Währungsreform am 1. Juli 1990 in der DDR
D-Mark löst die Ost-Mark ab: Was sich Kolbermoorer Zuagroaste damals als erstes gekauft haben
Große Umstellung für DDR-Bürger vor 35 Jahren: Am 1. Juli 1990 ersetzte die D-Mark die Ost-Mark als Währung. Aus den ostdeutschen Bundesländern Zuagroaste, die heute im Mangfalltal leben, verraten, was sie als erstes mit dem neuen Geld gekauft haben.
Kolbermoor/Bad Aibling – Sie sollte ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum geeinten Deutschland sein, aber auch dafür sorgen, dass der Exodus der DDR-Bürger in den Westen nachlässt: Die Währungsreform beziehungsweise Währungsunion am 1. Juli 1990, als die D-Mark die ostdeutsche Mark, in der Bevölkerung oftmals Ostmark genannt, abgelöst hatte, ist vielen Menschen auch 35 Jahre danach noch in Erinnerung. Doch wie war der Abschied von der jahrzehntelang gewohnten Währung wirklich? Ehemalige Bürger der DDR, die jetzt im Mangfalltal leben, erinnern sich.
Die kleine, rote Geldbörse ist prall gefüllt – doch das geringe Gewicht lässt kaum vermuten, dass das Portemonnaie rund drei Dutzend Geldmünzen enthält. „Die Münzen waren furchtbar. Die haben sofort abgefärbt und den ganzen Geldbeutel innen verschandelt“, sagt Petra Oschmann (59) aus Kolbermoor, der die rote Geldbörse gehört. Die Münzen sowie einen Zehn-Mark-Schein der ostdeutschen Währung habe sie „als Andenken“ behalten. Nicht, weil sie sich den Staat zurückwünsche, wie die 59-Jährige klarstellt. „Das war eine Diktatur, aber gehört natürlich dennoch zu meiner Kindheit.“
Den ersten Kontakt mit der „harten D-Mark“ hatte Oschmann aber bereits vor dem Mauerfall. „Ich habe mal von einem Verwandten im Westen 5 D-Mark bekommen“, erinnert sich die 59-Jährige, die ursprünglich aus der Nähe von Eisenach in Thüringen stammt. „Da sind wir dann natürlich gleich in die Intershops gegangen, um Westprodukte zu kaufen.“ Doch zunächst musste die D-Mark gegen sogenannte Forumschecks getauscht werden, „damit die DDR die D-Mark bekommt und damit wirtschaften kann“, wie sich die Kolbermoorerin erinnert.
Fluchtversuch über die tschechoslowakische Grenze
Für das Ehepaar Oschmann wurde die D-Mark letztlich früher zur gewohnten Währung als für viele andere ehemalige DDR-Bürger. Denn Michael Oschmann hatte gemeinsam mit seinem Bruder bereits 1988 den Fluchtversuch über die tschechoslowakische Grenze gewagt, war bei dem Versuch verhaftet, dann aber von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft worden. Eine Zeit, in der er sogar um sein Leben gefürchtet hatte. „Wir hatten unsere Ausbürgerungsurkunde unterschrieben, mussten aber dann noch eine Nacht in Chemnitz in einer Zelle bleiben“, erinnert er sich. „Da haben wir dann Wache geschoben, weil wir ja nicht wussten, ob man uns als zu diesem Zeitpunkt Staatenlose einfach beseitigen will.“
Auch auf der Zugfahrt gen Westen in die Freiheit hatte der Arbeiter-und-Bauern-Staat, wie die politischen Führer die DDR gerne bezeichneten, dann scheinbar noch einen Versuch unternommen, die Ausreisewilligen zu gängeln. „Zu uns ins Abteil hat sich eine ältere Frau gesetzt und gefragt, woher wir kommen und wo wir hinwollen“, erinnert sich Oschmann. Dann habe sie den Vorschlag unterbreitet, er könne doch in Eisenach aussteigen, um sich von seiner Frau zu verabschieden. „Da war mir klar, dass die Frau ein Spitzel war und nur wollte, dass wir dort aussteigen, damit sie uns wieder verhaften können.“
Oschmann blieb natürlich im Zug sitzen und landete schließlich bei Verwandten in Oldenburg. Ein halbes Jahr später war er dann dort auch wieder mit seiner Frau und dem kleinen Kind vereint. „Ich wusste ja, dass die DDR sie nach spätestens sechs Monaten würde ausreisen lassen müssen“, so der 66-Jährige. „Sonst hätte ich das alles natürlich nicht gemacht.“
Von der DDR-Zeit gibt es aufgrund vieler unschöner Erinnerungen daher auch nur wenige Dinge, die sich das Paar zurückwünschen würde. Und die Ost-Mark gehört auf keinen Fall dazu. „Die D-Mark hätte ich allerdings gerne wieder“, sagt Petra Oschmann. „Denn das war für mich wirklich eine starke Währung.“ Vor allem die alten Geldscheine, die allerdings nur kurze Zeit nach der Wiedervereinigung durch neue Scheine mit neuen Motiven ersetzt worden sind, sind ihr positiv in Erinnerung geblieben.
