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Ergebnisse schon Ende des Jahres

EU prüft Steuer für Superreiche: 250 Milliarden Mehreinnahmen möglich

Die EU-Kommission hat eine Machbarkeits-Studie über „vermögensbezogene Steuern“, sprich: Reichensteuer, in Auftrag gegeben. Noch dieses Jahr sollen Ergebnisse vorliegen.

Brüssel – Es wäre eine demokratische Maßnahme. Denn die überwältigende Mehrheit – auch über zwei Drittel der Deutschen – befürwortet eine Vermögenssteuer. Nun wurde bekannt, dass die EU die Wirksamkeit einer Besteuerung hochvermögender Personen, sprich: die Reichensteuer, bereits in einer Machbarkeits-Studie prüft. Das teilte der für Klima und grünes Wachstum zuständige EU-Kommissar Wopke Hoekstra auf Anfrage des Europaabgeordneten Fabio De Masi (BSW) im Namen der EU-Kommission mit.

Ökonom Gabriel Zucman fordert global eine Steuer von 2 Prozent für Superreiche. Während eines G-20 Treffens der Finanzminister stellte der Leiter der EU-Steuerbeobachtungsstelle einen wegweisenden Bericht vor.

Ungleichheit in der EU: Studie prüft Steuer für Superreiche

Die EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen sei jedoch der Auffassung, „dass ein besseres Verständnis der tatsächlichen Besteuerung von hochvermögenden Privatpersonen erforderlich ist, bevor dieses Thema angegangen werden kann“, heißt es in dem Dokument, das der Redaktion vorliegt. Hoestra weiter: „Zu diesem Zweck hat die Kommission im Dezember 2024 eine Studie über vermögensbezogene Steuern in Auftrag gegeben. Diese Studie sollte bis Ende 2025 abgeschlossen sein“. 

Die Superreichen zahlen weniger Steuern als andere Gruppen, typischerweise etwa 15–25 Prozent ihres Einkommens, während die Arbeiterklasse und die Mittelschicht je nach Land 35-55 Prozent zahlen.

Gabriel Zucman, EU-Steuerbeobachtungsstelle

„Besteuert Milliardäre“: Expertengruppe fordert mindestens 2 Prozent Steuer für Superreiche

Die laufenden Untersuchungen beruhen auf Vorschlägen der Expertengruppe „EU Tax Observatory“ (Steuerbeochachtungsstelle) unter Leitung des renommierten Ökonomen Gabriel Zucman aus Frankreich. Der Wirtschaftswissenschaftler ist selber Teil eine Bewegung von Experten, die global eine Steuer von mindestens 2 Prozent für Milliardäre fordert. Das würde zusätzliche 250 Milliarden Dollar mobilisieren – jährlich, hat der Forscher berechnet. Und das einzig über die Besteuerung von „nur“ 3.000 superreichen Personen, nämlich Milliardären, weltweit.

