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Quartierszentrum Nordost Am Alpenblick

Neue Siedlung in Kolbermoor: Die Parkhäuser sind verschwunden – doch Verkehrszweifel bleiben

Der Kolbermoorer Stadtrat diskutierte am Mittwoch, 4. Juni, über das überarbeitete Modell zum Quartierszentrum Nordost. Grünen-Rätin Andrea Rosner und CSU-Rat Sebastian Daxeder nahmen dabei zur möglichen Entwässerung des Areals Stellung.
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Der Kolbermoorer Stadtrat diskutierte am Mittwoch, 4. Juni, über das überarbeitete Modell zum Quartierszentrum Nordost. Grünen-Rätin Andrea Rosner und CSU-Rat Sebastian Daxeder nahmen dabei zur möglichen Entwässerung des Areals Stellung.

Ist es der große Wurf, der sogar die Bürgerinitiative N.O.T. Kolbermoor beruhigt, oder nur ein „Facelift“? Im Kolbermoorer Stadtrat ist am Mittwoch, 4. Juni, der überarbeitete Entwurf des Quartierszentrums Nordost vorgestellt worden. Was neu ist – und wie die Reaktionen ausfallen.

Kolbermoor – Der Wunsch nach weniger Baumasse, Kritik an den beiden oberirdischen Parkhäusern oder die Forderung nach einem Entwässerungskonzept, das auch die Bestandsimmobilien schützt: Die Stadtplaner, die das neue Kolbermoorer Quartierszentrum Nordost Am Alpenblick als Entwurf auf Papier bannen sollen, hatten bei der Veranstaltung im Dezember 2024, bei der die Bürger Ideen und Wünsche einbringen konnten, viele Anregungen mitgenommen. Am Mittwochabend (4. Juni) haben sie nun im Mareissaal eine überarbeitete Version des Erstentwurfs präsentiert, die bei vielen Stadträten durchaus positiv aufgenommen wurde. Dennoch sind wichtige Fragen offen geblieben.

Rund 40 Zuhörer waren an diesem Abend in den Mareissaal gekommen, um sich über den überarbeiteten Entwurf zu informieren und das neue Modell in Augenschein zu nehmen. „Die Bürgerbeteiligung war intensiv und spannend und hat uns reichlich Stoff gegeben, um uns damit zu beschäftigen“, machte Christoph Freiherr von Oefele von „Nuyken und Oefele Architekten BDA und Stadtplaner“ (N-V-O) gleich zu Beginn deutlich. Für Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo war daher jetzt auch „der richtige Zeitpunkt, um einen Zwischenbericht zu geben, weil ja auch viele Fehlinformationen rumschwirren“.

Als grundlegende Arbeitsaufträge hatte sein Unternehmen laut von Oefele aus der Bürgerbeteiligung sieben Punkte mitgenommen, die größtenteils umgesetzt worden seien: die Baummasse zu reduzieren, die Problematik der oberirdischen Parkhäuser zu lösen, die Erschließung der neuen Siedlung nachzuweisen, Mehrgenerationen- und Seniorenwohnen zu fokussieren, die Nutzung für soziale Zwecke zu stärken, ein tragfähiges Entwässerungskonzept vorzulegen sowie klimaverbessernde Natur- und Außenräume zu entwickeln.

Beide Parkhäuser sind aus der Planung verschwunden

Die auf dem Modell sichtbarste Veränderung: Die beiden zunächst angedachten Parkhäuser am südöstlichen und südwestlichen Eingang zur geplanten Siedlung sind verschwunden. Stattdessen könnten dort nun zwei ebenerdige und teilweise überdachte Parkflächen entstehen. Doch die beiden Parkplätze sind nur einer von zwei Bausteinen, um Verkehr aus der Siedlung herauszuhalten: Unter dem Karolinenanger ist als zweiter Baustein eine von zwei Seiten zugängliche Tiefgarage geplant, deren Stellenplätze aber nicht fest vergeben werden. Gesamtzahl der Stellplätze für beide Bausteine: rund 280.

Die Bürgerinitiative N.O.T. Kolbermoor wirbt auf Bannern im Stadtgebiet – hier an der Rosenheimer Straße – für ihr Bürgerbegehren.

Auch an der Baumasse hat das Unternehmen geschraubt, was allerdings in erster Linie auf das Aus für die Parkhäuser zurückzuführen ist: Hatten die Stadtplaner vor der Bürgerbeteiligung noch mit rund 15 Prozent Bebauung des rund 82.300 Quadratmeter großen Areals, auf dem rund 350 Wohneinheiten entstehen sollen, geplant, sind es nun nur noch rund 13 Prozent. Sollte die Caritas den bisherigen Standort des Altenheims St. Franziskus aufgeben und ebenfalls in die Siedlung ziehen, würde diese Prozentzahl nochmals minimal steigen, da der Sozialverband nach eigenen Angaben rund 2500 Quadratmeter mehr benötigen würde.

