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Bundesweite Entwicklung erkennbar

Das Ende für Bio? Warum Naturkostläden wie Aiblings „Ährensache“ erbittert kämpfen müssen

Ährensache-Inhaberin Regina Lüdke steht vor einer großen Auswahl an frischem Obst und Gemüse.
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Ährensache-Inhaberin Regina Lüdke steht vor einer großen Auswahl an frischem Obst und Gemüse.

Viele Menschen kaufen Bio-Lebensmittel – doch immer weniger gehen dafür in kleinere Naturkostläden. Ein Bad Aiblinger Beispiel zeigt, warum der Markt hart umkämpft ist und welche Maßnahmen helfen könnten.

Bad Aibling – Es ist eine Entwicklung, die vor allem kleinen, inhabergeführten Bioläden mehr und mehr zu schaffen macht. Auf der einen Seite werden sie durch Discounter und Supermarkt-Ketten verdrängt, die sich längst auf dem Bio-Markt breit gemacht haben. Auf der anderen Seite sinkt die Kaufkraft vieler Kunden. Wird also nicht nur beim Konsum gespart, sondern auch am Bewusstsein für nachhaltig produzierte Lebensmittel? Ein Eindruck, den Regina Lüdke, Inhaberin der „Ährensache Naturkost“ in Bad Aibling, nur bestätigen kann und gegen den sie seit Langem versucht, anzukämpfen.

An diesem Vormittag herrscht reger Betrieb im Bioladen in der Bahnhofstraße. Frisches Obst, glutenfreie Brote oder der würzige Heumilchkäse gehen über die Ladentheke. Einige Stammkunden sind in Gespräche mit Mitarbeiterinnen vertieft. Doch der Eindruck darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Markt für Bio-Produkte mittlerweile ein hartes Pflaster geworden ist. „Seit Anfang 2024 erleben wir einen richtigen Einbruch“, sagt Lüdke gegenüber dem OVB. Zwar lebe man nach wie vor von den treuen Stammkunden, die genau wie das elfköpfige Ährensache-Team aus echten „Überzeugungstätern“ bestünden. Dennoch sei der Konsum deutlich zurückgegangen, sodass man nicht einfach wie bisher weitermachen könne.

„Viele wissen nicht, was alles dran hängt“

Doch bei aller Herausforderung und trotz des Wissens, dass immer mehr kleine Läden schließen müssten, will Lüdke diese Option eigentlich gar nicht in Erwägung ziehen. „Wir arbeiten permanent an Veränderungen, damit wir diesen harten Kampf bestehen können“, sagt die 47-Jährige, die den Aiblinger Laden als langjährige Mitarbeiterin Mitte 2023 von Vorgängerin Gerlinde Deininger übernommen hatte. Nach einem anfänglichen Aufschwung machte sich die Kaufzurückhaltung auch in der Bad Aiblinger Bahnhofstraße deutlich bemerkbar, berichtet Lüdke. Und das, obwohl ihr Laden als Nahversorger mitten in der Stadt fußläufig erreichbar ist.

So richtig erklären kann sie es sich nicht. „Natürlich kann es mit der globalen Lage zusammenhängen und offensichtlich sind den Menschen dann ein paar Cent oft zu viel“, sagt sie. Viele Menschen würden lieber Bio im Discounter einkaufen, manche auch gar keine Bio-Produkte.

Auch für Lüdke sei klar, dass die angespannte politische Lage, die Angst vor Krieg oder die Inflation zum „Sparmodus“ bei vielen führten. Doch für die Inhaberin dürfte dies eigentlich keinen Einfluss auf das Bewusstsein für Nachhaltigkeit nehmen. „In meinen Augen ist vielen Menschen gar nicht klar, welchen Beitrag man mit dem Kauf von echten Bio-Produkten zum Klimaschutz leisten kann.“ Lüdke spricht von der Wertschöpfungskette, von der artgerechten Tierhaltung, Chemie freier Nahrung oder besseren Löhnen im Naturkost-Sektor. „Viele wissen einfach nicht, was da alles dran hängt.“ Und darüber hinaus gehe es schlicht auch um das Aussterben des regionalen Handels.

Studie: Einkauf in Bioläden rückläufig

Lüdkes Sicht wird auch durch bundesweite Studien bestätigt, die zeigen, dass die Anzahl der Personen in Deutschland, für deren Haushalt Lebensmittel in Bioläden eingekauft werden, in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Laut Angaben des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kaufen zwar 97 Prozent aller deutschen Haushalte „manchmal“ Bio-Lebensmittel. Die meisten – zwei Drittel aller Haushalte – würden jedoch weniger als fünf Prozent ihres Lebensmittelbudgets für Bio-Produkte ausgeben.

