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Bund setzt auf LNG

Preisschock bei Gas? Uniper warnt vor zweistelligen Milliardenkosten bei kaltem Winter

Der verstaatliche Gaskonzern Uniper warnt vor Milliardenkosten für Deutschland, sollten die Gasspeicher nicht ausreichend gefüllt sein – doch das Wirtschaftsministerium widerspricht.

Düsseldorf – Droht Deutschland im Winter ein neuer Energiepreisschock? Der staatliche Energiekonzern Uniper hält das nicht für ausgeschlossen. Eine von Uniper beauftragte Studie des Beratungsunternehmens Frontier Economics beziffert den möglichen volkswirtschaftlichen Schaden auf bis zu 40 Milliarden Euro.

Energiepreisschock im Winter? Uniper warnt vor geringen Speicherständen und Milliardenschäden

Dieses Szenario könnte eintreten, wenn die Gasspeicher in Nordwesteuropa nur zu 75 Prozent gefüllt sind und zusätzlich eine Kälte- beziehungsweise Angebotsschieflage eintritt. Als konkretes Beispiel nannte die Studie etwa unterbrochene Lieferungen von Pipelinegas aus Norwegen oder Ausfälle der Flüssiggas-Zufuhr (LNG) aus den USA. Ein Temperaturabfall von 2,2 Grad, wie es ihn im ersten Quartal des Jahres 2010 in Deutschland gegeben habe, kann demnach bereits ausreichen. Als Folge drohten niedrige Füllbestände in Deutschland und höhere Energiepreise, was sich im Szenario der Frontier-Analyse anschließend negativ auf die Kaufkraft, Konsum sowie Investitionen im Land auswirken würde.

Gasspeicher von Uniper zählen zu den größten des Landes.

In einer weiteren Modellrechnung beziffert die Analyse die potenziellen Verluste auf 14 Milliarden Euro, sollte Deutschland seine Reserven näher an 90 Prozent halten. Laut der Studie würden diese beiden Füllmengen den „Unterschied zwischen Stabilität und Rezession ausmachen“. Uniper-CEO Michael Lewis sieht Deutschland „ohne volle Speicher“ sogar verwundbar.

BMWK setzt auf LNG-Flexibilität, Uniper warnt vor Unterhaltskosten und Versorgungslücken

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) von Katherina Reiche (CDU) sieht im aktuellen Füllbestand von 76 Prozent zum jetzigen Zeitpunkt dagegen einen zusätzlichen Stabilisator für die Versorgungslage in Deutschland. Eine BMWK-Sprecherin verwies gegenüber der Welt zudem auf flexible LNG-Importe und ein ausreichendes Angebot am Weltmarkt.

Doch warum warnt der verstaatliche Konzern Uniper dann trotz aller Sicherheitsgarantien der Bundesregierung vor einem Krisenszenario? Die Antwort könnte in den großen Gasspeichern selbst liegen, die Deutschlands größter Betreiber das gesamte Jahr über wirtschaftlich unterhalten muss.

Probleme bei Großgasspeicher in Rehden und Breitbrunn: Spread-Erlöse werden nicht mehr gedeckt

Durch die neue Flexibilität der Gasversorgung sank zuletzt die Nachfrage von Speicherkapazität. Beim Großspeicher Rehden, der von SEFE Storage betrieben wird, blieben zuletzt wiederholt Kapazitäten unvergeben. Ähnlich verhält es sich bei Unipers Speicher Breitbrunn, der mit 11,5 TWh Gasvolumen einer der größten des Landes ist. Der Konzern hat zum 31. März die Stilllegung beantragt. Aktuell prüft die Bundesnetzagentur den Vorgang. Per Gesetz dürfen derartige Großspeicher nur wegfallen, wenn sich daraus keine nachteilige Auswirkung auf die deutsche oder EU-weite Versorgungssicherheit ergeben. Für die Betreiber rechnen sich die Speicher allerdings nicht mehr: Laufende Fixkosten aus Betrieb, Instandhaltung und gebundenem Gas decken immer seltener die Spread-Erlöse.

Russischer Angriffskrieg auf Ukraine hat alles verändert – Betrieberfirmen fordern neue Strategie

Dass Deutschland eine schwierige Befüllungs-Saison erlebte, ist zudem längst kein Geheimnis mehr: Die 76-prozentig gefüllten Gasspeicher wirken angesichts der 95 Prozent im Vorjahr zum selben Zeitpunkt durchaus bedrohlich. Der vergangene Winter hat die Reserven nahezu aufgebraucht.

