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Peso gerät unter Druck

USA schnüren Hilfspaket für Argentinien: Trump lässt Milei nicht hängen

Argentiniens Peso-Absturz bedroht Javier Mileis Regierung. Donald Trump interveniert und mobilisiert umfassende US-Finanzhilfen zur Stabilisierung.

Washington/Buenos Aires – Eine derartige Zusage seitens der USA ist dieser Tage selten: US-Finanzminister Scott Bessent kündigte auf X an, dass das US-Finanzministerium (USTreasury) „im Rahmen seines Mandats“ finanzielle Stabilisierungshilfe für Argentinien prüfe. Adressat ist die dortige Regierung um den Präsidenten Javier Milei.

Argentiniens Peso wankt – warum die USA jetzt eingreifen und Mileis Kurs dennoch auf der Kippe steht

Nach einem Sommer wachsender Marktpanik steht der Peso erheblich unter Druck: Weil der offizielle Kurs zuletzt knapp unter der Obergrenze von 1.475 Pesos je US-Dollar feststeckte, stützte die Zentralbank (BCRA) mit Dollarverkäufen. Allein am Freitag, 19. September, setzte so die BCRA 678 Millionen US-Dollar ein – der größte Tagesverkauf seit fast sechs Jahren. Und auch an den Vortagen flossen jeweils mehrere hundert Millionen US-Dollar, also keine Eintagsfliege, sondern eine wahre Serie gegen den Kursdruck.

Ein Hoch auf Milei? Die USA unterstützen Argentinien in der derzeitigen Schieflage – und erkaufen dem Land Zeit.

Die Netto-Devisenreserven – also das tatsächlich verfügbare Dollar-Polster – sind auf unter 20 Milliarden US-Dollar geschrumpft. Je knapper dieses Polster, desto größer die Sorge, ob Importe und Schuldendienst bezahlt werden können – das treibt die Dollar-Nachfrage hoch und setzt den Peso zusätzlich unter Druck. Dennoch kündigte Wirtschaftsminister Luis Caputo an, die Reserven „bis zum letzten Dollar“ einzusetzen, um den Peso zu stützen.

Was die USA konkret planen: Swap-Linien, Devisenkäufe, Anleihenkäufe – Hilfe auf Zeit, mit wenig Kontiuität

Genau hier setzen die nun avisierten US-Hilfen an: Sie sollen die Dollar-Knappheit mithilfe von Swap-Linien lindern, Panik bremsen – und der Zentralbank Zeit verschaffen. Swap-Linien sind sozusagen ein Notfall-Schlauch für Dollars: Die USA leihen der argentinischen Zentralbank vorübergehend Dollar und bekommen dafür Pesos – mit einem festen Rücktauschtermin. So entsteht sofortige Dollar-Liquidität, ohne dass Buenos Aires täglich seine ohnehin schon knappen Reserven verheizen muss. Diese direkten Devisenkäufe wirken wie Stützkäufe am Wechselkurs: Sie dämpfen den Akutdruck, verkleinern die Lücke zwischen offiziellem Kurs und Schwarzmarkt – und senken den Abfluss aus den Reserven.

Zusätzlich will Bessent mit ESF-Anleihekäufen ein weiteres Sicherheitsnetz für die argentinischen Staatsanleihen spannen: Der US-Stabilisierungsfonds tritt dabei als Käufer auf, drückt die Renditen und erleichtert Argentiniens Refinanzierung in US-Dollar. Der Vorteil bei diesem Weg: Mehr Dollar-Luft und ein sichtbares Vertrauenssignal an die Märkte.

Argentiniens Problem mit dem Schwarzmarkt – IWF-Ziele zu Nettoreserven werden verfehlt

Dennoch erkauft sich Argentinien damit nur mehr Zeit – nachhaltig wird es nur mit einem langfristigen Reservenaufbau und einer klaren Wechselkurs-Strategie. Bleiben der offizielle und der Schwarzmarktkurs weiterhin unterschiedlich, droht der nächste Abwertungsschock: Bevölkerung wie Investoren schaffen den Dollar am Staat vorbei in den Schwarzmarkt, sodass die Preise verzerrt bleiben und die Reserven weiter schmilzen.

Erst ein einheitlicher Kurs entzieht dem Schwarzmarkt die vertrauensbildende Leitfunktion. Gefragt sind also Transparenz, Reservenaufbau und das Erreichen der IWF-Reserveziele, sonst bleibt der Dollar-Backstop nur eine Atempause. Genau letzteres ist der Milei-Regierung allerdings zuletzt nicht gelungen: Die Zwischenziele des Internationalen Währungsfonds (IWF) zum Aufbau der Nettoreserven wurden verfehlt: Der Fonds meldete „erhebliche Reservenverluste bei nur begrenzten Rückflüssen“.

Milei vor Treffen mit Trump – USA haben Interesse an verbündeten Gegenpol zu Brasiliens Lula

Für Dienstag ist zudem ein Treffen von Präsident Donald Trump und Finanzminister Bessent mit Präsident Milei in New York angekündigt. Details zum Hilfspaket sollen im Anschluss veröffentlicht werden. Aus Sicht Washingtons geht es um zweierlei: Einem strategisch wichtigen Verbündeten in Lateinamerika kurzfristig Stabilität gewähren und Mileis Kurs aus Haushaltsdisziplin und wachstumsfördernden Reformen mittelfristig zu stützen.

