Studie des IW
Neuer Sparvorschlag: Arbeitslosengeld für Arbeitnehmer über 50 Jahre soll sinken
Durch die wachsende Zahl Arbeitsloser steht die Bundesagentur für Arbeit vor erhöhten Ausgaben. Die Folge: Entweder steigen die Beiträge oder es werden Leistungen gekürzt.
Berlin – Die Zahl der Arbeitslosen ist in den vergangenen Jahren aufgrund der Rezession gestiegen. Im Juni 2025 lag die Arbeitslosenquote bei 6,2 Prozent und damit bei 2,9 Millionen Arbeitslosen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) bleibt die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen im Land gering. Insgesamt gehen im Sommer 2025 fast 35 Millionen Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach.
Mehr Arbeitslose in Deutschland: Arbeitsagentur muss womöglich Beitragssatz anheben
Die Zahl der Arbeitslosen, aber auch derjenigen in Kurzarbeit oder die ein Insolvenzgeld beziehen, ist seit 2022 konstant angestiegen. Allerdings bleibt die Zahl deutlich unter dem Niveau der 2000er Jahre, als deutlich über vier Millionen Menschen im Land arbeitslos waren. Seit 2011 ist die drei-Millionen-Marke nicht mehr gerissen worden.
Dass die Zahlen jetzt aber wieder steigen, bedeutet auch, dass die Ausgaben der BA wieder ansteigen. Das hat mittlerweile auch dazu geführt, dass die Bundesregierung der BA im Mai eine Finanzspritze geben musste, da sie ansonsten Verpflichtungen von über zwei Milliarden Euro hätte nicht begleichen können. Die BA rechnet damit, dass sie auch 2026 eine solche Finanzspritze vom Bund benötigen wird.
Diskutiert wird daher schon seit geraumer Zeit über eine Anhebung des Beitragssatzes für die Arbeitslosenversicherung. Diese Beiträge finanzieren nämlich das Arbeitslosengeld (ALG I), das nicht mit dem Bürgergeld verwechselt werden darf. ALG I beziehen Arbeitslose unter 50 Jahren für zwölf Monate, bevor sie ins Bürgergeld rutschen. Der Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung liegt aktuell bei 2,6 Prozent. In Behördenkreisen wird aber über eine Anhebung auf 2,9 Prozent debattiert, um die steigenden Kosten abzufedern.
Weniger Arbeitslosengeld für Ü-50-Jährige? BA könnte zwei Milliarden sparen
Doch wie das Handelsblatt berichtet, liegt nun auch ein anderer Vorschlag auf dem Tisch. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt in einer neuen Studie vor, das Arbeitslosengeld für die über 50-Jährigen einzugrenzen, um so über zwei Milliarden Euro pro Jahr einzusparen.
ALG I gibt es für die ersten zwölf Monate der Arbeitslosigkeit, wenn man unter 50 Jahre alt ist. Da es älteren Menschen oft schwerer fällt, eine neue Stelle zu finden, bekommt man ab 50 für 15 Monate ALG I, ab 55 Jahren gibt es dann 18 Monate Arbeitslosengeld und ab 58 Jahren sogar für zwei Jahre, bevor man Bürgergeld erhalten kann.
Das Arbeitslosengeld ist in der Regel höher als das Bürgergeld, das nur das Existenzminimum sichert. ALG I entspricht ungefähr 60 Prozent des letzten Nettogehalts. Kosten für Unterkunft und Heizung müssen Arbeitslose in dieser Phase selbst zahlen, im Bürgergeld werden diese Kosten vom Staat getragen.
Sparvorschlag: Milliarden sparen und Arbeitslose vor dem Bürgergeld bewahren
Dieses System würde das IW nach Angaben von Handelsblatt und t-online, die aus der noch unveröffentlichten Studie zitieren, vereinheitlichen. Dann würde auch die Über-50-Jährigen Arbeitslosen nur für zwölf Monate das ALG I beziehen können, bevor sie Bürgergeld bekämen. Den Ökonomen zufolge haben 2024 rund 85.000 Menschen für mehr als ein Jahr ALG I bezogen, 4000 Menschen mehr als im Vorjahr. Das habe der BA zwei Milliarden Euro mehr gekostet, als es bei einer Vereinheitlichung auf ein Jahr der Fall wäre.
Aus Sicht der IW-Forschenden hätte das auch den Vorteil, dass es die Betroffenen dazu motiviere, schneller eine Arbeit zu suchen. So würden diejenigen, die länger Arbeitslosengeld beziehen, sich auch länger damit Zeit lassen. Das erhöhe nach ihrem Dafürhalten auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie später ins Bürgergeld kommen - woraus man sich noch schwieriger befreien kann.
Rubriklistenbild: © Heiko Rebsch/dpa