In diesen Ländern leben die meisten Milliardäre: Deutschland in den Top 5

London im Jahr 1960: Ein Archivbild
Auf Platz 10 des Rankings ist Großbritannien: Im Vereinigten Königreich leben 55 Milliardäre. Zusammen besitzen sie ein Vermögen von 238 Mrd. US-Dollar. © IMAGO
Wer jetzt denkt, dass die Royal Family die reichsten Menschen im Land sind, der irrt sich.
Wer jetzt denkt, dass die Royal Family die reichsten Menschen im Land sind, der irrt sich. Sie schaffen es nicht mal in die Top 10 der reichsten Briten. Tatsächlich ist der Hedgefondsmanager Michael Platt der reichste Mann im Vereinigten Königreich. Sein Vermögen beträgt laut Forbes rund 18,8 Mrd. Dollar. © IMAGO/Stephen Lock
Zuckerhut und der Eingang zur Guanabara Bucht in Rio de Janeiro mit der Stadt Niteroi und den Bergen im Hintergrund, Rio
Auf Platz 9 im Ranking: Brasilien. Hier im Bild sehen Sie die Bucht von Rio de Janeiro. In dem südamerikanischen Land leben 56 Milliardäre. Ihr gemeinsames Vermögen beträgt 212 Mrd. US-Dollar.  © IMAGO
Der reichste Mann Brasiliens heißt Eduardo Saverin (links im Bild). Er hat gemeinsam mit Mark Zuckerberg in den 2000er Jahren Facebook gegründet.
Der reichste Mann Brasiliens heißt Eduardo Saverin (links im Bild). Er hat gemeinsam mit Mark Zuckerberg in den 2000er Jahren Facebook gegründet. Laut Forbes ist er heute 34,5 Mrd. Dollar schwer.  © IMAGO/AIDAN LOO
News Bilder des Tages Hong Kong By Night Central Hong Kong and the IFC tower seen from the Avenue of Stars in Tsim Sha
Auf Platz 8 im Ranking der Länder mit den meisten Milliardären: Hongkong. Hier leben 66 Milliardäre, ihr gemeinsames Vermögen beträgt 335 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.  © Marc Fernandes/Imago
Der reichste Mann Hongkongs ist Li Ka-Shing. Er ist auf der Weltrangliste der Milliardäre auf Platz 17 und gilt als reichster Mann in Asien.
Der reichste Mann Hongkongs ist Li Ka-Shing. Er ist auf der Weltrangliste der Milliardäre auf Platz 17 und hat laut Forbes ein Vermögen von 38,9 Mrd. Dollar. Er hält auch Anteile an der deutschen Drogeriekette Rossmann.  © IMAGO
Als Nächstes in der Rangliste: Italien. Hier leben 74 Milliardäre im Jahr 2025.
Als Nächstes in der Rangliste: Italien. Hier leben 74 Milliardäre im Jahr 2025. Sie besitzen zusammen 339 Milliarden US-Dollar.  © Wojtkowski Cezary/IMAGO
Der reichste Mann Italiens dürfte vielen bekannt sein: Giovanni Ferrero – hier im Bild neben seiner Ehefrau Paola Rossi
Der reichste Mann Italiens dürfte vielen bekannt sein: Giovanni Ferrero – hier im Bild neben seiner Ehefrau Paola Rossi stehend – ist der Erbe des Süßwarenkonzerns Ferrero. Gegründet wurde die Firma von seinem Vater. Heute beträgt sein Vermögen 38,2 Mrd. Dollar.  © IMAGO
Sonnenuntergang am Coal Harbour, Vancouver, British Columbia, Canada, 15.2.2024
Auf Platz 6 im Ranking: Kanada. Hier leben dem US-Magazin zufolge heute 76 Milliardäre. Ihr Vermögen beträgt gemeinsam 339 Mrd. Dollar.  © Mark Locki/SuperStock/IMAGO
Der reichste Mann Kanadas ist Changpeng Zhao, der das Unternehmen Binance gegründet hat.
Der reichste Mann Kanadas ist Changpeng Zhao, der das Unternehmen Binance gegründet hat. Dabei handelt es sich um eine Krypto-Handelsplattform, die als die größte Krypto-Börse der Welt gilt. Sein Vermögen beträgt heute 62,9 Mrd. Dollar.  © IMAGO/David Ryder
Kommen wir zu den Top 5: Hier findet Russland seinen Platz.
Kommen wir zu den Top 5: Hier findet Russland seinen Platz. In Russland leben doppelt so viele Milliardäre, wie in dem Vorgängerland Kanada: 140 Menschen gelten dort als superreich. Ihr Gesamtvermögen beträgt 580 Mrd. Dollar.  © IMAGO/Mikhail Tereshchenko
Der reichste Mann Russlands ist - offiziell zumindest - Wagit Alekperow.
Der reichste Mann Russlands ist - offiziell zumindest - Wagit Alekperow. Er ist der Gründer des russischen Ölkonzerns Lukoil und besitzt ein Vermögen von 28,7 Mrd. US-Dollar.  © Alexander Shcherbak/IMAGO
Wladimir Putin bei einer Veranstaltung in Moskau. (Symbolbild)
Tatsächlich könnte es aber sein, dass Russlands Präsident Wladimir Putin in Wahrheit der reichste Mann des Landes ist. Schätzungen zufolge beträgt sein Vermögen 180 Milliarden US-Dollar. Das ist allerdings umstritten. Sicher ist jedoch, dass hinter Putin mehr steckt, als man offiziell wissen kann.  © IMAGO/Alexander Kazakov/Kremlin Pool
Jetzt kommt Deutschland: Auf Platz 4 im Forbes-Ranking ist das Land der Dichter und Denker.
Jetzt kommt Deutschland: Auf Platz 4 im Forbes-Ranking ist das Land der Dichter und Denker. Hier leben 171 Milliardäre mit einem Gesamtvermögen von 739 Mrd. US-Dollar.  © IMAGO/Emmanuele Contini
Der reichste Mann des Landes, Dieter Schwarz, hat unter anderem die Supermarktkette Lidl gergründet.
Der reichste Mann des Landes, Dieter Schwarz, hat unter anderem die Supermarktkette Lidl gegründet. Sein Vermögen beträgt 41 Mrd. Dollar.  © IMAGO/Arnulf Hettrich
Kommen wir zu den Top 3 Ländern mit den meisten Milliardären. Hier finden wir Indien auf dem dritten Rang.
Kommen wir zu den Top 3 Ländern mit den meisten Milliardären. Hier finden wir Indien auf dem dritten Rang. Hier leben 205 Milliardäre mit einem Gesamtvermögen von 941 Mrd. Dollar.  © Imago
Der reichste Mann Indiens ist Mukesh Ambani. Er ist der Erbe des Chemieunternehmens Reliance Industries und hat als Geschäftsführer das Unternehmen zu einem führenden Konglomerat gemacht.
Der reichste Mann Indiens ist Mukesh Ambani. Er ist der Erbe des Chemieunternehmens Reliance Industries und hat als Geschäftsführer das Unternehmen zu einem führenden Konglomerat gemacht. Sein Vermögen beträgt heute 92,5 Mrd. US-Dollar.  © IMAGO/Indranil Aditya
Das Land auf Platz 2 im Ranking ist China: Hier leben doppelt so viele Milliardäre wie in Indien, nämlich 450.
Das Land auf Platz 2 im Ranking ist China: Hier leben doppelt so viele Milliardäre wie in Indien, nämlich 450. Gemeinsam haben diese Superreichen ein Vermögen von 1,7 Billionen Dollar angehäuft.  © IMAGO
Der reichste Mann in China ist Zhang Yiming, der Gründer des Mutterkonzerns von TikTok, Bytedance.
Der reichste Mann in China ist Zhang Yiming, der Gründer des Mutterkonzerns von TikTok, Bytedance. Sein Gesamtvermögen beträgt laut Forbes heute 65,5 Milliarden US-Dollar.  © IMAGO
Die meisten Milliardäre der Welt leben immer noch in den USA. Der Abstand zum Rest der Welt ist dabei deutlich: Hier leben 902 Milliardäre, also mehr als doppelt so viele wie in China.
Die meisten Milliardäre der Welt leben immer noch in den USA. Der Abstand zum Rest der Welt ist dabei deutlich: Hier leben 902 Milliardäre, also mehr als doppelt so viele wie in China. Ihr Gesamtvermögen ist enorm: 6,8 Billionen US-Dollar haben die Superreichen der USA angehäuft.  © IMAGO/William Volcov
Musk zieht sich aus seiner Arbeit in der Regierungskommission für mehr Effizienz zurück.
Und natürlich lebt auch der reichste Mann der Welt, Elon Musk, in den USA. Der CEO des Elektroautobauers Tesla und der Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX hat heute ein Vermögen von 342 Mrd. US-Dollar. Damit hängt er die Superreichen in anderen Ländern locker ab.  © IMAGO/Pool/ABACA

