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„Ein elementarer Fehler“

Merz will das Bauministerium abschaffen: Damit droht der AfD der nächste Erfolg

Spekulationen über das zukünftige Merz-Kabinett machen bereits wenige Stunden nach der Wahl die Runde. Eine Meldung beunruhigt die Baubranche: Wird es in der neuen Regierung kein Bauministerium geben?

Berlin – Mit dem Ergebnis der Bundestagswahl sind eigentlich nur zwei Parteien zufrieden. Die AfD, die zweitstärkste Kraft im Bundestag sein wird, und die Linke, die vor wenigen Wochen noch für tot erklärt wurde. Alle anderen haben sich mehr erhofft. Die Gründe für die Siege der beiden Außenparteien werden die nächste Bundesregierung unter Friedrich Merz (CDU) beschäftigen.

Während bei den AfD-Wählenden das Thema Migration und innere Sicherheit die größte Rolle spielte, ist das bei der Linkspartei nicht ganz so einfach zu greifen. Untersuchungen von infratest dimap zeigen, dass „Soziale Sicherheit“ die Linken-Wählenden am meisten bewegt hat. Beide Wählergruppen gaben zu über 60-70 Prozent an, sich Sorgen um Armut im Alter und die hohen Lebenshaltungskosten zu machen.

Viele Deutsche können sich Mieten kaum noch leisten: Vor allem Geringverdiener leiden

Wer diese Wählerinnen und Wähler gewinnen will, muss sich diese Themen also genau anschauen. Womit wir schnell beim Thema Wohnen wären, dem Bereich, in dem die Kosten über die vergangenen Jahre am stärksten gestiegen sind. Wer nach 2019 in eine Wohnung gezogen ist, muss unabhängig vom Ort (also ob Stadt oder Land) gut 30 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete ausgeben, wie das Statistische Bundesamt für das Jahr 2022 ermittelt hat.

