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„Wird dann erstmal teurer“

Regierung will den Strompreis senken – Experten warnen bereits vor der nächsten Kostensteigerung

Das Strompreispaket soll Privathaushalte und Wirtschaft entlasten. Im Hinblick auf den Netzausbau könnte es „erstmal teurer werden“, sagt ein Experte.

Berlin/Köln – Verbraucher und Unternehmen sollen beim Blick auf die Stromrechnung wieder aufatmen können. So die Pläne von Kanzler Friedrich Merz und der Bundesregierung. Die Entscheidung fällt vor der Sommerpause des Bundestages, in der Sitzung am 11. Juli: Die Stromsteuer soll dem europäischen Mindestmaß entsprechen und Netzentgelte gesenkt werden. Eine Studie des Instituts des Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, wie viel etwa eine vierköpfige Familie einsparen könnte. Keine Entwicklung für die Ewigkeit, warnt ein Experte. Denn Investitionen in den Netzausbau, so wie sie ebenfalls von der Regierung geplant sind, werden beim Verbraucher abgerechnet.

Merz will den Strompreis senken – Experten warnen schon vor der nächsten Kostensteigerung

Aktuell zahlen Privathaushalte 2,05 Cent pro kWh an Stromsteuer. Zukünftig wären es nur noch 0,1 Cent. Zudem sollen unterschiedliche Umlagen abgeschafft werden. „Viele Verbrauchergruppen würden diese Maßnahmen bereits deutlich entlasten“, heißt es in der Studie. Die Rechnung des Instituts: Wird das Paket eins zu eins umgesetzt, sparen Verbraucherinnen und Verbraucher 5,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Eine Ersparnis von etwa 220 Euro jährlich für eine vierköpfige Familie mit einem Verbrauch von 4.000 kWh.

Als „Schritt in die richtige Richtung“ werden die geplanten Maßnahmen in der Studie bezeichnet. Doch merkt das IW ebenfalls an, dass mit dem Plan auch eine Finanzierung durch den Bundeshaushalt einhergeht. Dabei schätzt die Studie die Kosten auf etwa 21 Milliarden Euro.

Das Strompreispaket der Bundesregierung soll Verbraucher entlasten.

Netzwerkausbau und Bau von Gaswerken könnte länger als fünf Jahre dauern

Thilo Schaefer sieht eine weitere Preisentwicklung der Stromkosten auf Wirtschaft und Privatverbraucher zukommen. Schaefer ist Experte für Energie und Klimapolitik am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Grundsätzlich seien das Strompreispaket und andere Regierungs-Pläne, wie etwa den für 40 neue Gaskraftwerke in fünf Jahren, „eine gute Sache“, sagt er dem Münchner Merkur.

„Gas ist deutlich weniger CO₂-intensiv als Kohle. Gaskraftwerke sind flexibel und passen deshalb gut zur volatilen Erzeugung von Sonnen- und Windstrom. Unseren Treibhausgasausstoß würden wir senken und die Versorgungssicherheit erhöhen“, so Schaefer. Aussagen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die fordert, „Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit müssen wieder in ein ausgewogenes Dreieck zusammenkommen“, stimmt Schaefer zu.

Thilo Schaefer ist Experte für Energie, Klima und Infrastrukturen am IW in Köln.

Jedoch dürfe man nicht vergessen, dass etwa der Netzausbau und auch der Bau von Gaskraftwerken ein paar Jahre dauern können. „Sechs bis sieben Jahre“, so Schaefer. „Wenn Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden können, dann etwas schneller.“ Ob also wirklich bis 2030 so viele neue Gaskraftwerke ans Netz gehen können, zweifelt der Experte an. Und er sagt: „Ob's notwendig ist, ist eine andere Frage.

Strom kann in ein paar Jahren nochmal teurer werden

„Denn der Strombedarf wird zwar steigen, etwa durch Elektrifizierung und bei steigender Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Aber das wird länger dauern als geplant.“ Die beste Chance sieht er in einem Zusammenspiel: „Wenn Netze besser ausgebaut sind, dann kann man den Strom besser verteilen. Es braucht digitale Steuermöglichkeiten, flexiblere Verbraucher, Speicheroptionen und auch neue Gaskraftwerke. Und wenn es im Ausland günstigeren Strom gibt, dann sollten wir den importieren, wenn wir ihn brauchen. All das sind Bausteine für eine erfolgreiche Energiewende.“

Schaefer rät allerdings davon ab, beim Ausbau übers Ziel hinauszuschießen. „Das sind Kosten, die am Ende Verbraucher tragen müssen. Wenn etwa in Gaskraftwerke und Ausbau investiert wird, der Stromverbrauch aber nicht so schnell wächst, dann wird der Strom pro Kilowattstunde erstmal teurer.“

Rubriklistenbild: © Montage

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