Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Aktivrente

Steuerfreie 2000 Euro zusätzlich zur Rente: Wer von der CDU-Reform profitiert

Die CDU plant, Rentner durch die Aktivrente zu ermutigen, weiter zu arbeiten - bis zu 2.000 Euro steuerfrei. Aber wer kann davon wirklich profitieren? Und wer wird benachteiligt?

Frankfurt – Die CDU hat mit ihrem Vorschlag einer „Aktivrente“ eine kontroverse Debatte ausgelöst. Rentner sollen demnach bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen dürfen. Ziel ist es, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und älteren Menschen einen finanziellen Anreiz zu bieten, auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze im Berufsleben zu bleiben.

Aktivrente: Steuererleichterung nur für wenige?

Auf den ersten Blick klingt die Aktivrente wie eine sinnvolle Maßnahme, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich: Nicht alle Rentner profitieren gleichermaßen – im Gegenteil.

„Vor allem Rentner, die hohe Einkommen aus Arbeit haben werden, dürften profitieren“, sagt Jan Scharpenberg vom Verbraucherportal Finanztip im Gespräch mit der Tagesschau. Das seien häufig gut ausgebildete Fachkräfte oder Akademiker – Menschen also, die ohnehin überdurchschnittlich verdienen und fit genug sind, auch im Alter weiterzuarbeiten.

Vollzeit arbeiten in der Rente?

Für Rentner, die nur gelegentlich arbeiten oder geringfügige Jobs ausüben, ist der Effekt der Aktivrente überschaubar. Denn um überhaupt auf 2.000 Euro monatlich zu kommen, müssten sie fast Vollzeit zum Mindestlohn arbeiten. Eine realistische Option ist das für die meisten Menschen im Ruhestand nicht.

Dazu kommt: Selbst wenn die 2000 Euro steuerfrei bleiben sollen, fallen weiterhin Sozialabgaben an – etwa auf Kranken- und Pflegeversicherung. Auch eine Steuererklärung wird fällig, sobald die Gesamteinkünfte über dem Grundfreibetrag von derzeit 10.908 Euro pro Jahr liegen.

Mit der geplanten Aktivrente von Union und SPD soll Arbeiten im hohen Alter attraktiver gestaltet werden.

Aktivrente und Grundfreibetrag

Was auf dem Papier gut aussieht, wird in der Praxis schnell komplex. Rentenexperte Scharpenberg erläutert, dass es maßgeblich davon abhängt, wie die Aktivrente mit dem Grundfreibetrag kombiniert wird. Sollte dieser zusätzlich zu den steuerfreien 2000 Euro gelten, wäre ein Einkommen von bis zu 3000 Euro steuerfrei – was für Spitzenverdiener äußerst attraktiv wäre. Doch ob das so umgesetzt wird, ist unklar. Im Koalitionsvertrag bleibt die Formulierung vage.

Zudem steht die Maßnahme unter Finanzierungsvorbehalt. Das bedeutet: Die Bundesregierung muss zunächst sicherstellen, dass sie sich diese Steuererleichterung auch leisten kann.

Kritik aus Politik und Wissenschaft

Auch innerhalb der neuen schwarz-roten Koalition gibt es Widerstand. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt warnte laut AFP, dass die Aktivrente einseitig sei. Der Vorschlag bevorzuge Professoren und Anwältinnen und benachteilige diejenigen, die jahrzehntelang körperlich schwer gearbeitet hätten, etwa Dachdecker oder Krankenpflegerinnen. Wer sein Leben lang in körperlich anstrengenden Berufen gearbeitet habe, könne im Alter meist nicht mehr ohne Weiteres weiterarbeiten.

Peter Haan vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mahnt, dass es zwar richtig sei, Anreize für längeres Arbeiten zu schaffen – allerdings sei der steuerliche Freibetrag „eine recht teure Lösung mit hohen Mitnahmeeffekten“. Viele derjenigen, die ohnehin weiterarbeiten, würden auch ohne Steueranreiz tätig bleiben.

Sozialverbände sind sich einig: Aktivrente könnte schaden

Mehrere Sozialverbände haben die Rentenpläne der Union ebenfalls kritisiert. Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), bemängelt, dass die Vorschläge der Union zur Rentenpolitik viele Fragen offenlassen. Insbesondere der fehlende Fokus auf das Rentenniveau sei problematisch, da das entscheidend sei, um einen Sinkflug bei den Renten und damit drohende wachsende Altersarmut zu begrenzen.

Auch der Sozialverband VdK äußerte Bedenken. VdK-Präsidentin Verena Bentele betont, dass die reguläre Altersrente weiterhin ihre existenzsichernde Funktion behalten müsse. Für alle langjährig Versicherten müsse am Ende des Berufslebens eine solide Rente stehen, die den Lebensstandard sichert.

Rubriklistenbild: © IMAGO

Kommentare