UNESCO-Welterbe Herrenchiemsee
Schlafen wie Märchenkönig Ludwig II. „im“ Chiemsee? So steht‘s um Hotel-Traum auf der Herreninsel
Seitdem das Schloss Herrenchiemsee in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde, gibt es jede Menge Gerüchte über Veränderungen auf der Herreninsel. Eins davon: Wird es künftig wieder ein Hotel mitten im Chiemsee geben? So ist der Stand.
Chiemsee/Prien – Klaus Stöttner ist ein umtriebiger Mann der Tat. Das hat der langjährige Landtags-Abgeordnete für Rosenheim auch am 10. Mai 2007 bewiesen, als er federführend den ersten Antrag auf die Aufnahme der bayerischen Königsschlösser ins UNESCO-Weltkulturerbe stellte. Gut 18 Jahre später ist sein Traum in Erfüllung gegangen. Auch das Schloss Herrenchiemsee gehört nun genau wie das Taj Mahal oder die Chinesische Mauer zum lukrativen Kreis der berühmtesten Bauwerke der Welt.
Mehr Geld für die Region durch UNESCO-Status?
Das schürt bei Kritikern Befürchtungen in Sachen „Über-Tourismus“ - während andere vor allem die Chancen auf wachsende Einnahmen für die ganze Chiemsee-Region sehen. Einer aus letzterer Gruppe ist Klaus Stöttner. Politiker ist er nur noch im „Nebenjob“, aber als Präsident des Tourismusverbandes Oberbayern und München sowie neuerdings auch Chef des Bayerischen Tourismusverbandes bleibt er aktiv für seine Region.
Stöttner sitzt in seinem Büro in Prien und spricht davon, dass Kulturreisende im Schnitt über zwei Tage länger als „normale“ Touristen in der Region bleiben. Bis zu 160 Millionen Euro zusätzlich könnten so in Gastro, Hotels oder die Dienstleistungsbranche rund um den Chiemsee fließen. Für die anspruchsvollen und zahlungskräftigen Gäste brauche es allerdings auch noch mehr hochwertige Herbergen wie den neuen Chiemgauhof in Übersee oder das geplante wie umstrittene Hotel im Malerwinkel.
Hotel direkt auf der Herreninsel?
Noch grandioser wäre allerdings ein Hotel direkt auf der Herreninsel. Dann hätten Gäste aus aller Welt die Chance, wie einst Märchenkönig Ludwig II. direkt „im“ Chiemsee zu schlafen und sich bequem die Sehenswürdigkeiten wie altes und neues Schloss auf der Herreninsel oder die Fraueninsel anzuschauen. Ein Jahrhundert lang war das im Schlosshotel Herrenchiemsee möglich – das kleine Insel-Hotel hatte einst 15 Zimmer. Dann ließ der Freistaat Bayern das Gebäude renovieren und die Betten verschwanden – seit 2011 gibt es nur noch die von der Familie Löhmann geführte Schlosswirtschaft als Ausflugs-Lokal.
„Die Schlosswirtschaft wurde damals für 5,5 Millionen Euro neu gemacht. Das ist eine tolle Wirtschaft, aber du kannst auf der Herreninsel nicht übernachten“, sagt Tourismus-Experte Stöttner dem OVB und hat eine Idee: „Die erste und zweite Etage der Schlosswirtschaft sind noch im Rohbau. Da sind 32 Zimmer, die für hochwertige Gäste wie geschaffen wären.“ Nötig wäre dafür allerdings eine neuerliche Millionen-Investition des Freistaates Bayern als Besitzer, dazu müsste ein Hotel-Pächter gefunden werden. Aber ist Stöttners Traum überhaupt realistisch?
Hotel nahe Herrenchiemsee: So antwortet die Schlösserverwaltung
Das OVB hat bei der Staatskanzlei und Ministerpräsident Markus Söder nachgefragt. Von dort wird die Nachfrage an die zuständige Bayerische Schlösserverwaltung weitergeleitet. Die Antwort lässt den Traum vorerst platzen – lässt aber alle Möglichkeiten für die Zukunft offen. „Momentan gibt es keine Pläne für den Ausbau der Schlosswirtschaft auf der Herreninsel“, schreibt Pressesprecherin Ines Holzmüller dem OVB.
Sie verrät, dass der regelmäßige jährliche Bauunterhalt für das Schloss Herrenchiemsee durchschnittlich etwa 350.000 Euro beträgt. „Oberstes Ziel der Bayerischen Schlösserverwaltung ist es, die kostbaren historischen Schlösser und Bauwerke mit ihrer Einrichtung bestmöglich zu erhalten und zugleich ein optimales Besuchserlebnis für unsere Gäste zu bieten. Das Neue Schloss Herrenchiemsee befindet sich in einem guten Zustand, so dass aktuell entsprechend auch keine größeren Instandsetzungen oder Restaurierungen geplant sind“, erklärt Holzmüller.
Fassade ist 2040 dran – und das Hotel?
Neben stets anfallender kleinerer Restaurierungen, etwa aktuell im Badezimmer oder am Stuckmarmor im Prunktreppenhaus, werden durch die Bayerische Schlösserverwaltung jährlich restauratorische Reinigungs- und Sicherungsmaßnahmen in den Prunkräumen durchgeführt. „Im Rahmen der fortlaufenden kleineren Sanierungsarbeiten wurden zuletzt der Latona-Brunnen und die Kabinettsbrunnen bei den Wasserspielen restauriert. Eine große Fassadenrestaurierung ist witterungsbedingt turnusmäßig rund alle 50 Jahre erforderlich und steht abhängig vom Bauzustand der Fassaden in etwa ab 2040 an.“
Ob es bis dahin wohl auch ein Hotel auf der Herreninsel gibt? Klaus Stöttner ist Anfang 60 und noch genauso umtriebig wie 2007. Warum sollte er diesen Traum begraben? Vermutlich arbeitet er hinter den Kulissen bereits an den Betten über der Schlosswirtschaft …