Zwei große Regenrückhaltebecken sollen Sicherheit geben

Ebenfalls gelöst ist nach Angaben der Planer das Problem der Entwässerung bei Starkregenereignissen: Zwei große Regenrückhaltebecken – eins am östlichen Rand mit einem Volumen von 2759 Kubikmetern, eines am westlichen Rand mit 1740 Kubikmetern – sollen dafür sorgen, dass auch bei heftigen Niederschlägen und Starkregen neue und bereits bestehende Bebauung unbeschadet bleiben, wie Jörg Huber vom Unternehmen „Dippold Herold Beratende Ingenieure GmbH“ deutlich machte. „Zum Schluss soll ja dabei rauskommen, dass die Gesamtsituation für alle Gebiete besser wird, als sie heute ist.“

Dass das Entwässerungskonzept auch zur Entlastung der Bestandsgebäude führen wird, zweifelt Sebastian Daxeder aber an: „Ich bringe anhand ihrer Zahlen nicht zusammen, wo da die Verbesserung für die Nachbarschaft sein soll“, sagte der CSU-Stadtrat, woraufhin Huber auf das Nachweisverfahren verwies, bei dem das Areal extra modelliert und in verschiedenen Stärken beregnet werde. Huber: „Die Volumina der Becken sind so ausgelegt, dass sich die ganze Situation dort deutlich verbessern wird.“

Helfen sollen dabei aber nicht nur die beiden Rückhaltebecken, die sogar begehbar werden sollen, sondern auch die weitere Gestaltung des Areals, wie ein Mitarbeiter des Unternehmen „toponauten Landschaftsarchitekturgesellschaft mbH“ deutlich machte. So könnten zwischen den Baukörpern Mulden verlaufen, die Wasser bereits aufnehmen. Auch eine Zisterne, um das Wasser für eine Weiternutzung aufzufangen, sei vorstellbar.

Pläne, die seitens mehrerer Stadträte durchaus positiv aufgenommen wurden. So lobte Dr. Berthold Suldinger (SPD), dass die Wünsche der Bürger „nicht unter den Tisch gekehrt worden“ sind. Grünen-Rätin Andrea Rosner zeigte sich vor allem von den Ideen zur Entwässerung „beeindruckt“, schob aber hinterher: „Ich hoffe, es passt dann wirklich so, wie sie uns das jetzt vorhersagen.“ Leonhard Sedlbauer (CSU) freute sich zwar darüber, „dass die oberirdischen Parkhäuser verschwunden sind“, zeigte sich aber enttäuscht, „dass sich die Massivität nur marginal verändert hat“.

Bürgermeister Peter Kloo sieht Erschließung als „nachgewiesen“ an

Zudem sei er „gespannt, was bei der Erschließung herauskommt“. Denn hier konnten die Planer noch keine abschließende Lösung vorlegen, auch wenn Bürgermeister Kloo betonte, dass die verkehrstechnische Anbindung der Siedlung aus seiner Sicht „nachgewiesen ist“.

Die Infrastruktur in puncto Verkehr ist eines der großen Reizthemen, die auch die Bürgerinitiative (BI) N.O.T. Kolbermoor, die die Siedlung mithilfe eines Bürgerbegehrens und schließlich einem Bürgerentscheid verhindern will, bei ihrer Argumentation immer wieder ins Feld führt. Doch auch bei den übrigen Punkten zeigte sich BI-Sprecher Dr. Michael Rath, der die Sitzung persönlich verfolgte, enttäuscht. „Ich habe den Eindruck, dass sich außer den Parkhäusern nicht groß etwas verändert hat“, so Rath auf OVB-Anfrage.

Während die BI also weiterhin Unterschriften gegen das Projekt sammelt – nach Angaben von Rath sei die Hälfte der zwischen 1300 und 1400 notwendigen Unterschriften bereits erreicht – plant die Stadt die nächsten Schritte: „Wir hätten vor, dass wir die Rahmenplanung mit einer Abschlusspräsentation im zweiten Halbjahr abschließen und das Ganze dann in eine Bauleitplanung überführen“, so Bürgermeister Kloo, der davon ausgeht, „dass der Planungsprozess schon noch die nächsten zwei Jahre dauern“ wird.

Wobei der anstehende Kommunalwahlkampf – am 8. März 2026 werden in Kolbermoor der Stadtrat und ein neuer Bürgermeister gewählt – das Projekt weiter verzögern könnte, wie Kloo befürchtet: „Sollte das Ganze in die Mühlen des Kommunalwahlkampfs geraten und dann kaputt geredet werden, wäre es vielleicht sogar besser, wenn wir das dann auf kommenden Mai verschieben.“

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