Positiver Trend bei Befüllung
Gasspeicher in Deutschland: Energieversorgung mit 75 Prozent Füllstand
Füllstand von 75 Prozent in deutschen Gasspeichern - Experten zeigen sich beunruhigt: Extreme Kälte könnte bis Ende Januar 2026 alle Vorräte aufzehren.
Berlin – Die Befüllung der deutschen Gasspeicher ist nach Einschätzung der Speicherbetreiber auf einem guten Weg, wie aus einer aktuellen Meldung hervorgeht. Der aktuelle Füllstand liege bei 75 Prozent, teilte die Initiative Energien Speichern (Ines) in Berlin mit. Mit den gebuchten Kapazitäten lasse sich bis zum 1. November ein Füllstand von 81 Prozent erreichen. Dieser Füllstand biete im Winter bei normalen bis warmen Temperaturen eine sichere Gasversorgung, so die Einschätzung der Experten.
Bei extrem kalten Temperaturen sieht der Verband allerdings weiterhin „deutliche Risiken“. Ursache dafür sei zum einen ein höherer Gasverbrauch, der in den vergangenen zwei Monaten zu beobachten gewesen sei. „Zum anderen schreitet die Befüllung der Gasspeicher in anderen europäischen Ländern langsamer voran, was den positiven Effekt höherer deutscher Füllstände aufhebt“, erklärte die Initiative Energien Speichern gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Deutschlands Energie Speicherkapazität: Warnung vor vollständiger Entleerung bereits im Januar
Sollte das Extremwetter-Szenario eintreten, würden die Speicher in Deutschland bereits Ende Januar 2026 vollständig entleert, warnt Ines laut Bericht. „Die derzeitigen Verbrauchsmuster könnten in einem solchen Szenario nicht mehr vollständig gedeckt werden“, betonte der Verband eindringlich. Trotz verbesserter Speichersituation bleibe die deutsche Gasversorgung vulnerabel.
Zur Einordnung: Die deutschen Gasspeicher haben eine Gesamtkapazität von etwa 230 bis 255 Terawattstunden. Bei dem aktuellen Füllstand von 75 Prozent entspricht dies einer verfügbaren Gasmenge, die Deutschland bei normalem Winterverbrauch für etwa zwei bis zweieinhalb Monate versorgen könnte, wie Experten der Bundesnetzagentur erläutern. Allerdings ist Deutschland nicht allein auf die Speicherreserven angewiesen, sondern erhält kontinuierlich Gaslieferungen aus verschiedenen Quellen.
Deutsche Gasspeicher: Gesetzliche Mindestanforderungen vorzeitig erreicht
Gas-Großhändler nutzen Speicher strategisch, um günstig eingekauftes Erdgas zu einem anderen Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen – zum Beispiel im Winter, wenn der Bedarf besonders groß ist. Eine Verordnung schreibt vor, dass die Speicher am 1. November einen durchschnittlichen Füllstand von insgesamt rund 70 Prozent aufweisen müssen. Diese gesetzliche Vorgabe war bereits Ende August erreicht worden und liegt damit deutlich vor dem vorgeschriebenen Zeitplan. Im Saldo steigt der Füllstand in Deutschland seit dem 9. Juli durchgehend, wie aus den verfügbaren Daten hervorgeht.
Der stetige Anstieg gibt den Verantwortlichen Zuversicht für die kommende Heizperiode. Deutschland erhält das meiste Erdgas über Pipelines aus Norwegen, Niederlanden und Belgien. Diese Diversifizierung der Bezugsquellen hat sich seit dem Russland-Ukraine-Konflikt als wichtiger Stabilitätsfaktor für die deutsche Energieversorgung erwiesen. Über die deutschen LNG-Terminals kamen am Montag, dem 15. September 2025 laut Bundesnetzagentur 15 Prozent der importierten Gesamtmenge ins Land. Der Ausbau der LNG-Infrastruktur trägt zusätzlich zur Versorgungssicherheit bei und reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Lieferrouten.
Energiepolitische Einordnung: Systemische Herausforderungen der Energiewende
Die aktuelle Gasspeichersituation fügt sich in die größeren Herausforderungen der deutschen Energiewende ein. Laut dem aktuellen Monitoringbericht zum Start der 21. Legislaturperiode des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) und der BET Consulting GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bestehen „zahlreiche starke Interdependenzen“ zwischen den verschiedenen Bereichen der Energiewirtschaft.
Die Gasversorgung steht dabei in direktem Zusammenhang mit der Versorgungssicherheit, die laut Gutachten „maßgeblich von der Entwicklung der Nachfrage, der steuerbaren Kapazitäten und von Flexibilitäten sowie deren systemischer Interdependenz“ abhängt. Ein „Ausbau gesicherter Leistung sowie eine Erhöhung von Flexibilitäten bleibt unabhängig von der Nachfrageentwicklung zentral und ist zur Aufrechterhaltung des definierten Versorgungssicherheitsstandards erforderlich“, heißt es in der Analyse. (ls/dpa)
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