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Mutmaßlicher Energie-Missbrauch

Ausgleich für hohe Gaskosten: Neue Umlage für Verbraucher kommt – „war absehbar“

Die Bundesnetzagentur untersucht mögliche Manipulation im Gasmarkt. Theorien über eine weitere Umlage kursieren. Nun haben sich die Befürchtungen bewahrheitet.

Update vom 14. August, 17.46 Uhr: Verbrauchern droht eine neue Umlage aufgrund ungewöhnlicher Aktivitäten am Gasmarkt. „Vor dem Hintergrund der derzeit hohen Konvertierungsmengen in der Konvertierungsrichtung L-Gas nach H-Gas und des daraus resultierenden Regelenergiebedarfs wird die Konvertierungsumlage auf 0,18 EUR/MWh festgelegt“, schrieb die Trading Hub Europe GmbH (THE) in einer Pressemitteilung vom 14. August. Die Umlage soll ab 1. Oktober 2025 gelten.

Energieexperte Matthias Janssen hat dies infolge der mutmaßlichen Manipulation am Gasmarkt kommen sehen. „Die entsprechende Bundesnetzagentur-Festlegung (Konni Gas 2.0) sieht nicht vor, dass BKV (Bilanzkreisverantwortliche) für die von Ihnen verursachte Konvertierung von L- zu H-Gas durch ein Konvertierungsentgelt belangt werden. Das ist nur in die andere Richtung (H- zu L-Gas) möglich“, erklärte Janssen gegenüber unserer Redaktion. „Daher war absehbar, dass THE eine (von allen Verbrauchern zu zahlende) Konvertierungsumlage erheben muss.“

Erstmeldung vom 14. August, 15.24 Uhr: Berlin – Laut Angaben der Bundesnetzagentur hat es möglicherweise einen Fall von Marktmanipulation am Gasmarkt gegeben. Dabei sind hohe Kosten entstanden. Aufgrund dessen könnte eine Umlage erhoben werden, welche Verbraucherinnen und Verbrauchern zur Last fallen könnte. Die Bundesnetzagentur hält die Einführung einer sogenannten „Konvertierungsumlage“ für „nicht unwahrscheinlich.“

Mögliche Manipulation auf dem Gasmarkt – neue Umlage droht

In dem Manipulationsfall, über den unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, soll es um eine mögliche überflüssige Umwandlung von L-in H-Gas gehen. Low calorific gas (L-Gas) und High calorific gas (H-Gas) sind die zwei vorhandenen Erdgasarten in Deutschland und unterscheiden sich in ihren Brennwerten. H-Gas verfügt über einen höheren Energiegehalt als L-Gas. Ungefähr ein Viertel der deutschen Haushaltskundinnen und -kunden wird laut Angaben der Bundesnetzagentur mit L-Gas versorgt. Bis 2029 soll in den Netzgebieten in Deutschland das L-Gas schrittweise durch H-Gas ersetzt werden.

Die Bundesnetzagentur untersucht den Verdacht auf Manipulation auf dem Gasmarkt. Theorien über eine weitere Umlage kursieren.

Verantwortlich für das ausgewogene Verhältnis zwischen L-und H-Gas ist das Unternehmen Trading Hub Europe (THE). Gibt es zu viel von einer oder von der falschen Gasart, kommt die sogenannte Regelenergie zum Einsatz. Diese Energieleistung bzw. Reserveenergie gleicht mögliche Schwankungen im Stromnetz wieder aus. Dabei wird der Strom entweder schneller eingespeist, oder es wird weniger Strom verbraucht, damit kein Überschuss entsteht. Die Regelenergie wird nicht an der Börse gehandelt, da es einen eigenen Markt dafür gibt.

Umstellung von L-Gas auf H-Gas – wer ist bis 2029 betroffen?

Die schrittweise Umstellung der Gasversorgung von L-Gas auf H-Gas mit höherem Energiegehalt betrifft rund 4,3 Millionen Verbraucher, Wohnungsbaugesellschaften, Unternehmen und Gewerbetreibende mit gasbetriebenen Geräten. Folgende sechs Bundesländern sind betroffen: Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Hessen. In den meisten Bundesländern sind nur Teilgebiete betroffen. In allen nicht genannten Bundesländern werden die Gaskunden bereits mit H-Gas versorgt.

Umstellung auf Gas verursacht offenbar Kosten, die Verbraucher schultern sollen  

Bereits jetzt ist eine gewisse Balance beider Gasarten auf dem Markt vorgesehen, damit die Umstellung auf H-Gas langfristig gelingen kann. Das Problem: In den letzten Monaten fand laut der F.A.Z. zwischen Mitte Mai und Juli 2025 im sehr großen und teuren Umfang eine Umstellung von L-Gas in H-Gas statt. Die Kosten sollen sich auf etwa 60 Millionen Euro belaufen und könnten laut Experten auf die Verbraucher umgelegt werden. Matthias Janssen vom Beratungsunternehmen Frontier Economics. „Wenn die Kosten der THE für die Konvertierung dauerhaft hoch bleiben, werden diese auf die Verbraucher umgelegt werden müssen.“ Die Bundesnetzagentur geht nun Hinweisen nach, dass die umfangreiche Gas-Umwandlung systematisch ausgenutzt wurde.

Nach eigenen Angaben hat die THE „ein ungewöhnliches Nominierungsverhalten einiger Bilanzkreisverantwortlicher festgestellt, das entsprechende Regelenergieaktivitäten seitens THE verursacht hat“. Bilanzkreisverantwortliche, zu denen mitunter große Energieversorger gehören, sind verantwortlich für eine Balance zwischen Einspeisungen und Entnahmen im jeweiligen Mengenkonto.

Neue Umlage für Verbraucher wegen Gas-Umwandlung? Bundesnetzagentur leitet Verfahren ein

Es besteht nun der Verdacht, dass einzelne BKV bewusst große Mengen an L-Gas anmeldeten. Dadurch musste THE größere Mengen an H-Gas kaufen als benötigt, und das überflüssige L-Gas verkaufen. Später sollen die BKVs wieder ihr zu viel angemeldetes L-Gas reduziert haben. Mögliches Ziel könnte gewesen sein, günstigeres L-Gas zu beziehen und es durch THE wieder in H-Gas umwandeln zu lassen.

Einem Sprecher der Netzagentur zufolge hat die Behörde inzwischen „Ermittlungen gegen verschiedene Bilanzkreisverantwortliche eingeleitet“. Zudem seien weitere lokale Regulierungsbehörden hinzugezogen worden, auch die europäische Behörde ACER wurde in Kenntnis gesetzt, da die Bilanzkreisverantwortlichen aus unterschiedlichen Staaten stammten. (bohy)

Rubriklistenbild: © Bihlmayerfotografie/Imago

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