Dorferneuerung in Soyen
„Totaler Käse“ und „absolutes Unverständnis“: Soyener beschweren sich über „Lärm-Pflaster“
Kaum verlegt, schon gibt es Ärger: Das neue Pflaster in der Soyener Seestraße sorgt buchstäblich für Unruhe. Der Grund: der Verkehr, der über den neuen Belag fährt, ist nun deutlich lauter. Ist es tatsächlich so schlimm? Hören Sie selbst. Das sagen die Bürger dazu.
Soyen – Die Erneuerung der Dorfmitte in Soyen begleitet Verwaltung und Bürger schon lange. Zu der Thematik gab es Workshops, einen Arbeitskreis und zahlreiche Pläne, um den Ortskern für die Soyener attraktiver zu gestalten. Immer wieder gab es Rückschläge, auch was die Fördergelder dafür anging. Nach einem Antrags-Marathon schaffte es die Kommune, die nötigen Mittel dafür bereitgestellt zu bekommen und die Arbeiten konnten 2024 starten.
Verkehr deutlich lauter
Unter anderem wurde in der Seestraße in Soyen, gegenüber des Dorfladens, ein neues Pflaster installiert. Doch das gefällt nicht allen. Der Grund ist aber nicht die Optik, sondern, weil der Verkehr dort nun deutlich lauter zu hören ist.
Anwohner der Seestraße haben sich deshalb in der April-Sitzung des Soyener Gemeinderat beschwert. Sobald Autos darüber fahren, sei das neu verlegte Pflaster an dieser Stelle eindeutig zu laut. Zudem seien Autos erheblich zu schnell unterwegs, beobachte man, das verstärke den Lärm. Da der Belag nicht mehr zu ändern sei, schlugen die Anwohner eine Geschwindigkeitsreduzierung, beispielsweise von 50 auf 30 km/h vor, an dieser Stelle vor.
Bürgermeister Thomas Weber meinte in der Sitzung, dass sich diese Absicht zwar gut anhöre, in der Praxis eine Geschwindigkeitsreduzierung aber schwierig zu bewerkstelligen sei. Mit dem Pflaster sei ein Platzcharakter beabsichtigt, der Schnellfahrer bremse, erklärte er. Zudem habe sich der Arbeitskreis bei den Plänen zur Dorferneuerung befasst. Daran hätte sich jeder beteiligen können, erklärte Weber. Er versprach, dass sich die Verwaltung das Problem „anschauen und anhören“ werde.
In Soyen ist man sich über das neu verlegte Pflaster ebenfalls uneinig. Eine Bürgerin zeigt sich davon wenig begeistert. Sie versteht nicht, „warum man die Passage nicht einfach hätte teeren können“. Nicht nur die Lautstärke störe sie, auch optisch könne sie die Entscheidung für das Pflaster nicht nachvollziehen. „Man hat fast ein schlechtes Gewissen gegenüber den direkten Anwohnern, wenn man nachts darüber fährt“, sagt sie.
Eine weitere Soyenerin stimmt ihr zu. Ihrer Meinung nach sei es auch „totaler Käse“, dass die Fahrer – wie der Bürgermeister im Gemeinderat angemerkt hat – an dieser Stelle durch die veränderte Optik auf der Straße langsamer fahren würden. Sie stehe dem neu gepflasterten Straßenteil ebenfalls mit „absolutem Unverständnis“ gegenüber.
„Nicht wirklich“ gestört
Ein direkter Anwohner meint hingegen, er fühle sich „nicht wirklich“ von der Lautstärke des Verkehrs gestört. „So etwas ist immer eine Umstellung, aber man gewöhnt sich an alles“, sagt er. Viele Menschen würden mit Veränderung erstmal schlecht zurechtkommen, aber mit der Zeit würden sich bestimmt alle mit dem neuen Pflaster arrangieren, meint er. Dass Schnellfahrer allerdings durch die Optik des Pflasters langsamer fahren würden, das zweifle auch der Anwohner an.
Ein weiterer Soyener freut sich über die neue Straßengestaltung. Er findet, dass sie „optisch etwas hermacht“. Ihm sei aber auch klar, dass der daraus resultierende Lärm störend sein könne. Das Problem sei aber nicht das Pflaster, sondern die Raser, die viel zu schnell durch den Ort fahren, beanstandet er. „Je schneller die Autos fahren, desto lauter ist es“, erklärt er.
Deshalb sei er ebenfalls für eine Geschwindigkeitsreduzierung an dieser Stelle. Er könne zwar die Beschwerden nachvollziehen, meint aber ebenfalls, dass sich die Anwohner bei der Gestaltung damals hätten einbringen können. Eine Mitarbeiterin des Soyener Dorfladens könne die Beschwerden der Anwohner ebenfalls gut nachvollziehen. Sie selbst fühle sich durch den erhöhten Lärmpegel aber nicht gestört.
Der Bürgermeister bestätigt auf Anfrage, dass ihm Beschwerden in dieser Angelegenheit bekannt sind. Ziel des Pflasters sei es gewesen, die Seestraße optisch hervorzuheben, da sich hier auch die Geschäfte von Soyen befinden. Die Hoffnung sei auch gewesen, dass Autofahrer durch den optischen Unterschied automatisch langsamer fahren würden. Ob dies geklappt habe, werde derzeit mithilfe von Geschwindigkeitsmessungen geprüft, erklärt Weber. Anschließend werde der Gemeinderat entscheiden, ob hier noch weitere Maßnahmen ergriffen werden können und müssen. „Wir sind dran“, verspricht der Rathauschef.



