Nach nächtlichem Drama zwei Küken geschlüpft
Willkommen, kleiner Pitti! Cindy Kock aus Kolbermoor freut sich über ersten Storchen-Nachwuchs
Große Freude bei Cindy Kock (42) aus Kolbermoor: Ihr Storchenpaar Kaira und Alexander hat Nachwuchs bekommen. Dabei hing das Leben der noch nicht geschlüpften Küken nach einem dramatischen Zwischenfall vor wenigen Tagen noch am seidenen Faden. Was passiert war – und wie es jetzt weitergeht.
Kolbermoor – Sie sind zwar noch etwas desorientiert und ein bisschen wackelig auf ihren dünnen Beinchen, aber dennoch schon der ganze Stolz ihrer Eltern: Das Kolbermoorer Storchenpaar, das sich nach dem Winter im Storchennest von Cindy Kock (42) angesiedelt hatte, hat Nachwuchs bekommen. Aus zwei der vier Eier sind mittlerweile Küken geschlüpft – und das, obwohl wenige Tage zuvor dramatische Stunden den Traum vom Storchennachwuchs fast zunichtegemacht hatten.
Der Zeitstempel der Webcam am Kolbermoorer Storchennest zeigte Sonntag, 1. Juni, 1.04 Uhr, als das erste Küken des Kolbermoorer Storchenpaars Kaira und Alexander – so hatte Kock die beiden Vögel getauft – in Kolbermoor geschlüpft ist. „Ich habe dem Küken den Namen Pitti gegeben, da der Name mit einer ganz besonderen Person in Verbindung steht“, verrät die 42-Jährige gegenüber dem OVB. „Um wem es sich dabei handelt, bleibt aber mein Geheimnis.“
Am Ende der Woche könnte die Storchen-Familie sechsköpfig sein
Mittlerweile ist Pitti auch gar nicht mehr alleine im Nest mit Mama Kaira und Papa Alexander, denn nur einen Tag später, am Montag, 2. Juni, ist das zweite Küken geschlüpft. Und auch das dritte Storchen-Baby ist bereits unterwegs und sollte im Laufe des Dienstags (3. Juni) vollständig schlüpfen. Hier sei bereits ein Loch in der Eierschale zu sehen, wie Kock am Dienstagmittag berichtet..
Wenn alles gut läuft, dann könnte die Storchenfamilie gegen Ende der Woche bereits aus sechs Köpfen bestehen. Denn für das dritte Küken könnte laut Kocks Berechnung noch im Laufe des Dienstags (3. Juni) schlüpfen, das vierte dann am Donnerstag. Sie befürchtet allerdings, dass es bei drei Küken bleiben wird. „Ich glaube, dass eines der Eier nicht befruchtet ist“, so Kock, denn „es unterscheidet sich farblich deutlich von den anderen“.
Für Kock, die im Herbst 2024 gemeinsam mit Hortkindern an dem Storchennest gearbeitet und es anschließend auf einem Grundstück, das ihr dafür zur Verfügung gestellt worden ist, aufgestellt hatte, ist es dennoch ein „unglaubliches Erlebnis“, was sich derzeit in dem Nest abspielt, denn: „Im ersten Jahr dort überhaupt schon ein Storchenpaar zu haben, ist schon der Knaller. Dass wir jetzt aber sogar Küken haben, ist das Nonplusultra.“
Dabei stand es seit Tagen auf der Kippe, ob aus den vier Eiern, die Störchin Kaira Anfang Mai gelegt hatte, überhaupt Küken schlüpfen werden. Denn am Abend des 21. Mai hatte das Storchenpaar panisch die Flucht aus dem Nest ergriffen – und war erst nach acht Stunden wieder zum ungeschlüpften Nachwuchs zurückgekehrt. Acht Stunden, in denen die Eier ohne Schutz und Wärme ausharren mussten. Glücklicherweise sei es eine recht milde Nacht gewesen, so die 42-Jährige. „Nicht ideal, aber auch nicht aussichtslos“, wie Kock am Tag nach der kurzzeitigen Storchen-Flucht auf ihrer Homepage www.storchennest-kolbermoor.de geschrieben hatte.
Was hat das Storchen-Paar so erschreckt?
