Höheres Rentenalter
Immer mehr Deutsche gehen später in Rente – die Politik steuert nach
Die Zahl der über 60-Jährigen, die länger arbeitet und später in Rente geht, nimm deutlich zu. Die neue Merz-Regierung sieht trotzdem Handlungsbedarf – setzt aber auf Freiwilligkeit.
Berlin – Die neue Bundesregierung will ältere Menschen dazu bringen, länger zu arbeiten. Die sogenannte Aktivrente soll die Erwerbstätigkeit über das Rentenalter hinaus mit einer Steuerbefreiung des Einkommens bis 2000 Euro belohnen. Damit ergänzt die künftige Koalition unter Führung von Friedrich Merz die bisherigen Optionen, wie Menschen neben der Rente arbeiten können – oder ihren Ruhestand nach hinten verschieben. Die Regelaltersgrenze und die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren bleiben jedoch erhalten.
Beginn der Rente: Erwerbstätige in Deutschland arbeiten immer länger – Politik handelt trotzdem
CDU, CSU und SPD setzen mit den „zusätzlichen finanzielle Anreizen“ auf Freiwilligkeit beim Rentenalter. Was positiv als „Flexibilität beim Übergang von Beruf in die Rente“ formuliert ist, ist gleichzeitig die Antwort auf Forderungen von Ökonomen, die Erwerbsarbeitszeit der Menschen zu verlängern. Denn angesichts der Alterung der Gesellschaft gibt es immer mehr Rentnerinnen und Rentner, aber gleichzeitig weniger Erwerbstätige, die das System der gesetzlichen Rente mit ihren Beiträgen finanzieren. Die Beiträge werden damit – nach Vorausberechnungen – auf bis zu 22,3 Prozent 2035 steigen, wenn das Rentenniveau bei 48 Prozent bleibt.
Doch es gibt auch positive Tendenzen – welche die Finanzen der gesetzlichen Rente stützen: Die Zahl der Erwerbstätigen im Alter von über 60 Jahren hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Das habe dazu geführt, dass viele Menschen heute über auskömmliche Alterseinkünfte verfügen, berichtete das Renten-Portal Ihre-Vorsorge.de mit Verweis auf Daten aus dem Alterssicherungsbericht, den die Bundesregierung alle vier Jahre neben dem jährlichen Rentenversicherungsbericht vorlegt.
Immer mehr Menschen über 60 Jahren arbeiten länger – und gehen später in Rente
Die Erwerbsbeteiligung von Menschen zwischen 60 und 65 Jahren habe demnach „in den vergangenen 20 Jahren sehr stark zugenommen“. Drei Viertel der Männer und zwei Drittel der Frauen dieser Altersgruppe seien erwerbstätig, heißt es in der Studie.
Bei den Männern habe sich die Erwerbstätigenquote von 31 Prozent 2003 auf 75 Prozent mehr als verdoppelt. Bei den Frauen ist der Anteil laut dem Papier „noch deutlich stärker“ gestiegen. 2003 seien lediglich elf Prozent der Frauen einer Erwerbsarbeit nachgegangen, 2023 waren bereits 67 Prozent.
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Eine frühere politische Anpassung soll Grund dafür sein – konkret die schrittweise Anhebung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre. Und auch unabhängig davon können Erwerbstätige frühstens mit 63 Jahren in Rente gehen – und müssen dann noch Abschläge in Kauf nehmen. Denn auch das Alter für die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, die umgangssprachliche Rente mit 63, steigt schrittweise auf 65 Jahre an.
Rentnerinnen und Rentner profitieren von längerer Arbeitszeit – Renten steigen
Die längere Erwerbsbeteiligung hat jedoch einen Vorteil für die Renten: Da die Menschen länger arbeiten, sammeln sie laut der Analyse auch mehr Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung. Hintergrund ist die Berechnung der Rente über die Entgeltpunkte, die pro Jahr gesammelt werden. Schlicht formuliert: Wer länger arbeitet, kann am Ende mehr davon vorweisen.
Dabei gibt es jedoch nach wie vor große Unterschiede. Bei ostdeutschen Männern seien es im Schnitt 42 Jahre. Bei Männern im Westen sei die Arbeitszeit dagegen von 43 auf 39 Jahre zurückgegangen. Ostdeutsche Frauen verzeichnen ein Plus von 37 Jahren 2003 auf 41 Jahre 2023. Den größten Anstieg verbuchen jedoch westdeutsche Frauen, die 2003 noch im Schnitt 25 Erwerbsjahre vorweisen konnten, 2023 seien es 37 Jahre. Dennoch gilt: Altersarmut nimmt immer weiter zu.
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