Mammut-Aufgabe Kinderbetreuung
Zu wenig Personal in den Kitas? So ist die Lage im Wasserburger und Haager Land
Die Personalsituation in Kindertagesstätten ist bundesweit eine große Herausforderung. Wie ist die Lage im Wasserburger und Haager Land? So steht es um die Betreuungssituation.
Wasserburger Land – Es ist wohl eine der größten Herausforderungen für die Kommunen: die Personalsituation in den Kitas. Bundesweit fehlen zehntausende Erzieherinnen und Erzieher, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung nahelegt. Doch im Wasserburger Land scheint die Situation derzeit noch nicht besonders kritisch, wie die Recherche der Redaktion zeigt. Aus den Ergebnissen einer Umfrage in den Kitas im Wasserburger und Haager Land zeigt sich ein gutes Bild, wie die folgenden Beispiele zeigen.
So kann der Kita-Verbund Wasserburger Land, der vor vier Jahren gegründet wurde, auf eine „äußerst positive Entwicklung“ zurückblicken, wie Pfarrer Tobias Prinzhorn mitteilt. „Was 2021 als Zusammenschluss von vier Einrichtungen unter der Trägerschaft der Kirchenstiftung St. Rupert Amerang begann, hat sich zu einem gut vernetzten KiTa-Träger entwickelt“, erklärt er. Mittlerweile biete der KiTa-Verbund Wasserburger Land 600 Betreuungsplätze in Eiselfing, Babensham, Amerang und Wasserburg an. 130 Mitarbeitende sind laut dem Verbund dort angestellt.
Geringe Nachfrage nach „Bufdi“-Stellen
In den Kitas der Stadt Wasserburg sind insgesamt 20 Erzieherinnen angestellt, teilt Claudia Einberger, Leiterin des Ordnungsamts auf Anfrage mit. Ergänzungskräfte gebe es keine, aber in allen drei städtischen Betreuungseinrichtungen werden laut Einberger drei Stellen für Praktikanten angeboten. In den Kindertagesstätten bestehe auch die Möglichkeit zur Ableistung eines Bundesfreiwilligendiensts. Derzeit ist dort ein Bufdi beschäftigt. Die Nachfrage dafür sei für das Betreuungsjahr 2025/2026 noch „sehr gering“, so die Ordnungsamtsleiterin. Momentan ist in den Kitas der Stadt nur eine Stelle vakant: Die Kommune ist auf der Suche nach einer Leitung für eine Kindertagesstätte.
Keine unbesetzten Stellen hingegen gibt es im Soyener Integrationskindergarten, wie der Leiter der Betreuungseinrichtung, Christian Neef, auf Anfrage berichtet. Im Integrationskindergarten seien 15 Erzieherinnen und Erzieher, vier Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger, eine Kinderpflegerin sowie zwei Individualbegleitungen und eine Ergotherapeutin angestellt. In der Regel erhalte die Betreuungsstätte drei bis vier Bewerbungen pro Kindergartenjahr. In den vergangenen 15 Jahren sei die Einrichtung von einer auf vier Gruppen aufgestockt und dementsprechend auch Personal eingestellt worden.
Keine unbesetzten Stellen
Ein weiterer großer Träger ist die AWO, die Arbeiterwohlfahrt. Im Wasserburger Land ist dieser Träger unter anderem für das Kinderhaus in Schonstett sowie den Kindergarten in Ramerberg verantwortlich. Unbesetzte Stellen gibt es dort keine, wie Anton Reiserer, Geschäftsleiter des AWO-Kreisverbands Rosenheim-Miesbach e.V., auf Anfrage mitteilt.
Er betont, dass die Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher grundsätzlich „nicht aussagekräftig“ sei. „Entscheidend sind neben Personal in Elternzeit, Langzeitkranken unter anderem die Verfügbarkeit, beispielsweise im notwendigen Umfang für eine Gruppenleitung oder eine Qualifikation für Inklusionskräfte. Da in diesem Bereich über 90 Prozent Frauen tätig sind, ist die Teilzeitquote sehr hoch und die Anzahl deshalb nicht aussagekräftig“, verdeutlicht der Geschäftsleiter. Weiter führt Reiserer aus, dass die Anzahl der Kinder in den vergangenen Jahren „erheblich zugenommen“ habe, ebenso die Buchungszeiten. Dementsprechend werde auch mehr Personal eingesetzt.
