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Frühstart-Rente
Renten-Knall: Banken kritisieren Merz-Pläne – „werden nicht ausreichend sein“
Finanzexperten monieren: Die Merz-Regierung formuliert die Frühstart-Rente „zu zaghaft“, sie werde „nicht ausreichend“. Was vermissen Fachleute bei der privaten Vorsorge?
Frankfurt – Die Rente ist eine zentrale Baustelle der Regierung von Friedrich Merz, doch große Reformen sind zunächst nicht geplant. Statt einer Neuaufstellung des Systems wählt die schwarzrote Koalition kleine Schritte – und setzt mit der Stabilisierung des Rentenniveaus (SPD) und der Ausweitung der Mütterrente (CSU) Wahlversprechen um. Das Rentenalter bleibt unangetastet, hier soll es die Freiwilligkeit regeln. Die private Altersvorsorge geht die Regierung über die Frühstart-Rente und eine Reform der umstrittenen Riester-Rente an.
Merz-Pläne zur Rente „zu zaghaft“: Ökonom sieht richtige Schritte, doch Förderung ist „zu gering“
Doch die Renten-Pläne der Regierung unter Kanzler Merz reichen nicht. „Die bisherigen Überlegungen zur Reform der Altersvorsorge sind zu zaghaft“, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank zu IPPEN.MEDIA. „Die Frühstart-Förderung für sehr junge Menschen ist eine gute Idee, denn bei jungen Menschen ist der für den Vermögensaufbau so wichtige Faktor Zeit reichlich vorhanden“, räumt er ein. „Der Umfang dieser Förderung ist jedoch zu gering.“
Katers Kritik ist dabei beispielhaft für viele Banken. Zusammengeschlossen im Verband der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) haben die Finanzinstitute die bisherigen Pläne kritisiert. „Die derzeit für die Frühstart-Rente geplante monatliche Einzahlung von zehn Euro wird nicht ausreichend sein, um langfristig spürbare Effekte zu erzielen“, zitiert der Verband Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken.
Bei Reform der privaten Altersvorsorge bleiben Ältere bisher außen vor
Der Banken-Interessenverband schlägt vor, das geförderte kapitalgedeckte Altersvorsorgedepot im Rahmen der Frühstart-Rente bereits ab dem ersten Lebensjahr zu fördern. „Ergänzend dazu braucht es die Möglichkeit freiwilliger Zusatzbeiträge durch Eltern oder Angehörige, um den Kapitalaufbau gezielt zu stärken“, so Herkenhoff laut Mitteilung.
Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering
Deka-Chefökonom Kater kritisierte gegenüber IPPEN.MEDIA zudem, dass Menschen außen vor bleiben, „die heute eben nicht mehr ganz jung sind“. Denn der Koalitionsvertrag sieht dabei lediglich vor, das Depot für Kinder und Jugendliche zwischen dem sechsten und 18. Lebensjahr einzurichten.
Banken hoffen auf weniger Regulierung der privaten Renten-Vorsorge
„Im Grunde geht es darum, allen Menschen den Aufbau von Vermögen zu erleichtern“, erklärte Kater mit Blick auf die Renten-Vorsorge. „Hierfür bietet sich das Instrument der steuerlichen Förderung von breit gestreuten Anlagen, wie es das Konzept des Altersvorsorge-Depots vorsieht, geradezu an.“
Die Förderung „sollte vor allem einfach ausgestaltet sein, also nicht wieder in bürokratische Prozesse, Auflistungen und Berichtspflichten bei der Kapitalanlage ausarten“, so Kater. Dabei könnten sehr Kriterien der Förderungswirksamkeit formuliert werden, „die etwa spekulative Anlageformen ausschließen“. Die bisher verlangte Garantie von Einzahlungen sei nicht notwendig, „denn bei langen Anlagezeiträumen in breit gestreuten Kapitalmarktanlagen“ sei der „Wertzuwachs sicher genug“. Der Deka-Ökonom regte dabei an, Anreize für lange Anlagehorizonte zu schaffen. „Auf diese Weise kann der Zinseszinseffekt eine spürbare Entlastung für die staatlichen Altersvorsorgesysteme in den kommenden Jahrzehnten sein.“
Auf weniger Regulierung hofft auch die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) bei der Reform der Riester-Rente. Union und SPD wollen sie in ein „neues Vorsorgeprodukt“ überführen und von „bürokratischen Hemmnissen befreien“. Konkret geht es dabei um den „Verzicht auf zwingende Garantien“. Laut DK verbessere es die „Renditechancen deutlich“. Es sei nötig, die bisher komplizierte Förderung „grundlegend zu vereinfachen“.
Sozialverband will private Vorsorge neu denken – über freiwillige Beiträge in gesetzliche Rente
Angesichts der Reformdebatte um die Rente fordert der Sozialverband Deutschland (SoVD) dagegen eine Stärkung der gesetzlichen Rente, die auch Selbstständige, Beamte und Abgeordnete einbeziehen soll. „Wer hingegen ausreichend Mittel übrig hat, kann selbstverständlich gerne zusätzlich privat vorsorgen“, sagte Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier IPPEN.MEDIA. „Aber daran verdienen die Versicherungsanbieter gehörig mit.“
Engelmeier hat einen anderen Vorschlag, wie Versicherte zusätzlich für die Rente vorsorgen können. „Die Möglichkeit, freiwillig mehr Beiträge in die gesetzliche Rente einzuzahlen, könnte dagegen ein guter ergänzender Ansatz der Altersabsicherung sein.“ Derzeit sei es „leider nicht ohne weiteres möglich, über die Pflichtbeiträge hinaus zusätzliche Beiträge in die gesetzliche Rente einzuzahlen“. Es könne jedoch eine „gute Alternative zur kapitalgedeckten Altersvorsorge sein, die auch die finanzielle Basis der gesetzlichen Rente gerade in der Phase der geburtenstarken Jahrgänge abfedern könnte“.