Besondere Pädagogik
Ausmisten und Tiere streicheln: So wird ein Bauernhof in Soyen zum Integrations-Kindergarten
Der Kindergarten in Soyen bietet ein einzigartiges Konzept. Denn die Kinder spielen im Wald und helfen auf dem Bauernhof. Wie die besondere Pädagogik funktioniert und welche Vorteile Leiter Christian Neef sieht.
Soyen – Ausmisten, Eier einsammeln, und Tiere streicheln: Der Integrationskindergarten in Soyen glänzt mit einem ungewöhnlichen Konzept. Denn seit September 2019 gibt es hier zwei Außengruppen auf dem Bauernhof der Familie Meidert in Taubmoos.
Seit 15 Jahren ist Christian Neef Kindergartenleiter in Soyen, die Pädagogik an der freien Natur hält er für „absolut wichtig“. Bewegung an der frischen Luft, das Austoben im Freien, das sei für die Kinder essenziell, findet er. Positiver Nebeneffekt: Neef musste auch noch nie nach Personal suchen. „Wir haben bislang keine Stelle ausgeschrieben“, sagt er. Stets hätte er eine lange Liste an interessierten Erziehern und Kinderpflegern. „Sie schätzen den Arbeitsplatz draußen sehr“, erzählt Neef. Allein wegen der Ruhe. „Die Lautstärke in einem Raum mit einer Kindergarten-Gruppe ist meist das, was die Mitarbeiter am meisten anstrengt“, so Neef. In den Außengruppen des Integrationskindergarten Soyen geht es da meist ruhiger zu. „Die Lautstärke verfliegt einfach.“
75 Kinder zu betreuen
100 Plätze bieten Neef und sein Team an, 75 Kinder betreuen sie derzeit und sind damit voll belegt. Denn der Fokus liegt in Soyen auf Integration, das heißt einige Kinder belegen aufgrund ihres erhöhten Betreuungsbedarfs mehrere Plätze. Derzeit hätten sie einige Kinder mit Autismus in Betreuung, erzählt Neef. Aber auch Kinder mit anderen körperlichen, psychischen und seelischen Einschränkungen sind willkommen.
Begonnen wird die „Kindergartenkarriere“ in Soyen dabei immer im Haupthaus. „Dort sind unsere Kleinen untergebracht“, erzählt Neef. Der Alltag erinnere hier eher an den klassischen Kindergarten mit Spielzeug, Bastelrunden und einem Garten zum Toben. Sobald die Kinder älter sind, wechseln sie dann in die Außengruppen. Abwechselnd verbringen sie Zeit im Wald oder eben auf dem Bauernhof der Familie Meidert.
Stalltage statt traditionelles Spielzeug
Traditionelles Spielzeug gibt es hier kaum. Stattdessen toben die Kinder im Wald, nutzen Stöcke und andere Naturmaterialien als Beschäftigung. Auf dem Bauern haben sie zudem zweimal pro Woche sogenannte „Stalltage“ und dürfen aktiv bei der Arbeit auf dem Bauernhof mithelfen. Sie betreuen Kühe, Schweine und Hühner, helfen beim Ausmisten und Eier einsammeln.
Dabei ist es egal, ob Regen, Schnee oder Sonnenschein herrscht. „Unsere Kinder sind eigentlich immer draußen“, sagt Neef. Den Kindern mache das Wetter wenig aus. „Vergangenes Jahr hatten wir zwischenzeitlich weit unter null Grad, die Kinder sind dann vier Stunden Schlitten gefahren, da wird einem warm“, sagt Neef. „Es sind dann eher die Erwachsenen, die jammern und frieren“, erzählt er lachend. Um sich zwischenzeitlich aufzuwärmen, verfügt aber jede Gruppe über Räume, eine sogenannte Schutzhütte und ein umgebauter Zirkuswagen stehen dafür Kindern und Betreuern zur Verfügung.
Für den Fall der Fälle, also sollte das Wetter tatsächlich mal so gefährlich sein, dass der gesamte Tag drinnen verbracht werden muss, stehen außerdem die Räumlichkeiten des TSV Soyen als Ausweichquartier zur Verfügung. „Seit der Eröffnung der Gruppen vor knapp sechs Jahren kann ich mich aber nur an drei Tage erinnern, an denen wir diese wirklich gebraucht haben“, erzählt Neef. Schließlich, so das Ziel sollen die Kinder vor allem eins: So viel Zeit wie möglich draußen verbringen.

