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500 Milliarden für die Infrastruktur
Sondervermögen: SPD und Union planen Entlastung für Unternehmen bei Energiewende – doch wer trägt die Kosten?
Ein Großteil des vorgesehenen Sondervermögens von über 500 Milliarden Euro soll laut SPD und Union in die Energiewende fließen – zur Entlastung der Wirtschaft. Leidet darunter der Netzausbau?
Update vom 18. März 2025, 16.15 Uhr: Der Bundestag hat mit einer Zweidrittelmehrheit den Gesetzesentwurf von Union und SPD angenommen und der Lockerung der Schuldenbremse zugestimmt. Am Freitag (21 März) steht noch die Abstimmung im Bundesrat bevor, ehe das Finanzpaket für Verteidigung und das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für die deutsche Infrastruktur endgültig beschlossen werden könnte.
Erstmeldung vom 18. März 2025, 11.15 Uhr: Berlin – Migration, Rente, Wirtschaft, Verteidigung und Infrastruktur – die Liste der Themen, die eine neue Regierung aus CDU/CSU und SPD dringend angehen muss, ist lang. Und sie dürfte während der aktuellen Koalitionsverhandlungen sogar noch länger werden. Für Verteidigung und Infrastruktur sind bereits Sondervermögen geplant. Doch selbst im Falle einer Bewilligung im Parlament bleibt die Verteilungsfrage der Gelder spannend.
Sondervermögen: Energie-Infrastruktur braucht Investitionen – Union und SPD setzen auf Einsparungen
Bei der Infrastruktur drängen sich kurzfristig vor allem marode Straßen und die sanierungsbedürftige Deutsche Bahn auf. Doch gleichzeitig sind langfristige Projekte wie etwa die Energiewende und der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur ebenso wichtig. Gerade hier treffen hohe Investitionsbedarfe auf mögliche Einsparpotenziale. Oftmals geht aus dem Sondierungspapier allerdings nicht hervor, wie sich beide Positionen am Ende verrechnen ließen. Mehr noch: An vielen Stellen bleiben Union und SPD sehr vage – oder lassen ganze Teilbereiche der Energiewende unerwähnt.
So fordern allein die Stadtwerke für den Ausbau des Fernwärmenetz Förderungen von jährlich 3,5 Milliarden Euro. Derzeit werden nur rund 14 Prozent der Haushalte mit Fernwärme versorgt. Zudem wird der größte Teil der Fernwärme noch aus fossilen Energieträgern erzeugt. Für eine Umstellung sind deutschlandweit neue Leitungsnetze, Modernisierungen von bestehenden Leitungen sowie der Aufbau großer Wärmespeicher notwendig.
CDU-Energieexperte Jung hadert mit Altlasten bei Fernwärme: Union und SPD ignorieren das Thema
Im Sondierungspapier der künftigen Koalitionäre fehlen entsprechende Pläne allerdings gänzlich. Wohl auch weil die Novellierung des Fernwärmeverordnung unter der Ampel gescheitert ist. Andreas Jung, Energieexperte der Union, monierte damals gegenüber tagesschau.de: „Da ist jetzt zweieinhalb Jahre dran gearbeitet worden, und dann wird es einfach auf die nächste Legislatur geschoben.“ Eine weitere Begründung könnte sein, dass der Fokus vorerst auf kurzfristigen Projekten liegt, die allesamt viel Geld kosten werden: Etwa der Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands – ein im Wahlkampf speziell von der Union stets vorgetragenes Argument.
Union fürchtet Abwanderung der Industrie und will Unternehmen entlasten – trotz Milliardenkosten
Was Industrie und Verbrauchern entlastet, bedeutet für den Bundeshaushalt eine jährliche Zusatzbelastung von zehn Milliarden Euro. Ähnlich verhält es sich mit der Strompreiskompensation. Bisher betrifft diese nur besonders energieintensive Industrieunternehmen aus Branchen wie Aluminium- und Metall, Chemie oder Stahl- und Zement. Die CO₂-Bepreisung auf den europäischen Märkten verursacht den Firmen Kosten in Milliardenhöhe. Vor allem die Union fürchtet die sogenannte „Carbon Leakage“-Gefahr: dass Unternehmen ihre Produktion wegen hoher Energiekosten ins Ausland verlagern.
Für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit wollen die Parteien die Kompensation auch auf die Automobil-, Maschinenbau- und Bauindustrie ausweiten. Das Problem: Die Kosten für den Staat sind hier nicht absehbar, dürften aber weitere Milliarden verschlingen.
Wen holt Friedrich Merz in sein Kabinett? Diese Minister stehen bereit
Ein großes Fragezeichen steht ebenso hinter der Finanzierung neuer Gaskraftwerke. Mit dem endgültigen Kohleausstieg 2038 müssen rund 43 Gigawatt gesicherte Leistung ersetzt werden. Durch den Atomausstieg 2022 sind bereits weitere knapp 11 Gigawatt weggefallen.
Kostenfaktor Gaskraftwerke: Bis zu einer Milliarde pro Stück – staatliche Subventionen bleiben vage
Dieser wird mit rund 9,9 Milliarden Euro unterstützt, wobei der Anteil an der Gesamterzeugung nur einen Drittel beträgt. Die Folge: Die Überproduktion an sonnigen Tagen kostet die Erzeuger sogar Geld. Deswegen fordern auch Unternehmen wie E.on einen Förderstopp. Vorstandsvorsitzender Leonhard Birnbaum geht in einem FAZ-Interview sogar so weit und fordert: „Wir sollten über diesen 500-Milliarden-Fonds, wenn er denn so kommt, im Energiesektor nichts finanzieren, was nicht auch privatwirtschaftlich finanzierbar ist“.
Falsche Kalkulation bei Strombedarf? Deutschland braucht bis 2030 nur 600 statt 750 Terawattstunden
RWE-Vorstandsvorsitzender Markus Krebber warnt davor, den 500 Milliarden Sonderfonds auf Basis veralteter Zahlen und Fakten zu investieren. Aktuelle Prognosen zeigen, dass der deutsche Stromverbrauch bis 2030 nicht wie politisch kalkuliert 750 Terawattstunden umfasst, sondern eher nur 600. Die Fehlannahme könnte am Ende dazu führen, dass weitere Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe entstehen.