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Risiken von Bluthochdruck

„Man spürt nichts, das ist das Tückische“: Rosenheimer Experte spricht über den leisen Tod

Der Hypertensiologe ist Teil des Romed Klinikums und der KfH, wodurch er viel mit Bluthochdruck zu tun hat
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Mit Bluthochdruck kennt sich Dr. med. Andreas Thiele aus. Er rät zu regelmäßigem Messen.

Hypertonie, besser bekannt als Bluthochdruck, ist nichts Ungewöhnliches – und kann doch sehr gefährlich werden. Wer besonders anfällig ist und welche Folgen das haben kann, sagt Dr. Andreas Thiele von der Rosenheimer Romed-Klinik im OVB-Interview. Was man gegen den „leisen Tod“ tun kann.

Rosenheim – Dr. Andreas Thiele weiß, wie gefährlich Bluthochdruck sein kann. Er ist Bereichsleiter der Nephrologie an der Rosenheimer Romed-Klinik und befasst sich mit der Prävention, Diagnose, Therapie sowie Nachbehandlung von Nieren- als auch Hochdruckerkrankungen. Im Interview erklärt Thiele, wer besonders oft Bluthochdruck hat und was für Auswirkungen das haben kann.

Wer kann Bluthochdruck bekommen?

Thiele: Jeder. Je älter man wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man Bluthochdruck bekommt. In Deutschland ist es so: bei Männern im Alter von 60 Jahren haben 60 Prozent einen Bluthochdruck. Bei den Frauen ist es oft so, dass viele ihr Leben lang einen eher niedrigen Blutdruck haben und darunter zum Teil auch leiden. Um die Wechseljahre herum kann der Blutdruck sich plötzlich wandeln und ist dann zu hoch. 

Der gemessene Blutdruck kann in unterschiedliche Stufen unterteilt werden.

Und junge Menschen?

Thiele: Je jünger ein Mensch ist, der einen Hochdruck entwickelt, desto wahrscheinlich ist es, dass es eine Ursache für den hohen Blutdruck gibt. Bei 90 Prozent der Betroffenen hat der Bluthochdruck keine fassbare Ursache, aber bei jüngeren Menschen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie unter die anderen zehn Prozent fallen. Eine mögliche Ursache ist beispielsweise eine Nierenarterienstenose, also eine Engstelle der Arterie, die die Niere mit Blut versorgt. Die Niere gehört zu den Organen, die den Blutdruck steuern und wenn die Durchblutung eingeengt ist, führt das zu einem Hochdruck. Das kann man aber behandeln.

Und wie?

Thiele: Die Engstelle wird mit einem Ballonkatheter ausgedehnt. Wenn diese Engstelle dann beseitigt ist, ist auch der Bluthochdruck weg. 

Dr. med. Andreas Thiele ist in Rosenheim für Patienten mit Bluthochdruck-Problemen da.

Was kann Bluthochdruck verursachen?

Thiele: Zuerst muss man sich Hochdruck so vorstellen: bei jedem Herzschlag ist der Druck in den Gefäßen, beziehungsweise Arterien, erhöht. Auf Dauer belastet das die Gefäße, es bilden sich Kalkablagerungen und das kann zu Durchblutungsstörungen führen. Je nachdem, welches Organ von diesen Störungen betroffen ist, kommt es zu unterschiedlichen Schädigungen. Ist es das Gehirn, kann es zu einem Schlaganfall kommen. Ist die Durchblutungsstörung an den Herzkranzgefäßen, dann kann es zu einem Herzinfarkt kommen. Außerdem muss das Herz bei jedem Schlag einen höheren Druck aufbauen, als bei einem Menschen, der keinen erhöhten Blutdruck hat. Dadurch verliert der Herzmuskel im Laufe des Lebens seine Pumpkraft und es kommt zur Herzschwäche.

Was kann man dagegen tun?

Thiele: Die Behandlung des Bluthochdrucks muss man aufteilen in Allgemeinmaßnahmen und in medikamentöse Therapie. Zu ersterem gehört die Gewichtsabnahme, wenn jemand übergewichtig ist. Auch körperliche Bewegung, gerade Ausdauertraining, kann den Blutdruck deutlich senken. Einen Nikotinstopp sollte man durchführen, also nicht mehr Rauchen. Bei der Ernährung ist die Empfehlung, eine salzarme Kost zu sich zu nehmen.

Das ist Dr. Andreas Thiele

Der Arzt arbeitet beim KfH, dem Kuratorium für Heimdialyse und Nierentransplantation, und gleichzeitig auch im Romed-Klinikum Rosenheim. Bei letzterem ist er der Bereichsleiter der Nephrologie und befasst sich mit der Prävention, Diagnose, Therapie sowie Nachbehandlung von Nieren- als auch Hochdruckerkrankungen. Er kümmert sich somit nicht nur um Hochdruck-Patienten, sondern auch um Menschen, welche eine Dialyse brauchen. Außerdem ist Thiele Hypertensiologe, was bedeutet, dass er speziell für Hochdruckerkrankungen ausgebildet ist. 

Und Medikamente?

Thiele: Das ist eigentlich die wirksamste Maßnahme. Dabei nimmt man Hochdruckmedikamente ein, die man in der Regel dann lebenslang braucht. Wobei man sagen muss, es gibt heute sehr gut verträgliche Medikamente, die keine Einschränkungen der körperlichen oder geistigen Belastbarkeit verursachen. Das war früher anders. Da musste man unter Umständen mehrere Medikamente, mehrmals am Tag einnehmen. Je mehr Medikamente und je häufiger man sie einnehmen muss, desto eher vergisst man Mal eins. Heute verwendet man in der Regel eine Kombinationspille, welche mehrere blutdrucksenkende Substanzen enthält. So stellt man mit einer Pille am Tag den Blutdruck ein.

Wie merkt man überhaupt, dass man Bluthochdruck hat?

Thiele: Man merkt den Bluthochdruck nicht. Das ist das tückische. Man führt ein ganz normales Leben und merkt den Hochdruck nur, wenn man seinen Blutdruck misst. Darum sollte jeder Erwachsene hin und wieder seinen Blutdruck messen. Ein Sonderfall sind Hochdruckkrisen, die merkt man sehr wohl. Diese Krisen sind ein Zustand, bei dem der Blutdruck plötzlich auf sehr hohe Werte steigt. Das führt dann zu Beschwerden: Man bekommt Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Brustenge und unter Umständen Nasenbluten. Das ist dann tatsächlich ein Notfall, der im Krankenhaus behandelt werden muss. 

Ist der Blutdruck bei Menschen in unserer Region hoch?

Thiele: In den Industrieländern, wie auch Deutschland, ist Bluthochdruck sehr häufig, aber man weiß nicht warum. Manche vermuten, es hängt mit dem Kochsalzkonsum zusammen, aber das ist nicht bewiesen.

Wie machen Sie Menschen auf Bluthochdruck aufmerksam?

Thiele: Es gibt den Welt-Hypertonie-Tag (17. Mai), bei dem die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht wird, dass jeder Mensch seinen Blutdruck messen sollte. Es zählt der Blutdruck, den man bei sich zu Hause in Ruhe misst. In der Praxis, beim Arzt, ist man oft aufgeregt und hat einen falschen hohen Blutdruck. Deshalb wünsche ich mir: Jeder sollte seinen Blutdruck messen, auch diejenigen, die einen normalen Blutdruck haben. Der Blutdruck kann sich im Laufe des Lebens verändern. Aber wenn man einen Hochdruck richtig behandelt, hat man eine hohe Lebenserwartung und kann ein hohes Alter erreichen.

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