Nach Schließung des Seniorenheims St. Konrad in Wasserburg
„Eklatanter Pflegemangel“ bei 30 Bewohnern im Sonnengarten Edling: Caritas zeigt sich selbst an
Große Probleme im Altenheim „Sonnengarten“ in Edling: Die Caritas hat sich wegen „eklatantem Pflegemangel“ selbst angezeigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Was passiert ist und wie es jetzt für die Bewohner – auch des Seniorenheims St. Konrad in Wasserburg – weiter geht.
Edling/Wasserburg – „Eklatanter Pflegemangel“, das ist laut Caritas der Grund für die baldige Schließung des Seniorenheims St. Konrad in Wasserburg. Der Pflegemangel ist aber nicht in Wasserburg, sondern in Edling zu finden. Auch das hat die Caritas bereits so kommuniziert. Die Einrichtung „Sonnengarten“ in Edling habe personelle Probleme, weshalb auf Dauer die beiden Häuser zusammengelegt werden müssen. Wie gravierend der Pflegemangel in Edling zeitweise war, das wird aber nun erst deutlich. Denn jetzt ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft.
Einige Hinweise dazu haben die Wasserburger Zeitung erreicht. Mehrere Quellen berichteten der Redaktion, dass sowohl die Heimaufsicht des Landratsamts Rosenheim, als auch die Staatsanwaltschaft Traunstein involviert seien. In einem anonymen Schreiben, das der Wasserburger Zeitung vorliegt, erklärt eine Person, „dass es im Seniorenheim Edling von den 50 Bewohnern bei über 30 zu schwerwiegendem Pflegemangel gekommen ist“. Auf Anfrage bestätigt Rainer Vietze, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, dass eine Selbstanzeige des Trägers zu diesem Thema vorliege. Die Ermittlungen dazu würden noch andauern. Dennoch stellt sich die Frage: Wie schlimm war oder ist die Situation im „Sonnengarten“ Edling?
Auf Anfrage bestätigen Doris Schneider und Clemens Kraus, Geschäftsführerin und stellvertretender Geschäftsführer des Bereiches Altenpflege bei der Caritas in der Erzdiözese München und Freising, dass sich die Caritas bei der Heimaufsicht des Landratsamts Rosenheim angezeigt habe, nicht jedoch gegenüber der Staatsanwaltschaft. „Es ist grundsätzlich so, dass wir Vorfälle an die Heimaufsicht melden, die auf ein strukturelles Problem in unseren Häusern hinweisen. Diese entscheidet dann, wie weiter damit verfahren wird“, erklärt Schneider. Bei 27 Einrichtungen käme es zu einer „Handvoll“ solcher Meldungen im Jahr.
Bewohner kam Ende Januar zu Schaden
Im Fall von Edling sei die Anzeige an die Staatsanwaltschaft Traunstein weitergegeben worden. Grund für die Anzeige bei der Heimaufsicht sei ein Vorfall Ende Januar gewesen, bei dem ein Bewohner aufgrund mangelnder Pflege zu Schaden gekommen sei. „Bei einem Vorfall mit potenzieller Schädigung von uns anvertrauten Bewohnern gehen wir proaktiv auf die FQA (Heimaufsicht) zu und informieren umfassend. In diesem Fall haben wir das Mittel der Selbstanzeige ergriffen. Damit werden auch die weiteren Schritte eng mit der FQA abgestimmt und begleitet“, erklärt Bettina Bäumlisberger, Pressesprecherin der Caritas.
„Gleichzeitig zu dieser Selbstanzeige haben wir eine Analyse der Pflegequalität durchgeführt“, erklärt Bäumlisberger. Dabei seien weitere Pflegemängel von unterschiedlichem Ausmaß festgestellt worden. „Diese reichen von fehlender Risikoeinschätzung in der Dokumentation bis zu nicht-adäquat versorgten Hautläsionen und Wunden“, so die Sprecherin. Betroffen gewesen seien insgesamt, wie im anonymen Schreiben angegeben, 30 Bewohner. Bei einem Großteil sei es jedoch nicht zu nachhaltigen Schäden gekommen, sondern zu einer falschen oder fehlenden Risikoeinschätzung. „Das heißt, die Dokumentation zum Beispiel von Risikoeinschätzungen in der pflegerischen Versorgung oder auch Flüssigkeitsgaben haben nicht gestimmt“, erklärt Kraus. „Bei einer falschen Dokumentation können potenziell natürlich Schäden entstehen“, so Kraus.
Hohe Zeitarbeiter-Quote und fehlende Pflegedienstleitung
Als Grund, wie es zu einer solch gravierenden Situation kommen konnte, gibt die Caritas – wie bereits zuvor – die hohe Zeitarbeiter-Quote unter den Fachkräften im „Sonnengarten“ Edling an. Diese habe zu Qualitätsverlusten geführt. Zudem habe die Pflegedienstleitung zum Ende des Jahres 2023 aufgehört, die Stelle sei im Januar unbesetzt gewesen. „Der Personalmangel in der Pflege ist bekannt“, sagt Schneider. „Es ist aber auch sehr schwierig, Personen für die Führungsebene zu finden, die diese große Verantwortung übernehmen wollen.“
Schneider erklärt, dass sie die Vorkommnisse in Edling sehr bedauere. „Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter“, betont sie. Die Caritas sei um eine Aufarbeitung der Fälle bemüht und arbeite daran, die Situation zu verbessern. „Es wurden in Zusammenarbeit mit der FQA verschiedene Maßnahmen ergriffen und alle personellen Möglichkeiten regional gebündelt, um eine qualitativ angemessene Versorgung der Bewohner wieder her- und sicherzustellen. Dies dauert auch weiterhin an“, betont Bäumlisberger. „Um zukünftig eine solche Situation zu verhindern, werden bisher eingesetzte qualitätssichernde Instrumente – wie die Analyse – bereits intensiv geprüft.“ Zudem sei die Caritas bemüht, freie Stellen mit eigenen Mitarbeiten zu besetzen. Außerdem werden die beiden Häuser St. Konrad und „Sonnengarten“, wie berichtet, zusammengelegt.
