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Personalmangel in Kindertagesstätten

Kita-Boom: Gibt es in Mühldorf und Altötting genügend Erzieherinnen und Erzieher?

Sie werden mehr und mehr: Kinderbetreuungseinrichtungen in der Region. Reicht dafür die Zahl der Erzieherinnen?
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Sie werden mehr und mehr: Kinderbetreuungseinrichtungen in der Region. Reicht dafür die Zahl der Erzieherinnen?

In den Landkreisen Mühldorf und Altötting ist die Zahl der Kinderbetreuungs-Einrichtungen in den letzten Jahren explodiert. Fachleute fürchten, dass auf diese Zunahme jetzt ein umso stärkerer Fachkräftemangel folgt. So ist die Lage in der Region.

Mühldorf/Altötting – Plätze in Kinderkrippen und Kindergärten gibt es genug. Das haben die Recherchen der OVB Heimatzeitungen im Rahmen ihres Themenschwerpunkts „Leben und Lernen“ gezeigt. Aber gibt es auch ausreichend Frauen und Männer, die bereit sind, die Betreuungsarbeit zu leisten?

122 Einrichtungen für 7300 Kinder

Um welche Dimensionen es sich handelt, zeigt eine Anfrage an das Landratsamt Mühldorf. 122 Betreuungseinrichtungen im Landkreis zählt Sprecherin Karin Huber auf, sie bieten 7300 Betreuungsplätze. Dafür sind laut Huber fast 1000 Mitarbeiter eingestellt: 557 pädagogische Fachkräfte, dazu 422 sogenannte pädagogische Ergänzungskräfte.

Bricht man diese Zahl herunter, wird die Dimension noch deutlicher. Die Stadt Mühldorf beschäftigt nach Angaben ihres Sprechers derzeit 452 Mitarbeiter, 157 von ihnen arbeiten in den städtischen Kindertagesstätten. Das ist mehr als jeder Dritte. Dazu kommen 39 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der katholischen Kirche. In der Gemeinde Oberbergkirchen hat sich die Zahl der Kindergärtnerinnen und -betreuer seit 2005 von 6 auf 18 verdreifacht. In Mühldorf, wo die Zahl binnen fünf Jahren von 100 auf 150 stieg, spricht Stadtsprecher Werner Kurzlechner von der „Wucht des Anstiegs“. Angesichts dieser Entwicklung und der Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst steige auch der Personaletat der Stadt kontinuierlich an.

Viel Konkurrenz um Mitarbeiter

Diese Zahlen finden sich ähnlich im Landkreis Altötting wieder, wo es laut Landratsamtssprecher Dr. Robert Müller 62 Kindergärten und 48 Krippen gibt, 110 Einrichtungen insgesamt. Viel Konkurrenz um qualifizierte Mitarbeiterinnen auf relativ engem Raum.

Das Bayerischer Rote Kreuz (BRK) zählt im Landkreis Altötting zu den großen Anbietern. Es betreibt drei Naturkindergärten in Altötting, Engfurt und Queng, Kindertagesstätten in Burgkirchen und Töging, die Kita in Burgkirchen und das Haus für Kinder in Stammham, den Kindergärten in Winhöring und die Kindertagesstätte in Burghausen. Maximilian Gschwendtner, der für die Organisation der Kinderbetreunng beim BRK zuständig ist, sagt: „Derzeit finden wir ausreichend Fachpersonal.“

Diese Einschätzung gilt nicht nur für die BRK-Einrichtungen, antwortet Geschwendtner auf die Frage, ob es in anderen Regionen des Landkreises Altötting Schwierigkeiten gibt, ausreichend Personal zu finden: „Nein, das können wir nicht feststellen“, sagt er Trotzdem fordert er generelle Verbesserungen, damit der Beruf attraktiv ist: „Grundsätzlich ist es erforderlich, die Rahmenbedingungen zu verbessern: den Anstellungsschlüssel und die damit einhergehende Refinanzierung.“

Denn es gibt vereinzelt gegenteilige Erfahrungen, wie Patricia Rieder für die Kindergärten in Gars betont: „Auf Stellenausschreibungen gibt es deutlich weniger Bewerber. Das Interesse für Berufsausbildungen im pädagogischen Bereich ist spürbar rückläufig.“

Auf der Suche nach dem Grund für die derzeit noch gute Personalsituation in der Region, hört man immer wieder zwei Antworten: die Hochschule mit ihrem Studiengang Pädagogik der Kindheit, und vor allem die Fachakademie für Sozialpädagogik in Starkheim, einem Ortsteil von Polling. „Ja, Mühldorf profitiert enorm“, betont Mühldorfs Sprecher Kurzlechner. „Insbesondere von der Fachakademie in Starkheim. Deren Absolventen erfüllen häufig passgenau unser Suchprofil.“ Meist kommen sie aus der Region.

Insofern sei die Fachakademie tatsächlich ein entscheidender Faktor dafür, dass Städte und Gemeinden ausreichend Personal finden. Es zahlt sich laut Kurzlechner damit langfristig aus, dass der Landkreis seinerzeit vorausschauend in die Errichtung der Fachakademie investiert habe. Studierende der Fachakademie, die von der Diakonie in Traunstein geführt wird, könnten in den Einrichtungen im Landkreis das Soziale Einführungsjahr (SEJ) und das Berufspraktikum oder Anerkennungsjahr absolvieren.

Vom guten Angebot an gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren auch die Kinder. Dadurch, dass es genug Personal gibt, kann ein guter Betreuungsschlüssel eingehalten werden. Wie viele Mitarbeiter sich um die Betreuung der Kinder kümmern sollen, ist in einer Ausführungsverordnung zum Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (Kinderbildungsverordnung – AVBayKiBiG) geregelt.

Auch die Einrichtungen der Katholischen Kirche sind mit ihrer Personalausstattung zufrieden.

Durch zahlreiche Sonderregeln und unterschiedliche Ansätze in integrativen Einrichtungen, in Krippen oder Kindergärten, durch unterschiedliche Qualifikationen und Berufsgruppen ist es selbst für Fachleute unmöglich, einen allgemeinverbindlichen Betreuungsschlüssel über alle Einrichtungen hinweg zu definieren. Im Mittel kommt man etwa auf eine Empfehlung von mindestens einem Betreuer auf zehn Kinder.

Ein Blick in den Landkreis Mühldorf zeigt: Diese Zahl wird nur selten erreicht, meist liegt der Personalschlüssel deutlich darunter. Die Spitzenreiter sind Buchbach mit einem Schlüssel von einer Mitarbeiterin auf 8,75 Kinder, Mettenheim mit 1:8,5, Jettenbach mit 1:8,5 und Heldenstein mit bemerkenswerten 1:7,62.

Gut betreut: Noch gibt es ausreichend Personal in der Kitas in der Region

Kein Thema für heimische Kinderbetreuungseinrichtungen sind Bufdis. „Im Kita-Jahr 2025/26 beschäftigen wir in einer Einrichtung eine Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst“, sagt Tanja Mayer vom Diözesancaritasverband Passau, der auch im Landkreis Altötting tätig ist. „Die Nachfrage an diesen Stellen oder Stellen für das freiwillige soziale Jahr sind eher gering.“

Das zeigen auch die konkreten Zahlen aus dem Landkreis Mühldorf: In Gars und Obertaufkirchen gibt es je einen Bufdi, die anderen Einrichtungen haben keine gemeldet, viele bestätigen die Aussage der Caritas, dass es keine Nachfrage danach gibt.

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