Zweifel an Reform
2000 Euro steuerfrei für Rentner im Job? Zweifel an Merz-Plan
Die kommende Regierung unter Merz will mehr „Flexibilität“ in der Rente. Beschäftigte sollen dadurch länger arbeiten. Eine Expertin übt Kritik.
Berlin – Das Rentenalter wollen Union und SPD nicht antasten. Auch die umgangssprachliche „Rente mit 63“, also der abschlagsfreie Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren, soll bleiben. Stattdessen will die werdende Regierung unter Friedrich Merz die Menschen durch Anreize dazu bewegen, freiwillig später in Rente zu gehen – oder im Ruhestand weiter zu arbeiten.
Merz-Regierung will Arbeit neben der Rente belohnen – und mehr „Flexibilität ins System bringen“
„Arbeiten im Alter machen wir mit einer Aktivrente attraktiv“, heißt es im Koalitionsvertrag. „Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht und freiwillig weiterarbeitet, bekommt sein Gehalt bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei.“ Diese „Aktivrente“ ist Kernstück der Vorhaben.
„Statt einer weiteren Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters wollen wir mehr Flexibilität beim Übergang vom Beruf in die Rente“, schreibt die kommende Merz-Regierung zu ihren Renten-Plänen. Sie deuten an, dass die bisherigen Regelungen zu starr seien und die Menschen an der Weiterarbeit hinderten. Dem widerspricht eine Expertin.
Gesetzliche Rente „so flexibel wie nie zuvor“: Viele Möglichkeiten beim Rentenbeginn
Die gesetzliche Rentenversicherung sei inzwischen „so flexibel aufgestellt wie wohl nie zuvor“, erklärte die Forschungschefin der Deutschen Rentenversicherung (DRV), Dina Frommert, in einem Beitrag für die Gesellschaft für Versicherungswissenschaften und -gestaltung.
„Spätestens seit dem vollständigen Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen für Altersrenten auch vor Erreichen der Regelaltersgrenze sind der individuellen Gestaltung des Übergangs in den Ruhestand zumindest aus rentenrechtlicher Perspektive kaum noch Grenzen gesetzt“, erklärte Frommert.
Sie verweist dabei auf die Möglichkeiten der Frührente und der „Rente mit 63“, die den Ruhestand „mehrere Jahre vor der Regelaltersgrenze“ ermöglichen. Abschläge könnten über Sonderzahlungen ausgeglichen werden. Ein späterer Beginn der Rente sei „ohne Einschränkungen“ möglich. Dabei profitieren Rentner mit einem Zuschlag von 0,5 Prozent pro Monat. Dazu gebe es die Möglichkeit der Teilrente.
Mehr neue Regeln bei der Rente „wenig zielführend“ – weitere Aspekte statt Finanzen entscheidend
Frommert warnte dabei, dass neue Regeln „wenig zielführend“ sein könnten. Denn schon jetzt gibt es laut der Rentenexpertin ein „hohes Maß an Gestaltungsfreiheit“, das mit „verschiedenen Entscheidungspfaden“ einhergehe. Die Entscheidung könnten dagegen durch „einfache und transparente Regelungen“ erhöht werden.
Statt nur auf finanzielle Aspekte zu schauen, argumentiert die Rentenexpertin, dass weitere Faktoren für eine Weiterarbeit neben der Rente entscheidend sind. Frommert nennt dabei den Gesundheitszustand, die familiäre Situation, altersgerechte Arbeitsbedingungen und den Willen des Arbeitgebers, eine Weiterarbeit zu ermöglichen. Auch steuerrechtliche Gründe könnten den Rentenübergang beeinflussen.
Auch das Zusammenwirken der drei Säulen der Rente – gesetzlich, betrieblich, privat – unterstütze laut Frommert nicht immer einen flexiblen Übergang von der Arbeit in den Ruhestand. Bei einer Teilrente über die gesetzliche Rentenversicherung würde etwa bei einer Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst noch kein Anspruch entstehen, sondern erst bei der vollen Rente, erklärte sie.
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