Mit 27 in die Selbstständigkeit
Start mit Höhen und Tiefen: So läuft’s in „Fanni‘s Ladl“ in Vagen für Franziska Stadler
Vor fast drei Monaten eröffnete Franziska Stadler ihren Supermarkt „Fanni‘s Ladl“ in Vagen. Mit gerade einmal 27 Jahren entschied sie sich für den Weg in die Selbstständigkeit. Doch nicht alles lief nach Plan.
Vagen – Es ist ein Weg, den Franziska Stadler nie gehen wollte. „Ich habe eigentlich immer gesagt, das ist das Allerletzte, was ich machen will“, sagt sie und lacht. Und doch hat sie es gemacht. Mit gerade einmal 27 Jahren. Nach der Schließung des Supermarkts „nah & gut Baumann“ in ihrem Heimatort Vagen hat sie diesen kurzerhand übernommen und in „Fanni‘s Ladl“ umgestaltet. Nun steht sie hinter der Kasse und blickt auf die ersten Monate seit der Eröffnung zurück.
Diese war am 29. März. Zusammen mit Familie, Freunden und zahlreichen Besuchern feierte Stadler diesen Augenblick. „Es war ein super Tag und hat richtig viel Spaß gemacht“, erinnert sie sich. Nach zehn Jahren in der Gastronomie und den „entsprechenden Arbeitszeiten“ wollte sie etwas Neues ausprobieren. Es sei ein Glückstreffer gewesen, dass ein Nachfolger für den kleinen Supermarkt an der Hauptstraße in Vagen gesucht wurde. Sie habe sich gedacht „Wieso eigentlich nicht?“ und kurzerhand den Laden übernommen.
Die andere Seite der Selbstständigkeit
Und damit kamen gleich mehrere neue Aufgaben auf Stadler zu. Buchhaltung, Steuern und das Kassensystem waren nur ein paar der Dinge, in die sie sich schnell reinlesen musste. „Ich bekomme sehr viel Unterstützung von meiner Familie“, sagt sie dankbar. Ihre Mutter und Tante helfen im Laden mit und schauen über die Abrechnung. „Und die Steuern erledigt zum Glück ein Steuerberater“, sagt sie und lacht.
Mit der Selbstständigkeit kamen noch weitere Herausforderungen auf die junge Vagenerin zu. „Unser Kartensystem hat die ersten zwei Wochen nicht funktioniert und es gab zu Beginn ein paar Schwierigkeiten mit dem Bestellen“, erinnert sie sich. Gerade vor Ostern habe es dabei Probleme gegeben. Denn für die Feiertage kaufen Kunden mehr als gewöhnlich ein. Und egal, wie viel mehr an Mengen Stadler bestellte, letztendlich sei es immer zu wenig gewesen.
Und damit nicht genug. „Die meisten Tage sind ganz gut, aber es sind auch schon mal ein paar schlechtere Tage dabei“, sagt Stadler. An solchen Tagen merke sie deutlich, dass weniger Kunden in ihrem Laden einkaufen als gewöhnlich. Doch sich davon unterkriegen lassen, kommt für Stadler nicht infrage. „Ich mache mir vielleicht manchmal zu wenig Gedanken, aber man darf in solchen Situationen nicht gleich schwarz sehen“, sagt sie. Schließlich sei morgen wieder ein neuer Tag, an dem man hoffe, dass es besser wird. Zudem ist sie erst noch am Anfang. Ihr Laden ist erst seit fast drei Monaten geöffnet. Vieles muss sich erst noch einspielen. „Und es macht mir wirklich sehr viel Spaß“, betont Stadler.
Zuspruch von den Kunden
Außerdem gebe es viel mehr schöne Momente, die Franziska Stadler zeigen, warum sie diesen Job so gerne macht. „Kunden sagen mir zum Beispiel, wie schön es ist, dass es diesen Laden wieder gibt“, sagt sie. Nicht selten werde ihr kleiner Supermarkt zum Treffpunkt einiger Bewohner des Ortes, um sich kurz über den Dorfklatsch auszutauschen. Auch die neuen Arbeitszeiten sind für Stadler besser. Mit der Selbstständigkeit hat sie jetzt auch sonntags und an den Abenden frei und kann diese Zeit „endlich wieder genießen“.
Für Stadler ist damit klar, der Schritt in die Selbstständigkeit war für sie die richtige Entscheidung. Auch wenn es nicht immer einfach ist. „Wenn es nicht gut läuft oder wenn Fehler passieren, dann ist es meine Schuld und ich muss mich drum kümmern“, sagt sie. Jedoch wachse man auch an diesen Aufgaben. Zudem müsse man auch immer wieder überlegen, was die Kunden noch gebrauchen könnten. Nicht selten fallen deshalb auch einige Waren aus dem Sortiment und andere kommen hinzu. „Wir haben jetzt auch einen zweiten Obstlieferanten dazugenommen, damit immer frisches Obst da ist und die Auswahl größer wird“, erklärt Stadler.
Laut ihr wird auch die regionale Geschenkecke gut angenommen. Hier finden Kunden selbstgemachten Honig und Schnaps vom Vermieter des Hauses und Schmuck von zwei guten Freunden von Franziska Stadler. Derzeit ist die Inhaberin in der Planung, einen Paketservice einzuführen, damit Kunden ihre Pakete abholen oder aufgeben können. Und das ist gerade einmal der Anfang. „Es ist alles noch am Wachsen und entwickelt sich“, so Franziska Stadler.
„Familie als Rückhalt“
Auf die ersten drei Monate blickt Stadler zufrieden zurück. Dass sie den Weg in die Selbstständigkeit gehen konnte, sei für sie nicht selbstverständlich. Sie habe es vor allem ihrer Familie zu verdanken. „Bei mir ging es nur, weil ich eine starke Familie als Rückhalt habe“, betont die Inhaberin. „Ich glaube, ganz alleine wäre es viel schwieriger.“
Anderen, die diesen Weg ebenfalls gehen möchten, rät sie, es einfach auszuprobieren. Wichtig sei ihrer Meinung nach, frühzeitig die Reißleine zu ziehen, wenn man erkennt, dass es mit der Selbstständigkeit doch nicht läuft. „Ich bin aber froh, dass ich das gemacht habe“, sagt Franziska Stadler. „Bei mir hat es sich wirklich gelohnt.“