Die zu Zeiten von billigem Gas aus Russland gültige Regel, „billig im Sommer einspeichern und im Winter teurer ausspeichern“, hat allerdings seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und dem damit verbundenen Lieferstopps von billigem Gas ausgedient. Einfach gesagt: Es fehlt heute die Preisdifferenz zwischen Sommer und Winter. Teils war der Sommer sogar teurer als der folgende Winter. Im Winter 2024/25 lag der Abstand im Schnitt bei rund minus 2,75 Euro je Megawattstunde.

Deutschland senkt Füllstand-Zielmarke herab – auch weil Obergrenzen die Preise treiben

Damit lohnt sich Einspeichern für die Betreiber um Uniper während der warmen Monate kaum. Das frühere Geschäftsmodell gerät so unter Druck. Hinzu kommen politische Vorgaben: Die EU pocht bis zum 1. Dezember auf einen 90-prozentigen Füllbestand – doch dieser Hebel hob zuletzt die Sommerpreise an. Daraus entsteht besagter negativer Sommer-Winter-Spread. Deutschland hat für 2025 die nationale Zielmarke auf 80 Prozent bis 1. November abgesenkt. Auch weil die Strategie der Bundesregierung längst diversifizierter ist. Mittlerweile sind die vier schwimmenden LNG-Terminals an den deutschen Küsten in Betrieb. Das erhöht die Flexibilität in der Gasversorgung.

INES warnt vor Kältewelle wie 2010: Was ein Extremwinter für Entnahmen und Netze bedeutet

Kritik an dieser Strategie kommt dagegen vom Branchenverband Initiative Energien Speichern (INES). Bereits im Juli hatte dieser davor gewarnt, dass eine vollständige Befüllung der Gasspeicher bis zum 1. November technisch nicht mehr möglich sei. Zudem könnten die Speicher bei einem sehr kalten Winter bis Ende Januar weitgehend leer sein. Im September-Update bekräftigte INES diese Einschätzung nochmals. Genau wie die Frontier-Analyse bezog sich der Verband bei dem Szenario auf die kalten Temperaturen aus dem Winter 2010. Laut dem Verband hängt die deutsche Gasversorgung im Winter teilweise bis zu 60 Prozent an den Speichern. Sie zählen zu den viertgrößten im Untergrund weltweit und stellen rund ein Viertel der EU-Kapazität: Dadurch wirken sie kurzfristig wie ein Puffer gegen Nachfragespitzen sowie Lieferstörungen und verhindern – im schlimmsten Szenario – Lastabschaltungen.  

Frankreichs CRE-Modell als Vorbild? Auktion plus Einnahmesicherung statt Spread-Lotterie

Die vom INES-Mitglied Uniper in Auftrag gegebene Studie bricht nahezu zeitgleich in die Debatte rund um Breitbrunn herein. Rein faktisch macht sie den volkswirtschaftlichen Nutzen hoch gefüllter Speicher messbar und erhöht damit auch den politischen Druck für einen stabilen Anreiz- und Vergütungsrahmen – ähnlich dem französischen Modell, das Erlöse garantiert und Kostenlücken systemisch deckt. Frankreich sichert seine Speicher über ein Regelsystem ab. Die staatliche Regulierungsbehörde CRE legt zugelassene Erlöse fest und Speicher werden weiter per Auktion vermarktet. Reichen die Auktionserlöse nicht, wird die Lücke über einen Zuschlag im Netzentgelt gedeckt.

Deutschland streicht Gas-Speicherumlage – und ringt mit neuen Subventionsprodukten und Marktanreizen

Kommt es zu Überschüssen, werden diese zurückgegeben. Im Gegenzug müssen Betreiber Verfügbarkeit sicherstellen. Das Ergebnis sorgt auch bei schwachen Spreads für planbare Wirtschaftlichkeit. In Deutschland blickt man bisweilen neidisch auf dieses Modell. Hierzulande existiert zwar die Gas-Speicher-Neutralitätsumlage, die unter anderem Käufe und Verkäufe von Deutschlands Marktgebietskoordinator Trading Hub Europe (THE) finanziert, damit gesetzliche Füllziele erreicht werden. Doch aufgrund des geringen Nutzens für die Gasspeicher-Betreiber hat die Bundesregierung das Ende der Speicher-Umlage ab 2026 beschlossen.

Für weitergehende Maßnahmen berät sich die Bundesregierung seit mehreren Monaten mit der Bundesnetzagentur über Subventionsprodukte, die eine Befüllung auch bei fehlenden Marktanreizen gewährleisten könnten – der Ausgang ist allerdings noch offen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon

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