Pfennige waren „extrem leicht und biegsam“
Auch Claudia Beutl aus Kolbermoor, die aus Mecklenburg-Vorpommern stammt und seit Jahren als Jugendleiterin eine wertvolle Stütze des Trachtenvereins „d‘Mangfalltaler Kolbermoor“ ist, kann sich noch gut an die Währung der DDR erinnern. „Die 5 Mark, die es als Geldstück gab, war recht fest und strapazierfähig“, sagt die heute 45-Jährige. „Die Pfennige waren dagegen extrem leicht und biegsam“, kann sie sich noch gut an die Haptik und das Gefühl, die Münzen in der Hand zu halten, erinnern. Aufgehoben habe sie selbst aber keine.
Der Wechsel von der Ost- auf die D-Mark am 1. Juli 1990 ist für Claudia Beutl nach eigenen Angaben aber keine so große Umstellung gewesen. „Wir hatten von Verwandten immer wieder D-Mark bekommen und daher eigentlich die West-Währung immer parat“, erinnert sich die Trachtlerin.
Wobei allerdings auch so manches Westprodukt, das man für die D-Mark erwerben konnte, das Leben in der ehemaligen DDR nicht leicht gemacht hat. „Ich habe von einem Onkel im Westen mal einen gelben Jogginganzug von Puma bekommen, den ich dann zu den Bundesjugendspielen angezogen hatte“, erinnert sich die 45-Jährige. Die Folge: „Ich durfte dann nicht teilnehmen.“ Weniger Probleme hatte Claudia Beutl mit dem ersten Produkt, das sie sich nach der Wende von der D-Mark gekauft hatte. „Das war ein Regenschirm mit der TV-Figur Alf drauf“, sagt die 45-Jährige und lacht. „Da war ich total stolz drauf.“
Wendezeit „eine der prägendsten Zeiten“
Brigitte Paul (50), stellvertretende Leiterin der Bad Aiblinger Stadtbücherei und in Dresden aufgewachsen, empfindet die Wendezeit noch heute als „eine der prägendsten Zeiten“ ihres Lebens. Daher könne auch sie sich noch gut daran erinnern, als die D-Mark die damalige Ostmark als Währung abgelöst hatte. Auch wenn sie zunächst mit den neuen Münzen und Scheine gar nicht so viel zu tun gehabt habe, „da meine Mutter für die Einkäufe zuständig war“. Was sie allerdings schnell mitbekommen hatte: Dass das DDR-Geld im Vergleich zur D-Mark eher „Spielzeugcharakter“ hatte.
Ebenfalls erinnern kann sie sich an ihren ersten Einkauf, den sie mit D-Mark bezahlt hatte. „Das war noch vor der Währungsreform“, sagt die 50-Jährige, „und zwar bei meiner ersten West-Reise nach dem Mauerfall, die von Dresden nach Berlin ging“. Dort habe sie dann das damals ausgezahlte Begrüßungsgeld in Höhe von 100 D-Mark erhalten. „Mit dem Geld bin ich dann in eine Filiale der Modekette ,New Yorker‘ gegangen und habe mir dort ein Oberteil gekauft“, sagt die heute 50-Jährige und lacht. „Wenn ich heute an einer New-Yorker-Filiale vorbeigehe, bin ich immer wieder erstaunt, dass es die immer noch gibt.“
