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Tragisches Unglück vor 40 Jahren

Ein Stromschlag kostete ihn das Leben: In den Herzen lebt Robert Haimerl (†25) aus Kolbermoor weiter

Robert Haimerl (25) aus Kolbermoor verunglückte am 27. Juni 1985 tödlich beim Aufbau eines Zeltes für das Bier- und Weinfest des FC Bichler. Er fand auf dem Alten Friedhof in Kolbermoor seine letzte Ruhe.
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Robert Haimerl (25) aus Kolbermoor verunglückte am 26. Juni 1985 tödlich beim Aufbau eines Zeltes für das Bier- und Weinfest des FC Bichler. Er fand auf dem Alten Friedhof in Kolbermoor seine letzte Ruhe.

Durch einen Stromschlag, erlitten beim Aufbau eines Festzelts, verlor Robert Haimerl (25) aus Kolbermoor vor 40 Jahren sein Leben. Eine schreckliche Tragödie, die Weggefährten noch gut im Gedächtnis ist. Ebenso wie liebevolle Erinnerungen an einen „lebensfrohen Menschen“ und „wertvollen Freund“.

Kolbermoor – Was als ausgelassenes und unbeschwertes Fest geplant war, endete letztlich noch vor Beginn in einer Tragödie: 40 Jahre ist es her, als der damals erst 25-jährige Robert Haimerl aus Kolbermoor beim Aufbau eines kleinen Bierzeltes den Tod fand. Während der Arbeiten hatte er mit einer Metallstange eine Hochspannungsleitung berührt, alle Versuche, den jungen Mann wiederzubeleben, blieben erfolglos. Doch auch wenn Robert Haimerl nicht mehr ins Leben zurückgeholt werden konnte – im Herzen ehemaliger Weggefährten lebt „Robi“, wie ihn seine Mama Adolfine Haimerl (92) liebevoll nannte, auch heute noch weiter.

Es war ein Fest, auf das sich alle so gefreut hatten: Am Freitag, 28. Juni 1985, hatte der FC Bichler, eine Hobby-Fußballmannschaft aus Kolbermoor, zum Bierfest mit dem damals TV-bekannten „Moser Trio“ geladen, tags darauf sollte dann auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen das Weinfest des FC Bichler starten. Sogar das Wetter schien den Veranstaltern wohlgesonnen zu sein: Hatte es in den Tagen davor bei Tageshöchsttemperaturen von gerade einmal 16 Grad immer wieder geregnet, prophezeiten die Meteorologen für die zwei Festtage Sonnenschein bei bis zu 24 Grad.

Das Stahlgerüst des Festzelts war schon fast fertig aufgestellt

Während der Aufbauarbeiten für das kleine Bierzelt am Mittwochabend, 26. Juni, passierte Robert Haimerl dann aber das tödliche Missgeschick. Das Stahlgerüst des Festzelts war bis auf einzelne Gerüststangen beinahe fertig, beim Versuch, eine der letzten Stangen anzubringen, geriet der 25-Jährige dann mit der Metallstange gegen eine 20-Kilovolt-Hochspannungsleitung, die über dem Areal verlief.

Sportkameraden, die das Unglück aus nächster Nähe miterleben mussten, kamen dem jungen Kolbermoorer, der vom Gerüst auf den Boden gestürzt war, sofort zu Hilfe, wie der Mangfall-Bote damals berichtete. Doch weder die Wiederbelebungsmaßnahmen seiner Freunde noch die seitens des herbeigerufenen Notarztes eingesetzten Elektroschocks konnten das Herz von Robert Haimerl wieder zum Schlagen bringen. Die durch den Stromschlag erlittenen Verletzungen waren so schwer, dass der 25-Jährige noch an der Unglücksstelle starb.

Das Schlimmste ist, wenn man seinen Kindern ins Grab nachschauen muss

Adolfine Haimerl

„Mich hat‘s umgehauen, als mir die Todesnachricht überbracht worden ist“, erinnert sich Roberts Mama Adolfine Haimerl (92), die auch heute noch in Kolbermoor lebt und die in den Folgejahren noch mehrere tragische Schicksalsschläge rund um ihre Kinder ereilen sollte. So musste sie 1993 von ihrem Stiefsohn Josef Haimerl Abschied nehmen, 2020 dann von ihrer Tochter Renate, die einem Krebsleiden erlegen war. „Das Schlimmste ist, wenn man seinen Kindern ins Grab nachschauen muss“, sagt die 92-Jährige heute, 40 Jahre nach der ersten Tragödie. Sie betont aber auch: „Es musste ja irgendwie weitergehen.“ Schließlich habe sie immer noch vier Kinder, „die sich um mich kümmern.“ Daher könne sie trotz der Schicksalsschläge sagen: „Mir geht es gut!“

Halt gefunden nach den tragischen Ereignissen habe sie unter anderem im Glauben, aber auch durch schöne Erinnerungen, die sie mit ihren verstorbenen Kindern verknüpft. „Ihre Bilder habe ich direkt vor der Nase auf dem Wohnzimmertisch“, sagt Adolfine Haimerl am Telefon. Was ihr beim Betrachten von Robert dabei besonders in den Sinn kommt? „Den Robi haben alle gemocht, er war überall der beste Freund“, erinnert sich die 92-Jährige, die findet, dass ihr Bub da „ganz nach seinem Vater“ gekommen sei.