Dieser Kurs soll so das Feld für private Investitionen öffnen. Argentinien als starke und stabile Regionalmacht soll zudem ein wichtiger Gegenpol zu Brasiliens eher linker Regierung um Präsident Lula da Silva sein. Das Verhältnis Brasiliens zu den USA war zuletzt aufgrund hoher US-Zölle und der Verhaftung des Ex-Präsidenten durch die brasilianischen Behörden und Trump-Freund Jair Bolsonaro deutlich abgekühlt.

Mileis Plan im Stresstest: Abwertung, Steuerung, Privatisierungen – und die Grenzen der Dollar-Knappheit

Milei gilt dagegen als Fan von Trump: Beide setzen auf eine harsche Rhetorik, einen fast schon narzisstischen Personenkult und eine starke Social-Media-Mobilisierung.

Nach seinem Amtsantritt 2023 ließ Milei den Peso einmalig um rund 50 Prozent abwerten, schaffte es aber mangels Reserven nicht, den US-Dollar vollends als offizielle Landeswährung einzuführen – und hält seither am von der Zentralbank stark gesteuerten Kurs fest. Parallel setzt er auf Privatisierungen, den radikalen Abbau des Staatsapparats mit tausenden Entlassungen, eine Amnestie für Schwarzgelder und die Aufhebung von Exportzöllen auf Getreide, um Devisen anzulocken. Doch die Kritik an dem neoliberalen Kurs Mileis ist groß: Gegen Mitglieder der Regierung kursieren Korruptionsvorwürfe, darunter auch gegen Mileis Schwester Karina. Aus Protest verließen zuletzt mehrere Mitglieder die Regierungsfraktion.

Wiederholt sich die Geschichte? Weshalb ein künstlich starker Peso oft in einem harten Absturz mündet

Vor allem aber warnen Ökonomen vor einer Menem-Konstellation: Wenn ein Land die Inflation vor allem dadurch drückt, dass es den Peso künstlich stark hält, wird die Währung mit der Zeit überteuert. Die Importe wirken dann zu billig und Exporte verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Die echten Dollar fließen dann aus dem offiziellen System ab, während die Reserven stetig ausdünnen.

Hält dieser Zustand länger an, kippt das Gleichgewicht irgendwann abrupt: Der Peso muss kräftig abgewertet werden, die Preise ziehen wieder an, und der vermeintliche Aufschwung entpuppt sich als trojanisches Pferd. Genau dieses Risiko wächst, solange die Reserven knapp sind, der Schwarzmarkt aufgrund des besseren Kurses den Takt vorgibt und dauerhafte Kapitalzuflüsse ausbleiben.

IWF lobt fiskalpolitische Vernunft Mileis und pumpt Milliarden in den Staat – auch auf Druck Trumps?

Trotzdem stellt der IWF Milei kein rein schlechtes Zeugnis aus: Haushaltsseitig stimmt die Richtung. Ohne die Zinslast erzielt der Staat grundsätzlich ein Plus, zudem stoppt die Zentralbank die Budgetfinanzierung über frisch gedrucktes Geld, was ein wichtiger Dämpfer für die Inflation darstellt. Darüber hinaus baut Milei im großen Stil staatliche Stellen ab, doch die Kern-Sozialprogramme sind vorerst als Schutzschiene bestehen geblieben. Das bedeutet konkret: Der Staat lebt nicht über seine Verhältnisse, bläht die Geldmenge nicht künstlich auf und schneidet die soziale Grundsicherung nicht ab – genau jene Kombination, die der IWF als Stabilitätssignal erwartet. Vordergründig hat der IWF wegen dieser fiskalischen Disziplin zuletzt 20 Milliarden US-Dollar und Anfang August weitere 2 Milliarden US-Dollar für Argentinien freigegeben.

Blick nach vorn: US-Backstop kann Zeit kaufen – und das Land für Zwischenwahlen auf Hochglanz bringen

Doch Kritiker sehen in der Maßnahme vielmehr das Resultat daraus, wenn ein US-Präsident Druck auf eine internationale Institution ausübt. Ein ähnliches Szenario spielte sich bereits 2018 ab, als der damalige Präsident Argentiniens Mauricio Macri ebenfalls Milliardenkredite vom IWF erhielt. Auch damals war den Regierenden in Buenos Aires das Wohlwollen des US-Präsidenten sicher. Dieser hieß damals wie heute Donald Trump. Macris Finanzpolitik scheiterte in der Folge kläglich. Für Milei stehen nun im Oktober wichtige Parlamentswahlen an, sie entscheiden über die Mehrheit im Kongress. Bis dahin kann der argentinische Präsident das Land mit US-Unterstützung auf Hochglanz bringen – zumindest vorübergehend.

Rubriklistenbild: © Lucas Vinicius Correia/dpa

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