Die Personalsituation der Katholischen Kirchenstiftung St. Nikolaus Albaching, Träger des Kita-Verbunds für Betreuungsstätten in Albaching, Pfaffing, Rott und Soyen, stellt sich ebenfalls recht gut dar, wie die Verwaltungsgemeinschaft Pfaffing mitteilt. Insgesamt sind dort 37 Erzieherinnen in Voll- und Teilzeit (elf im Kinderhaus Albaching, sechs in Pfaffing, sechs in Rott und 14 in Soyen) angestellt. Zudem gibt es laut Gemeinde 25 Kinderpflegerinnen (sechs in Albaching, fünf in Pfaffing, fünf in Rott und neun in Soyen).
Darüber hinaus werde das Team von drei Assistenzkräften (eine in Albaching, zwei in Pfaffing) sowie von einer FSJlerin in Rott und einer Bufdi in Soyen unterstützt. Die Stellen des Kita-Verbunds sind laut Gemeinde seit September 2024 alle besetzt, nur in Albaching ist eine Position für eine Hort-Erzieherin vakant.
Anita Schumann, Kita-Verwaltungsleiterin der Katholischen Kirchenstiftung, weist zudem darauf hin, dass eine integrativ arbeitende Einrichtung zwar mehr Personal benötigt und vorhalten kann, dies sei aber durch den höheren Gewichtungsfaktor für die Integrationskinder und gegebenenfalls durch Zusatzkräfte im Anstellungsschlüssel nicht erkennbar.
„Darum ist es schwierig, allein anhand des Anstellungsschlüssels die tatsächliche personelle Situation einer Kita zu bewerten“, betont sie. Faktoren wie Nachmittagsbuchungszeiten, Auslastung, Migration, U3 Kinder spielen außerdem eine entscheidende Rolle. Der Anstellungsschlüssel bezieht sich immer auf die Anzahl der Kinder, sowie den Gewichtungsfaktoren und den Buchungszeitfaktoren. Besonders bei Integration spielt es eine wesentliche Rolle, ob Kommunen über den X-Faktor Zusatzkräfte genehmigen“, erklärt Schumann.
Die Personallage im evangelischen Kindergarten Löwenzahn in Pfaffing stellt sich ebenfalls gut dar: Derzeit gibt es keine unbesetzten Stellen, so Kita-Geschäftsführer Jochen Knöchel. Dort arbeiten fünf Erzieherinnen sowie fünf Kinderpflegerinnen. Zudem unterstützt eine FSJ-lerin das Team noch bis September.
Im Integrationshort Pfaffing gibt es laut dem Bereichsleiter, Bernhard Fodermeyer, 54 Betreuungsplätze. Dort arbeiten zwei Heilerziehungspfleger zu je 30 Wochenstunden und drei Hilfskräfte zu je 30 Wochenstunden. Unterstützt werde das Team von einem Bufdi. Im Naturkindergarten Pfaffing, der im September 2024 eröffnet hat, gibt es ebenfalls keine unbesetzten Stellen. Insgesamt arbeiten vier pädagogische Kräfte und eine Assistenzkraft (in Ausbildung zur Ergänzungskraft) in der Einrichtung. Praktika sind möglich, auch im Rahmen der Ausbildung (SEJ, FSJ), teilt die Betreuungsstätte mit.
Bei den Umfragen der Kitas im Haager Land zeichnet sich ebenfalls ein gutes Bild, was die Betreuungssituation angeht. In Haag, Gars, Unterreit, Kirchdorf, Reichertsheim und St. Wolfgang gibt es keine unbesetzten Stellen, wie die Kommunen auf Anfrage erklären. Nur in Maitenbeth sei eine Stelle vakant. Die meisten Erzieherinnen und Erzieher sind – entsprechend der Größe der Betreuungsstätte – in Gars (22) tätig, gefolgt von Maitenbeth (17), Haag und Reichertsheim (jeweils zehn). Die meisten Kinderpflegerinnen mit 15 Personen sind ebenfalls in der Marktgemeinde Gars beschäftigt, gefolgt von Maitenbeth mit neun und Kirchdorf mit sieben.
Insgesamt gibt es im Landkreis Mühldorf 122 Betreuungseinrichtungen, die 7.300 Betreuungsplätze anbieten können, so Landratsamts-Sprecherin Karin Huber. Dafür sind laut Huber fast 1000 Mitarbeiter eingestellt: 557 pädagogische Fachkräfte, dazu 422 sogenannte pädagogische Ergänzungskräfte.
