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Nach dem Bootsunfall an der Fraueninsel

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön – bis auf dem Chiemsee etwas passiert

Elektroboote auf dem Chiemsee
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Bei Sonnenschein auf dem Chiemsee schippern – ob mit Sonnendach oder ohne – gibt es etwas Entspannteres? Aber bitte die Spielregeln beachten. (Symbolfoto)

150.000 Mal werden in der Saison Boote am Chiemsee gemietet. Steuern darf sie (fast) jeder. Aber nicht jeder kann‘s – oder hält sich an die Spielregeln. Wie die aussehen und was Foulspiel kosten kann.

Prien/Fraueninsel – Jetzt geht es wieder los, die Bootsverleiher rund um den Chiemsee starten so richtig in die Saison. Schätzungen gehen dahin, dass pro Jahr rund 150.000 Wasserfahrzeuge ausgeliehen werden. Das geht nicht immer reibungslos ab.

Wie am vergangenen Sonntag (11. Mai) an der Fraueninsel zu beobachten. Da kam es an einem Steg vermutlich zum Zusammenstoß zweier Boote, eines gesteuert von einer 53-jährigen Frau aus der Region. Noch laufen allerdings die Ermittlungen der Wasserschutzpolizei Prien. Und die gestalten sich etwas schwieriger, als die der Kollegen an Land.

Denn: Eine Straße liegt einfach so in der Landschaft. Kommt es zum Zusammenstoß zweier Fahrzeuge, kann relativ schnell rekonstruiert werden, wer wie wo gefahren ist. Das ist auf dem Wasser anders. „Der See hat Wellengang, da wird‘s schwierig mit ‚hat sie oder hat sie nicht?‘“, sagt Thomas Schmidbauer von der Wasserschutzpolizei Prien. Er und seine Kolleginnen und Kollegen sind viel mehr auf Fotos und auf Beobachtungen von Zeugen angewiesen als die Truppe am Ufer. Wer also am Sonntag gegen Viertel vor zwei an einem privaten Steg auf der Fraueninsel einen Bootsunfall gesehen hat, kann sich gerne bei der Polizei Prien, Telefon 08051/9057-0, melden. Schmidbauer und Kollegen wären sicher dankbar.

Eigentlich, so der Mann von der Wasserschutzpolizei, war es am frühen Sonntagnachmittag vermutlich ein „klassischer Bootsunfall“. Nur die erste Schätzung des Schadens war sehr hoch. Nach ersten Ermittlungen im Zuge eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen die bayerische Schifffahrtsordnung – quasi das Gegenstück zur Straßenverkehrsordnung – war diese aber wohl zu hoch gegriffen. Schmidbauer spricht im Telefonat mit der Chiemgau-Zeitung von einem niedrigen vierstelligen Betrag.

Den wird wohl die 53-Jährige begleichen müssen. „Für (selbstverschuldete) Schäden haftet der Mieter“, so oder ähnlich steht es auf vielen Internetseiten der Bootsverleiher. Auch beim Bootsverleih Stöffl in Prien. Was zu beachten ist, auch das bekommen die Mieter der Boote bei den meisten der rund 30 Verleiher rund um den See schriftlich. „Und natürlich gibt es von uns eine gründliche Einweisung“, versichert Klaus Wappmannsberger, der Chef vom Bootsverleih Stöffl. Nicht nur in die Technik des Bootes, sondern auch ins Verhalten auf dem See.

Ein Grundsatz: „Alle anderen Boote haben Vorfahrt.“ 300 Meter Abstand zu anderen Booten, zum Ufer, zu den Ruhezonen am See und zu den Häfen seien Pflicht. Und gerade im Hochsommer müsse sehr auf Schwimmer geachtet werden. Wappmannsberger hat seine Elektroboote mit Echolot ausgestattet, das warnt, wenn das Wasser unter dem Kiel knapp wird, sprich der Uferbereich zu nahe ist. „Dann schaltet das Boot automatisch in den ersten Gang runter“, erklärt er. Bei einem Vehikel, das ohnehin nur sechs bis acht Kilometer pro Stunde schnell ist.

Dem Chiemseeufer oder den Inseln sollen sich die Mieter von E-Booten eigentlich nicht nähern. Auch den dortigen Stegen nicht. Zu groß ist die Gefahr von Schäden am Boot. Wer ein Boot mietet und irgendwo anlegen will, muss das vorher angeben. Dann gibt es dafür eine eigene Unterweisung, auch beim Bootsverleih Stöffl. Sinnvoll, denn: Boote haben im Gegensatz zu Autos keine Bremse.

Elektroboote wie „Lukas“ sind im Sommer am Chiemsee sehr begehrt

Fast jeder kann ein Boot mieten

Warum die Bootsverleiher so vorsichtig sind? Weil eigentlich jeder, der geschäftsfähig ist, ein Boot mieten kann. Beim Bootsverleih Stöffl bekommen Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene Boote. Ein Bootsführerschein ist nicht nötig. „Wenn wir aber den Eindruck haben, ein potentieller Mieter ist nicht fahrtauglich, dann verweigern wir die Vermietung auch mal“, beschreibt Wappmannsberger die Einstellung der Bootsvermieter rund um den Chiemsee.

Alkohol ist auch auf dem See tabu

Eines ist auf dem See und auf der Straße gleich: Alkohol am Steuer ist tabu. Da sind sich Polizei und Bootsverleiher einig. Was die eine oder andere Truppe, die Junggesellenabschied auf dem See feiern wollte, in Prien, Chieming, Seebruck und anderswo vermutlich schon erfahren musste, wenn sie mit Bierkästen bei einem Bootsverleih auftauchte. Die Promillegrenzen sind übrigens die gleichen wie auf der Straße, erklärt Jürgen Thalmeier, Chef der Polizeiinspektion Prien.

Bootsunfälle, bei denen sich eine Partei aus dem Staub macht, sind auf dem Chiemsee glücklicherweise selten. Schmidbauer spricht von vielleicht zwei oder drei im Jahr, Wappmannsberger hat das in seinen zehn Jahren als Chef des Bootsverleihs Stöffl zum ersten Mal erlebt. Bei ihm hatte die 53-Jährige am Sonntag das Boot gemietet.

Dabei war es in diesem Fall noch nicht einmal „Fahrerflucht“, wie Schmidbauer berichtet: Die Wasserschutzpolizei sei in dem Moment einfach zu beschäftigt gewesen, die Kollegen in Prien hatten Kapazitäten und übernahmen am Ufer die 53-Jährige. Die sich in der nächsten Zeit vermutlich vorwiegend mit den zivilrechtlichen Auswirkungen ihres Ausflugs zur Fraueninsel beschäftigen muss. „Unser Verleih ist haftpflichtversichert“, sagt Wappmannsberger, „aber die Versicherung holt sich wohl das Geld von anderer Seite zurück.“

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