Jubel und Entsetzen: Promis und Politiker reagieren auf Bundestagswahl

Friedrich Merz Bundestagswahl
Der Sieger der Bundestagswahl 2025 ist die Union. Das wiederum bedeutet, dass der nächste Bundeskanzler wohl auf den Namen Friedrich Merz hören wird. Zahlreiche Prominente und Politiker reagierten - ganz unterschiedlich - auf den Sieg des CDU-Chefs. © Christoph Reichwein/dpa
Hollywood-Star Ralf Moeller
Hollywood-Star Ralf Moeller gehörte zu den ersten Gratulanten von Merz. Der Schauspieler bekannt aus Filmen wie Gladiator gab dem CDU-Chef auch direkt ein paar Ratschläge mit auf den Weg. © Christian Charisius/dpa
FPÖ-Chef Herbert Kickl und Viktor Orban
Keine Glückwünsche an Friedrich Merz, dafür warme Worte für die AfD, kamen nach der Bundestagswahl aus Österreich und Ungarn. FPÖ-Chef Herbert Kickl (m.) sprach von einem „riesigen Loch“, das nun in der „Brandmauer der Einheitsparteien“ klaffe. Ungarns Regierungschef Viktor Orbán (r.) wendete sich direkt an Alice Weidel und gratulierte der AfD-Spitzenkandidatin zur Verdopplung ihrer Stimmenanteile. © Tobias Steinmaurer/dpa
Schauspieler Ralf Möller unterstützte bereits im Vorfeld der Wahl den CDU-Kandidaten Friedrich Merz. Gemeinsam ließen sich der Schauspieler und der Politiker bei einer Tischlerei in Berlin ablichten.
Schauspieler Ralf Möller unterstützte bereits im Vorfeld der Wahl den CDU-Kandidaten Friedrich Merz. Gemeinsam ließen sich der Schauspieler und der Politiker bei einer Tischlerei in Berlin ablichten.  © Michael Kappeler
US-Präsident Donald Trump
Auch aus den USA trudelten Glückwünsche an Friedrich Merz ein. „Es sieht so aus, als hätte die konservative Partei in Deutschland die mit Spannung erwartete Wahl gewonnen“, schrieb Donald Trump nach der Bundestagswahl auf Truth Social. Es sei „ein großartiger Tag für Deutschland und die Vereinigten Staaten“, so der US-Präsident © John McDonnell/dpc
Elon Musk vor der Wahl für die AfD
Im Gegensatz dazu hatte sich Trumps Verbündeter Elon Musk vor der Wahl für die AfD ausgesprochen. Der Multimilliardär war sogar per Videoschalte beim Parteitag der Rechtspopulisten dabei. Nach der Wahl kommentierte Musk das gute Ergebnis der AfD bei Jung- und Erstwählern auf X mit den Worten: „Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit.“ © Hendrik Schmidt/dpa
Micky Beisenherz bei Maischberger
Micky Beisenherz hat in einer ersten Reaktion auf die Bundestagswahl das Bündnis Sahra Wagenknecht thematisiert. „BSW. Bundestag. Schön wär’s“, schrieb der Fernsehmoderator auf X, kurz nachdem die ersten Prognosen eingegangen waren, die das BSW unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde zeigten. © IMAGO/Thomas Bartilla
Aufgrund von Umfragewerten rechnet die CDU mit einem Wahlsieg. Entsprechend groß ist der Zulauf der Wahlparty.
Aufgrund von Umfragewerten rechnet die CDU mit einem Wahlsieg. Entsprechend groß ist der Zulauf der Wahlparty.  © Moritz Maier
Im Mittelpunkt der Wahlparty der CDU: Tritt der Spitzenkandidat Friedrich Merz hier als zukünftiger Kanzler auf?
Im Mittelpunkt der Wahlparty der CDU: Tritt der Spitzenkandidat Friedrich Merz hier als zukünftiger Kanzler auf? © Moritz Maier
Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken
Und tatsächlich: Kaum laufen die ersten Prognosen zur Bundestagswahl ein, reagieren Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken (Die Linke) mit ausgelassenem Jubel. © Carsten Koall/dpa
Bei ihrer Wahlparty machen sich Mitglieder der Linken bereit, den überraschenden Wiedereinzug ins Parlament zu bejubeln.
Bei ihrer Wahlparty machen sich Mitglieder der Linken bereit, den überraschenden Wiedereinzug ins Parlament zu bejubeln.  © Sophia Sichtermann
Russland kamen verhaltene Reaktionen auf die Bundestagswahl
Aus Russland kamen verhaltene Reaktionen auf die Bundestagswahl 2025. Außenminister Sergej Lawrow, hier mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock, blieb ebenso stumm wie Staatschef Wladimir Putin. Einzig Regierungssprecher Dimitri Peskow gab ein knappes Statement ab: „Jedes Mal [wenn es eine neue Regierung gibt], hoffen wir auf einen nüchterneren Blick auf die Realität, auf Themen von beiderseitigem Interesse und gegenseitigem Nutzen.“ © Bernd von Jutrczenka/dpa
Jan Böhmermann, hier mit dem Rundfunk Tanzorchester in der Frankfurter Jahrhunderthalle
Jan Böhmermann, hier mit dem Rundfunk Tanzorchester in der Frankfurter Jahrhunderthalle, reagierte auf Blue Sky, dem inoffiziellen Nachfolger von X (ehemals Twitter), auf die Bundestagswahl. Der Moderator beschäftigte sich dabei vor allem mit den Wahlverlierern: Sahra Wagenknechts BSW und Christian Lindners FDP. © Boris Roessler/dpa
Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens Energy und Daimler Truc
Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens Energy und Daimler Truck, reagierte verhalten auf das Ergebnis der Bundestagswahl. Der neuen Regierung, mutmaßlich unter der Führung von Friedrich Merz, stünde ein „harter Kampf“ bevor, um Deutschlands Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Das sagte der Unternehmenschef beim US-Sender CNBC. © THOMAS KIENZLE/AFP
Arnd Franz (l.), Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Mahle, hier in Stuttgart mit Vorstandskollegen Markus Kapaun
Arnd Franz (l.), Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Mahle, hier in Stuttgart mit Vorstandskollegen Markus Kapaun (r.) sieht nach der Bundestagswahl raschen Handlungsbedarf für die neue Regierung. „Aus unserer Sicht ist es wirklich an der Zeit zu handeln, und nach der gestrigen Wahl wünschen wir uns, dass sich die neue deutsche Regierung schnell zusammenfindet und dann entschlossene, sofortige Maßnahmen ergreift und auch eine lange, klare, langfristige Vision und einen Fahrplan aufstellt, um Europas Wirtschaft wirklich wieder auf Kurs zu bringen“, so der CEO im US-Fernsehsender CNBC. © Bernd Weißbrod/dpa
Rennfahrer Ralf Schumacher ist für die Union. Er wünscht sich eine „eine konservativere und realistischere Politik“ in Deutschland, sagte er gegenüber der Bild.
Rennfahrer Ralf Schumacher ist für die Union. Er wünscht sich eine „eine konservativere und realistischere Politik“ in Deutschland, sagte er gegenüber der Bild.  © Rolf Vennenbernd
Schlagerstar Roland Kaiser ist als SPD-Mitglied bekannt. „Der Sozialdemokrat ist tief in mir drin“, sagte der Sänger gegenüber der Bild.
Schlagerstar Roland Kaiser ist als SPD-Mitglied bekannt. „Der Sozialdemokrat ist tief in mir drin“, sagte der Sänger gegenüber der Bild.  © Carsten Koall
Schauspielerin Jenny Elvers sagte gegenüber der Bild, dass sie die CDU wähle. Sie appelierte dabei „an alle, wählen zu gehen“.
Schauspielerin Jenny Elvers sagte gegenüber der Bild, dass sie die CDU wähle. Sie appelierte dabei „an alle, wählen zu gehen“.  © Georg Wendt/dpa
Schauspieler und Rapper Massiv hat vor der Wahl bereits seine Unterstützung für das Bündnis Sahra Wagenknecht gegeben. Beim Thema Waffenlieferungen und Nahostkonflikt sei er genau auf einer Linie mit dem BSW, sagte er vor der Bundestagswahl.
Schauspieler und Rapper Massiv hat vor der Wahl bereits seine Unterstützung für das Bündnis Sahra Wagenknecht gegeben. Beim Thema Waffenlieferungen und Nahostkonflikt sei er genau auf einer Linie mit dem BSW, sagte er vor der Bundestagswahl.  © Jens Büttner/dpa
Fußballer Roman Weidenfeller unterstützt die Union. „Meine Stimme für Merz, damit Deutschland wieder Tabellenführer wird“, sagte er der Bild-Zeitung.
Fußballer Roman Weidenfeller unterstützt die Union. „Meine Stimme für Merz, damit Deutschland wieder Tabellenführer wird“, sagte er der Bild-Zeitung.  © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Schauspieler Bruno Eyron votiert bei der Bundestagswahl 2025 für die FDP von Ex-Finanzminister Christian Lindner.
Schauspieler Bruno Eyron votiert bei der Bundestagswahl 2025 für die FDP von Ex-Finanzminister Christian Lindner.  © IMAGO/Breuel-Bild
Ex-Skispringer Sven Hannawald hat nach eigenen Angaben schon immer die Union gewählt habe. Für ihn seien CDU/CSU die Einzigen, die eine in Zukunft wieder funktionierende Wirtschaft garantieren könnten.
Ex-Skispringer Sven Hannawald hat nach eigenen Angaben schon immer die Union gewählt habe. Für ihn seien CDU/CSU die Einzigen, die eine in Zukunft wieder funktionierende Wirtschaft garantieren könnten.  © Hendrik Schmidt/dpa
Der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht zur Union: „Ich wähle selbstverständlich CDU und gebe Herrn Merz meine Stimme, weil wir eine starke CDU brauchen und eine erfahrene Person, damit wir endlich wieder eine Führung haben, die unser Land gerade auch gegenüber den USA verantwortungsbewusst und mit Weitsicht führt!“
Der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht zur Union: „Ich wähle selbstverständlich CDU und gebe Herrn Merz meine Stimme, weil wir eine starke CDU brauchen und eine erfahrene Person, damit wir endlich wieder eine Führung haben, die unser Land gerade auch gegenüber den USA verantwortungsbewusst und mit Weitsicht führt!“  © Bernd Weißbrod/dpa
Sänger Thomas Anders erklärt, dass er die politische Position von Friedrich Merz und der CDU unterstütze. Die Union biete seiner Meinung nach Lösungen für Deutschlands Zukunft.
Sänger Thomas Anders erklärt, dass er die politische Position von Friedrich Merz und der CDU unterstütze. Die Union biete seiner Meinung nach Lösungen für Deutschlands Zukunft.  © Thomas Frey/dpa
Schauspielerin Uschi Glas gibt ihre Stimme der Union. „In Bayern hat die CSU auch sehr viel an Innovationen auf die Beine gestellt, was ich ganz toll finde.“
Schauspielerin Uschi Glas gibt ihre Stimme der Union. „In Bayern hat die CSU auch sehr viel an Innovationen auf die Beine gestellt, was ich ganz toll finde.“ © Felix Hörhager/dpa