Was das Storchenpaar so aufgeschreckt und für Stunden verscheucht hatte, bleibt für Cindy Kock ein Rätsel. „Ich habe die Filmaufnahme der Webcam immer und immer wieder zurückgespult“, sagt die 42-Jährige. „Das Einzige, was man darauf erkennen kann, sind Lichtkegel, vermutlich von Taschenlampen, die von einem Feldweg kommen.“ Wobei sie nicht glaubt, dass dort jemand absichtlich unterwegs war, um die Tiere zu stören. „Da geht ja, soweit ich weiß, ein Weg entlang, auf dem unter anderem Hundebesitzer mit ihren Hunden Gassi gehen.“
Sie vermutet eher, dass der Ruf eines anderen Tieres Kaira und Alexander aufgeschreckt hat. Denn auf den Aufnahmen sei der Schrei eines Tieres zu hören, der für den übereilten Abflug gesorgt haben könnte. „Für mich hört sich das wie ein Uhu oder ein Kauz an, der laut ruft“, sagt Kock, die bis zum 1. Juni bangen musste, ob die Küken diese acht Stunden ohne Schutz und Wärme ihrer Eltern überlebt haben. „Die Chancen standen 50:50“, sagt Köck im Nachgang. „Ich habe aber fest daran geglaubt, dass es gut ausgeht und die Hoffnung nie aufgegeben.“
Cindy Kock aus Kolbermoor bringt den Storch auf den Stundenplan
In Zusammenarbeit mit der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg hat Cindy Kock aus Kolbermoor, die in der Caritas-Kita Wiederkunft Christi arbeitet, ein Portfolio, bestehend aus Informationen, Anschauungs- und Bildmaterial zum Thema Storch, erstellt. Damit ist die zweifache Mutter nun in Kindergärten und Schulen in der Region unterwegs, um über den Storch und dessen Gefährdung aufzuklären. Das Material hat sie für verschiedene Altersklassen angepasst – vom Kindergartenkind bis zum Gymnasiasten. Kitas und Schulen, die Interesse am Besuch von Cindy Kock haben, können per E-Mail an info@storchennest-kolbermoor.de mit der 42-Jährigen Kontakt aufnehmen.
Nun kann die 42-Jährige – wie auch alle anderen Interessierten per Webcam – die Aufzucht der Jungtiere beobachten. Was ebenfalls eine nervenaufreibende Angelegenheit sein kann. Denn Kock glaubt, dass es sich für Storchen-Papa Alexander um die erste Brut handelt und er in puncto Nahrungssuche für seinen Nachwuchs noch recht unerfahren ist.
So hatte sich Storch Alexander mit der ersten Nahrungslieferung deutlich Zeit gelassen. Was nach Angaben von Kock in den ersten Stunden aber noch unproblematisch ist: „Am Anfang reicht dem Küken das, was es aus dem sogenannten Dottersack bekommt.“ Anschließend sei es aber wichtig, dass sich Alexander „wirklich auf die Socken macht“, um Futter zu besorgen. Was mittlerweile auch recht gut funktioniere.
Sorgen und eine lebhafte Diskussion im Forum
Die zunächst recht schleppende Versorgung durch den Storchen-Papa hatte auch bei Zuschauern der Webcam schon für Sorgen um die Jungstörche und eine lebendige Diskussion gesorgt, was bei Kock für gemischte Gefühle sorgt: „Es ist schön, wenn die Menschen so mitfühlen“, sagt die 42-Jährige, die aber dennoch findet, dass man einige Kommentatoren „schon ein bisschen runterholen muss“. Denn letztlich sei nicht jeder vom Menschen empfundene Notfall im Tierreich auch wirklich ein Notfall.
Was letztlich auch der Gesetzgeber so sieht, der daher im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) genaue Regeln für die Fortpflanzungszeit von streng geschützten Arten, zu denen auch Kaira und Alexander als Weißstörche zählen, festgelegt hat. Eingriffe in ein laufendes Brutgeschehen sind demnach nur in „absolut begründeten Ausnahmefällen erlaubt“, wie Kock erklärt. Und dann auch nur in Absprache mit verschiedenen Behörden und Organisationen.
„Wir wollen keine Nestfaulheit fördern“
Was die Kolbermoorerin auch für sinnvoll und richtig hält. „Was wir aber ganz sicher tun: Zum Wohle des Tieres agieren“, stellt die 42-Jährige daher auf der Homepage www.storchennest-kolbermoor.de klar. Dazu gehöre eben auch, nichts unter das Nest zu stellen, was sich die Tiere eigentlich erarbeiten müssten. Kock: „Wir wollen keine Nestfaulheit fördern. Die Kleinen sollen von Anfang an lernen, dass Nahrung nicht aus dem Nichts kommt.“ So, wie es in der Natur eben vorgesehen ist.