Die Hauptgründe für den Kauf von Bio sind demnach der Tierschutz, die Ablehnung einer gesundheits- und umweltschädlichen Produktion, die Unterstützung der lokalen Landwirtschaft und die Nachhaltigkeit. Die größte Hürde beim Bio-Kauf sei jedoch der subjektiv empfundene hohe Preis der Produkte. Die Aiblinger Laden-Inhaberin Lüdke versteht zwar, dass sich einige Menschen diverse Produkte schlicht nicht mehr leisten können. Jedoch will sie die finanzielle Erklärung nicht in jeder Hinsicht gelten lassen.

Große Konkurrenz seit 2017

Vielmehr glaubt sie, dass Bio-Läden oftmals als „sehr teuer“ und als „Luxus“ abgestempelt werden. Und natürlich gebe es auch vereinzelt Produkte, die deutlich hochpreisiger im Naturkostladen zu erwerben sind, als anderswo, was aufgrund der hohen Qualität jedoch gar nicht günstiger darstellbar sei. Und: „Grundsätzlich sind die Preise im Bio-Markt nicht so dramatisch gestiegen und zudem verfolgen wir ein Konzept, wonach die Preise für unsere Grundnahrungsmittel in etwa mit Edeka-Preisen vergleichbar sind, manchmal auch günstiger“, so die 47-Jährige.

Als eines der größten Probleme nennt sie zudem die Konkurrenz-Situation durch die 2017 eröffnete „Denns-BioMarkt“-Filiale in Bad Aibling, die laut Lüdke zwei Drittel der eigenen Kundschaft „abgezogen“ hätte. Ketten wie diese führten zu einer Monopolisierung und kleine Bio-Läden hätten im Gegenzug nicht die Möglichkeit, auf Niedrigpreise zu setzen.

„Mitgliederladen“ als Gedankenspiel

„Man muss schauen, wie man über die Runden kommt, aber wir sind von dem, was wir tun, absolut überzeugt“, sagt Lüdke. Besonders wertvoll sei ihr Team, welches sich aus voller Überzeugung für den Erhalt „einer Begegnungsstätte im Kern von Bad Aibling“ einbringe. Dabei gehe es nicht nur um hochwertige und umweltfreundliche Lebensmittel, auch der Austausch bei Snacks oder einer Tasse Kaffee sei wichtig.

Und um das eigene Konzept mit qualitativer Bio-Ware weiter am Leben erhalten zu können, will die Inhaberin alles versuchen. Dabei will sie vor allem weiterhin auf intensive Kundenpflege achten und bewährte Angebote, etwa den selbstgemachten Frischkäse, den frisch gepressten Apfel-Karotten-Ingwer-Saft oder frisches Obst und Gemüse, möglichst ins Bewusstsein rufen.

Ährensache-Inhaberin Regina Lüdke ist vom Konzept ihres Bio-Ladens überzeugt.

Doch um das Geschäft auf Dauer am Laufen zu halten, muss Lüdke womöglich noch andere Wege gehen. So denkt sie derzeit etwa über eine „Art Mitgliederladen“ nach, wofür sie sich bereits beraten lässt. Die Idee, bei der Stammkunden etwa ihr monatliches Einkaufsbudget bereits zum Monatsanfang auf eine Art Kundenkonto einzahlen könnten, würde dem Betrieb mehr Planung ermöglichen und einen Beitrag zur Existenzgrundlage leisten, erklärt Lüdke. Spruchreif sei hier jedoch noch nichts.

Gartenküche und Unverpackt-Laden mussten schließen

Klar ist, dass viele kleine Naturkostläden in der heutigen Zeit früher oder später an ihre Grenzen stoßen. Und dass der Konsum im Bereich der bewussten Ernährung ins Stottern gerät, zeigt sich in Bad Aibling womöglich auch an diversen Schließungen. Etwa die Gartenküche, ebenfalls in der Bahnhofstraße, gibt es seit Kurzem nicht mehr. Das Beispiel des Unverpacktladens „Natur Pur – Nimm‘s mit ohne“, der im Aiblinger Stadtzentrum nach nur zwei Jahren Ende 2022 dichtmachte, macht ebenfalls deutlich, dass es Händler in der Branche nicht leicht haben.

Am politischen Wahlkampf im Vorfeld der Bundestagswahl, in dem Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz weitestgehend in der öffentlichen Debatte ausgespart wurden, liege die Entwicklung laut Regina Lüdke im Übrigen nicht. „Das ging jetzt vielleicht ein halbes Jahr so, aber die Menschen sollten eigentlich ein Bewusstsein dafür haben und sie treffen schließlich auch bewusst eine Kaufentscheidung.“

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