Neue wissenschaftliche Erkenntnisse
Sensationeller Bodenfund auf Fraueninsel immer spektakulärer: Trägt er Handschrift des Kaisers?
„Der Kaiser muss mitmachen.“ Das ist für Dr. Marc Miltz eindeutig. Die Basilika, deren Fundament am höchsten Punkt der Fraueninsel gefunden wurde, war „ein Zentralbau“. Und „unheimlich teuer“. Was aus dem Sensationsfund werden soll, verrät der Inselbürgermeister.
Fraueninsel – Im Frühjahr 2024 entdeckten Archäologen auf der Fraueninsel rund einen Meter unterm Erdreich verborgen die Fundamente eines imposanten Baus, der nördlich der Alpen einzigartig ist. War doch sein Vorbild höchstwahrscheinlich die Grabeskirche in Jerusalem.
Bei einer Ortsbegehung wartete Dr. Marc Miltz vom Landesamt für Denkmalpflege mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auf, die aufhorchen lassen. Die rege Bautätigkeit auf der Fraueninsel habe Anfang des 11. Jahrhunderts wohl eine Zäsur erlitten und auch die mögliche Nichtfertigstellung des monumentalen sakralen achteckigen Baus lässt eine Vermutung Raum gewinnen: Der salische Kaiser Heinrich III. war 1056 überraschend gestorben. War er der Geldgeber für eine mögliche große geplante Pilgerstätte auf der Fraueninsel ?
Es ist das Tuch des Vergessens aufgrund der wenigen erhaltenen Funde, das das sogenannte „Dunkel Mittelalter“ im Grunde erst wirklich dunkel macht. Denn wer einen Blick auf die 3-D Animation der im Erdreich entdeckten sakralen Fundamente auf der Fraueninsel werfen darf, kann sich überzeugen, dass auch nördlich der Alpen Baumeister Großartiges geschaffen haben.
Bei einem Termin auf der Fraueninsel erläuterte Dr. Miltz nochmals, wie wegen der Erstellung des Denkmalschutz-Konzeptes eigentlich nach einer verschwundenen Kirche auf der höchsten Kuppe der Fraueninsel mittels Geo-Radar geforscht worden sei. Dabei habe man nicht nur das Fundament der vermutlich nach 1803 abgetragenen Kirche entdeckt, sondern in rund einem Meter Tiefe die gut erhaltenen Reste dieses imposanten Baus. Dr. Miltz machte in seinen Ausführungen deutlich, dass es „so einen Bau sonst nirgends gibt!“
Grundvoraussetzung: Der Kaiser muss mitmachen
Unabdingbar sei zu der damaligen Zeit als Vorbedingung gewesen, auch angesichts der Stellung als reichsunmittelbares Kloster: „Der Kaiser muss mitmachen.“ Er ging auf die damals agierenden Persönlichkeiten, wie den Seeoner Abt Gerhard, ein. Dieser habe auch die Öffnung des Grabes der verstorbenen Irmengard (831-866), Tochter König Ludwigs, angeordnet und für Dr. Miltz verdichten sich die Hinweise, dass kurz nach der Jahrtausendwende alles auf eine baldige Heiligsprechung hindeutete.
Rund 19 Meter war der Bau lang und der Chor der späteren Sankt Martins Kirche, die genauso lang war, deckt sich komplett mit dem des Vorgängers, wie auf dem Radarbild ersichtlich sei. Besonders hervorstechend seien die acht Säulen und deren Position, die darauf schließen lassen, dass die damalige frühmittelalterliche Basilika zweistöckig angelegt war. „Das war damals schon ein Zentralbau“, unterstrich Dr. Miltz „und unheimlich teuer!“
Auch für die Torhalle vermutet er eine jüngere „Geburtsstunde“ des jetzigen Baus, denn die verwendeten Hölzer seien erst gegen 1000 n. Ch. geschlagen worden. Das bedeute, dass der Vorgängerbau abgerissen und neu aufgebaut worden ist, so Dr. Miltz. Dass solche neuen wissenschaftliche Erkenntnisse kontrovers diskutiert werden, bringe die Sache mit sich und ist zum Teil neuen Forschungsmöglichkeiten durch neue Techniken geschuldet.
Bürgermeister Armin Krämmer erinnerte an das große blühende „Friedenszeichen“, mit dem die Insulaner eigentlich angesichts der Gewalt und der Kriege auf der Welt ein besonders Zeichen setzen wollten. Die runde Blumenrabatte war in den Ausmaßen fast identisch mit dem frühmittelalterlichen Bau – reiner Zufall? Auf den Radarbildern sah man beim Ortstermin so auch alle drei menschlichen „Eingriffe“, die Fundamente der beiden Bauwerke, wie auch das kreisrunde Friedenszeichen.
Gärtner Martin Haberlander hatte das Friedenszeichen für die Gemeinde Fraueninsel mit Wildblumen bepflanzt und auch die nun ausgebrachten, aber noch verborgenen Blumen, die die Grundrisse des sakralen Achtecks bald für die Besucher der Insel und die Bewohner sichtbar machen. Wie Krämmer erklärte, habe Haberlander die Grasdecke genau in den Umrissen des Baus abgetragen. Sind es 2025 noch Blumen, ist aber in weiterer Zukunft geplant, das Monument in seinen Boden-Umrissen mit Cortenstahl wieder zum „Leben“ zu erwecken, wie der Bürgermeister informierte.
