etwa 90 Kilogramm zurück. Im Vergleich zum Landkreis Rosenheim würden auch weniger organische Abfälle in der schwarzen Tonne landen.
Verbesserungspotenzial auch in Wasserburg
Doch bei allem Lob: Es gibt auch in der Stadt Wasserburg Verbesserungspotenzial, was die Abfallentsorgung angeht. Finanziell könne sich die Stadt einiges sparen. Zum Beispiel den Unterhalt der Wegeschleusenpresscontainer. Diese besonderen Einrichtungen gibt es derzeit noch am Wertstoffhof, hier können Bürger ihren Rest- und Biomüll selbstständig wiegen und abgeben. „Diese Container werden aber nur noch selten genutzt“, stellte Heller fest. Dafür seien sie technisch aufwändig und teuer. Im neuen Wertstoffhof, so seine Empfehlung, sollen sie deshalb nicht installiert werden.
Zudem würden vergleichsweise viele Plastikverpackungen im Restmüll der Wasserburger landen. Außerdem sei die Menge an Plastikmüll allgemein vergleichsweise hoch. Wohl auch, so die Vermutung von Heller, weil Personen, die in Wasserburg arbeiten würden oder auf Durchreise seien, ihren Kunststoff an den frei zugänglichen Wertstoffinseln umsonst entsorgen würden. Entsprechend war Hellers erster Verbesserungsvorschlag: Die Einführung einer gelben Tonne ab dem Jahr 2028. Nur die Altstadt-Bürger sollen weiterhin ihren Plastikmüll zu Wertstoffinseln bringen. „Hier ist der Platz oft begrenzt, eine weitere bekommen viele Haushalte nicht unter“, begründete er die Ausnahme.
„Abfall zieht weiteren Abfall an“
Weiterhin empfahl Heller, die Alttextilien-Container aus den Wertstoffinseln zu nehmen. Die Erfahrung zeige, dass sich die Sammlung von Stoffen und alten Kleidungsstücken kaum lohnen würde, da die Qualität oft schlecht sei. Zudem gelte die Prämisse: „Abfall zieht weiteren Abfall an.“ Um die Wertstoffinseln sauber zu halten und so die Reinigungskosten zu senken, sei es deshalb empfehlenswert, Alttextilien nur noch auf dem neuen Wertstoffhof zu sammeln und natürlich in privaten Containern von Vereinen. An den Wertstoffinseln sollen damit nur noch die Glascontainer verbleiben, so Hellers Empfehlung.
Außerdem empfahl der Experte, weniger Bürgern eine Befreiungen der Biotonne zu ermöglichen. Vor allem die Befreiung wegen Eigenkompostierung ist ihm ein Dorn im Auge. „Das Problem ist, viele Bioabfälle wie Fleisch und Knochen können gar nicht kompostiert werden“, stellte Heller fest. Unter anderem dadurch seien bei Personen, die Eigenkompostierung angemeldet hätten, bis zu einem Drittel mehr organische Abfälle in ihrer Restmülltonne zu finden. „Das heißt nicht, dass der eigene Kompost verboten wird“, betonte Heller, „aber es würde sich empfehlen, auch diese Bürger dazu zu verpflichten, eine Biotonne zu haben.“ Zudem solle es eine Befreiung aus Platzmangel nur noch für Altstadt-Bürger geben.
Eine letzte Empfehlung von Heller: Einen Abholdienst für sperrige Abfälle und Elektrogeräte einzuführen, um diese Abfallentsorgung zu vereinfachen. Die Idee sei, dass die Bürger ein Sondermüll-Fahrzeug anfordern könnten, dass den Abfall abhole.
Wiegesystem ist effektiv
Der Stadtrat Wasserburg lauschte den Ausführungen interessiert. Dritte Bürgermeisterin Edith Stürmlinger (Bürgerforum) erkundigte sich anschließend, wie effektiv das Wiegesystem des Restmülls sei. Das interessierte auch Christian Stadler (Grüne), insbesondere bei Mehrfamilienhäusern zweifelte er an der Effektivität. „Man zahlt auch für den Müll der Nachbarn mit, da fällt der Anreiz, Restmüll zu vermeiden, einfach weg.“ Heller stellte jedoch fest, dass die Zahlen für das Wiegen sprächen. „Sie haben unter 100 Kilogramm Restmüll pro Kopf, das ist sehr wenig.“ Der Grund, warum viele Großstädte von einem Wiegesystem abgerückt seien: die Tatsache, dass sich der „Abfall unschöne Wege gesucht hat.“ In Wasserburg sei dies jedoch nicht festzustellen. „Mein Eindruck ist nicht, dass es große Müllablagerungen in der Stadt gibt.“
Dr. Hermann Budenhofer (Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg) erkundigte sich, ob es nicht einfacher sei, eine Sperrmüllsammlung zu einem festen Zeitpunkt etwa ein- bis zweimal im Jahr durchzuführen. Wenn die Bürger ein Fahrzeug anfordern könnten, sei die Gefahr, dass dieses beinahe leer durch die Gegend fahre. Heller widersprach jedoch. Es sei bürgerfreundlicher und finanziell besser, die Sperrmüllsammlung auf Anforderung durchzuführen. Bei einem Dienst auf Bestellung werde zudem ein Termin vorgeschlagen, an dem das Fahrzeug mehrere Abfälle abhole, sodass das Auto meist voll werde.
Altstadt-Bürger nicht benachteiligen
Norbert Burotesch, Fraktionsvorsitzender von Bürgerforum Wasserburg/Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg/ ÖDP, sorgte sich um die Altstadt-Bürger. „Hier bekommen wir die Abfallentsorgung ohne Bringsystem nicht hin“, stellte er fest. Da der Wertstoffhof nun aus der Altstadt herausgenommen werde und die Wegeschleusenpresscontainer abgeschafft werden sollten, sei die Gefahr, dass „die Altstadt-Bürger benachteiligt werden.“ Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) stellte jedoch fest, dass laut Daten der Stadt lediglich 40 Altstadt-Haushalte aufgrund von Platzmangel keine Tonne hätten. „Das ist eine sehr überschaubare Anzahl, ich bin sicher, hier können wir eine Lösung finden.“
Einstimmig nahm der Stadtrat schließlich das Abfallwirtschaftskonzept an. Damit ist der erste Schritt auf dem Weg zur Zero-Waste-Kommune geebnet. Die einzelnen Maßnahmen, wie die Einführung einer gelben Tonne, müssen jedoch noch gesondert im Stadtrat diskutiert und beschlossen werden.