Wer noch weiter ins Detail geht, stellt noch erschreckenderes fest: Wer zwischen 1500 und 2000 Euro netto im Monat zur Verfügung hat, muss ganze 44,7 Prozent seines Einkommens für die Miete ausgeben. Familien mit einem Nettoeinkommen von weniger als 1500 Euro im Monat geben bis zu 60 Prozent des Gehalts nur für die Miete aus.

Für diese Gruppe ist es auch so gut wie unmöglich geworden, stattdessen ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Wer 2000 Euro netto im Monat verdient, kann sich beim Kredit eine Monatsrate von 700 bis höchstens 900 Euro leisten. Das reicht für den Kauf einer Immobilie, die zwischen 170.000 und 250.000 Euro kostet, je nach Lage. Solche Immobilien gibt es grundsätzlich schon – aber sicher nicht in den nötigen Mengen und an den richtigen Orten. Noch dazu ist davon auszugehen, dass ein bestehendes Haus in dieser Preisgruppe umfangreich saniert werden müsste – ein weiterer Kostenfaktor. Das sozio-oekonomische Panel (SOEP) stellt laut Handelsblatt fest, dass weniger als zwölf Prozent der Mieter und Mieterinnen zwischen 20 und 40 Jahren genug Eigenkapital hätten, um eine Immobilie zu kaufen.

Kein Bauministerium unter Kanzler Merz? Dann könnte die AfD in vier Jahren Wahlsieger sein

Wohnen ist für Haushalte mit wenig oder mittelmäßigem Einkommen also fast unbezahlbar geworden. Und in der aktuellen Wirtschaftslage leidet besonders eine Branche: Die Baubranche. Thomas Reimann, Präsident des Verbands baugewerblicher Unternehmer in Hessen, bringt es im Gespräch mit IPPEN.MEDIA auf den Punkt: „Es werden aktuell so gut wie keine neuen Wohngebäude gebaut“. Die scheidende Ampel-Koalition hat es versäumt, die Baubranche aus dem freien Fall zu retten – und die Vorschriften für einfaches, schnelleres und kostengünstigeres Bauen zu überarbeiten. „Ein wesentlicher Teil der Bauvorschriften können eigentlich weg“, ist sich Reimann sicher.

Thomas Reimann (l.) hat die hessische Regierung beim Thema Wohnungsbau bereits beraten.

Nur sieht es nicht so aus, als ob die nächste Bundesregierung das Thema verstanden hat. Denn laut Medienberichten will Friedrich Merz das Bauministerium abschaffen bzw. das Thema Bauen soll in einem Infrastrukturministerium mit Verkehr und Energienetze zusammengeführt werden. „Das wäre ein elementarer Fehler. Die Bauwirtschaft würde dann in dem neuen Ministerium untergehen und dann sehen wir in vier Jahren bei der nächsten Bundestagswahl eine ganz blaue Karte“, ist sich Reimann sicher. „Das brennt den jungen Menschen unter den Nägeln, das sieht man doch. Das kann man nicht ignorieren!“ fügt er etwas verzweifelt hinzu. Der Verbandspräsident schlägt vor, das Bauministerium mit einer Person zu besetzen, die aus der Bauwirtschaft stammt. „Wir müssen da jemanden hinstellen, der das Thema verstanden hat“.

Baubranche hat klare Forderungen an Merz und die neue Regierung

Thomas Reimann wüsste auch schon, was er der neuen Ministeriumsspitze raten würde: Die Baurechtsreform anstoßen, die die Ampel-Regierung nicht mehr geschafft hat, die Vorschriften im Bau nach dem Vorbild der neuen Landesregierung in Hessen verschlanken und Käufern die Möglichkeit geben, ihre Erwerbskosten steuerlich abzuschreiben. „Ich bin überzeugt, damit würde Bauen günstiger werden – vielleicht sogar bezahlbar“.

Auch Tim-Oliver Müller vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie fordert ein „starkes Bauressort“ in der nächsten Regierung. „Die Baubranche ist mit ihrem großen Anteil am BIP einer der Wachstumstreiber und ein Grundpfeiler für ein neues Wachstumskonzept“, sagt er IPPEN.MEDIA. Ein „milliardenschweres Investitionsprogramm“ müsse her, um die Gesamtwirtschaft zu stützen. „Bürokratieabbau und einfaches Bauen gehören natürlich mit dazu, aber schnelles Wachstum gelingt kurzfristig nur, wenn jetzt Geld in die Hand genommen wird.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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