Dass Robert Haimerl überall beliebt war, kann August Bollinger (85) bestätigen. „Ich kenne niemanden, der ihn nicht gemocht hat“, sagt Bollinger, der einst den mittlerweile aufgelösten FC Bichler mitgegründet hatte. Zudem sei Robert Haimerl „ein guter Fußballer“ gewesen, was er unter anderem als Mittelstürmer bei der ersten Mannschaft des SV Kolbermoor, der sich später mit dem DJK-Sportbund zum SV-DJK Kolbermoor zusammenschloss, unter Beweis gestellt hatte. Er selbst hat an dem Unglückstag „einen wertvollen Freund verloren“, erzählt Bollinger, dem in diesem Moment auch 40 Jahre nach dem Unglück die Stimme bricht.

Doch nicht nur um einen guten Freund, auch um seinen Lebensretter musste der heute 85-Jährige durch Haimerls Tod trauern: „Wieso es mich so getroffen hat und für mich besonders tragisch war, hat mit einem gemeinsamen Erlebnis mit Robert zu tun“, schildert Bollinger. Denn einige Zeit vor dem Unglück habe man den Sportplatz des SV Kolbermoor umgebaut, er selbst habe eine Betonmaschine bedient, die plötzlich einen Kurzschluss bekommen habe. „Ich bin dann nicht mehr weggekommen“, erinnert sich der 85-Jährige. „Robert hat das mitbekommen, sofort reagiert und mir dadurch vielleicht sogar das Leben gerettet.“

Das Familiengrab der Bollingers liegt in der Nähe der Haimerls

Doch nicht nur in seiner Erinnerung, auch im Kopf und im Herzen anderer ehemaliger FC-Bichler- und SV-Kolbermoor-Mitstreiter lebt Robert Haimerl weiter. „Wenn wir alten Kameraden zusammenkommen, ist Robert immer wieder mal Thema“, sagt August Bollinger. „Er ist keineswegs vergessen.“ Ein Ort, an dem Bollinger zudem häufig an „seinen guten Freund Robert“ denkt, ist der Alte Friedhof Kolbermoor. „Die Grabstätte meiner Familie liegt ganz in der Nähe von Roberts Grab“, verrät der 85-Jährige. „Wenn ich daran vorbeigehe, dann denke ich oftmals an Robert.“

„Er ist keineswegs aus der Gedankenwelt der Menschen in Kolbermoor verschwunden“, sagt auch Christian Daxeder (63), Geschäftsführer der Sebastian Daxeder Bauunternehmung GmbH, bei der Robert Haimerl zum Zeitpunkt seines Todes als Kranfahrer beschäftigt war. Doch Daxeder und Haimerl kannte sich schon deutlich länger. „Wir haben schon als Buben zusammen Fußball gespielt“, erinnert sich der 63-Jährige an einen „lebensfrohen und lustigen Menschen“.

Robert hat sein Leben schon genossen

Christian Daxeder

Wenn er sich mit Fußball-Freunden treffe, sei Robert „immer wieder präsent“. Denn ihm und vielen der älteren Fußballer sei Robert Haimerl nicht nur als Freund, sondern auch als „Schlitzohr“ im Gedächtnis geblieben, der „für jeden Schabernack zu haben war“. Selbst, wenn bei Robert Haimerl irgendwas „daneben gegangen“ sei, habe er „eine so besondere Art gehabt, dass nie jemand böse auf ihn hätte sein können.“ Und auch wenn es äußerst kurz war, steht für Daxeder fest: „Robert hat sein Leben schon genossen.“

Die Nachricht vom tragischen Tod seines Freundes und Kollegen habe ihm damals schwer zugesetzt, wie sich der 63-Jährige erinnert. „Wir haben uns ja noch ein oder zwei Stunden vor dem Unglück im Unternehmen gesehen, erinnert sich der Kolbermoorer. „Als sich dann die Nachricht verbreitet hat, dass Robert ums Leben gekommen ist, hat‘s mir schon die Füße weggezogen.“

So war es sicherlich auch vielen Teilnehmern des großen Trauerzugs gegangen, die Robert Haimerl am Dienstag, 2. Juli 1985, dann auf seinem letzten Weg zu seiner Ruhestätte auf dem Alten Friedhof in Kolbermoor begleitet hatten. Hunderte Trauergäste gaben dem 25-Jährigen damals das letzte Geleit, darunter Mannschaftskameraden des FC Bichler und des SV Kolbermoor, Kollegen aus dem Bauunternehmen, aber auch politische Vertreter, beispielsweise der damalige Bürgermeister Peter Kloo senior.

Der Mangfall-Bote schrieb in seinem Bericht über die Beerdigung von einem „Meer von Blumen und Kränzen“ als „beredter Beweis für die überaus große Anteilnahme und die tiefe Trauer“. Und auch heute, 40 Jahre nach dem tragischen Unglück, achtet Adolfine Haimerl darauf, dass am Familiengrab bunte Blumen an ihre Verstorbenen erinnern. Doch mindestens genauso wichtig wird der 92-Jährigen sein, dass ihr viel zu früh verstorbener Bub „Robi“ vor allem in den Herzen vieler früherer Weggefährten auch heute noch weiterlebt.

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