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Achteckiger Sakralbau neben Tassilo-Linde

Sensationsfund unter der Lupe: Wissenschaftler untersuchen Kraftort auf der Fraueninsel

Wildblumen zeichnen den Grundriss einer romanischen Kirche auf der Fraueninsel im Chiemsee nach
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Im Spätsommer 2024 hat das Landesamt für Denkmalpflege zusammen mit der Gemeinde den Grundriss der romanischen Kirche mit Wildblumen an der exakten Stelle und Form nachgezeichnet. So ist für die Besucher der Fraueninsel die Form und Lage des Bodendenkmals nachvollziehbar. 

Eine abgerissene Kirche des späten Mittelalters gesucht, einen romanischen Sakralbau gefunden. Was es auf der kleinen Fraueninsel nicht alles gibt. Selbst archäologische Sensationen. Wissenschaftler staunen, freuen sich und machen sich an die Arbeit. So weit sind sie gekommen.

Fraueninsel – Es gibt Funde, die macht man nur einmal in einem Archäologen- oder Denkmalschützerleben. Die achteckige Kirche am höchsten Punkt der Fraueninsel gehört dazu. Dabei war sie ein Zufallsfund. Denn gesucht hatten Geophysiker für das Landesamt für Denkmalpflege auf der Fraueninsel eigentlich eine 1803 abgerissene Laienkirche, die zum Kloster Frauenwörth gehörte. Deren Überreste fanden sie auch, mittels Bodenradar.

Und dann tauchten darunter, in etwa einem Meter Tiefe, auf einmal noch weitere Strukturen auf. Völlig überraschend. Dr. Mathias Pfeil, Generalkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, und seine Kollegen guckten genauer hin. Nicht nur einmal. Und entdeckten das achteckige Fundament eines Sakralbaues aus der Romanik, mehr als 1000 Jahre alt. Bisher völlig undokumentiert. Die Sensation war komplett.

„Jetzt beginnt zunächst mal eine wissenschaftliche Diskussion, und dann werden wir weitersehen“, hatte Pfeil im Sommer 2024 gesagt. Man habe ja keine Eile, „das Ding ist seit über 1000 Jahren da unten“. Ausgrabungen in nächster Zeit hatte Pfeil da schon ausgeschlossen. Und dabei blieb es bis heute. „Es sind weiterhin keine Ausgrabungen vorgesehen“, erklärt Katharina Schmid, Pressesprecherin des Landesamtes für Denkmalpflege. Zumal die für eine weitere Erforschung des Bodendenkmals auch nicht notwendig seien. Im Gegenteil: Grabungen gingen sogar gegen die Prinzipien des Erhalts von Bodendenkmälern und damit der Denkmalpflege. Das Belassen im Boden ist die beste Möglichkeit, nichts zu zerstören, sind sich die Fachleute einig.

Ergebnisse im Laufe des Jahres

Aktuell laufen die Untersuchungen im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD). Der Fokus der wissenschaftlichen Analyse liegt dabei laut Schmid auf der Auswertung einer Altgrabungs-Dokumentation aus den 1960er-Jahren. „Eine Beurteilung dieser Alt-Dokumentation, die erst jetzt – im Lichte der neuen Entdeckung – interpretiert und ausgewertet werden kann, ist noch im Gange“, teilt Schmid auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung mit. Ergebnisse seien im Lauf des Jahres 2025 zu erwarten.

1000 Jahre schlummerte eine Kultstätte südlich der Tassilo-Linde auf der Fraueninsel im Erdboden

Es gab Spekulationen, dass es sich bei dem achteckigen Sakralbau um das Grab der 866 gestorbenen Seligen Irmengard handeln könne. Das allerdings ist höchst zweifelhaft, die sterblichen Reste der Urenkelin Karls des Großen und Äbtissin von Frauenwörth sind heute in der Klosterkirche zu finden und wurden wohl auch dort bestattet.

An diesen Spekulationen will sich Annemarie Biechl, die Vorsitzende des „Vereins der Freunde der Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth“ nicht beteiligen. Sie findet den Fund höchst interessant und verfolgt das Thema auch. Zur Mitgliederversammlung des Vereins hatte sie zwei Geophysiker eingeladen, die ihr Handwerk und die möglichen Funde erklärten. „Toll, was man mit heutigen Mitteln feststellen kann“, findet Biechl. „In unseren Böden ist wahrscheinlich noch viel zu finden“, vermutet sie.

In einem sind sich die Ehrenlandesbäuerin und der Generalkonservator einig: Der Standort des Sakralbaues am Lindenhain ist ein Kraftort. Ein besonderer Platz. Ein Platz, der die Menschen schon immer berührte. Pfeil ist sicher, dass dort „schon immer etwas war“, man wisse nur nicht was. Dass der höchste Punkt der Fraueninsel etwas Besonderes ist und frei von jeglicher Bebauung bleiben wird, davon geht Biechl fest aus. Bemerkenswert: Ein großes Friedenszeichen, das die Gemeinde Chiemsee mit Blumen auf die freie Fläche gesetzt hatte, lag genau über dem Funkort des romanischen Oktogons.

Wildblumen zeichnen die Grundmauern nach

Heute wachsen Wildblumen neben der Tassilo-Linde und ihren sechs Nachbarlinden. Mit denen haben die Gemeinde und das Landesamt für Denkmalpflege die Grundmauern des über 1000-jährigen Sakralbaus nachgezeichnet. Und so den Sensationsfund für Inselbesucher „sichtbar“ gemacht. Der Rest bleibt der Phantasie überlassen – bis die Wissenschaftler noch mehr herausfinden.

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