2 Prozent Vermögenssteuer für 3000 Superreiche: 250 Milliarden Mehreinnahmen jährlich

Die EU interessiert sich für Zucmans Forschung schon länger: Im vergangenen Jahr lud Brasilien, Gastgeber des G20-Gipfels, ihn ein, seinen „Entwurf für einen koordinierten Mindeststandard für die effektive Besteuerung von sehr vermögenden Privatpersonen“ vorzustellen. Damit stand die Sondersteuer für Superreiche beim G20-Finanzminister-Treffen erstmals auf der Agenda. Das Konzept wurde als Vorschlag für einen weltweiten Ansatz zur Besteuerung von Personen mit extrem hohem Nettovermögen „zur Kenntnis genommen“.

Die von Zucman geleitete EU-Steuerbeobachtungsstelle, einem unabhängigen Forschungslabor an der Paris School of Economics, veranstaltete im April dieses Jahres eine Konferenz mit dem Titel: „Taxing Billionaires“. Das Fazit: Superreiche zahlen deutlich niedrigere Steuersätze als normal oder schlecht verdienende Bürger, doch das müsse sich ändern: „Alle Steuern eingerechnet, zahlen die Superreichen weniger Steuern als andere Gruppen, typischerweise etwa 15 bis 25 Prozent ihres Einkommens an Steuern, während die Arbeiterklasse und die Mittelschicht je nach Land 35 bis 55 Prozent zahlen“, so Gabriel Zucman.

Ich halte die Machbarkeitsstudie eher für eine Nebelkerze, die der EU-Kommission Zeit kaufen soll. Es ist schwer zu rechtfertigen, dass im Zuge der Rüstungsausgaben zivile Investitionen und Sozialstaat unter die Räder kommen, aber eine Minderheit von 3000 Milliardären nicht angefasst wird.

Fabio De Masi

In einer Welt, in der das reichste Prozent über die Hälfte des Reichtums verfügt, wird der Ruf nach einer Vermögenssteuer immer lauter. Auch in Deutschland ist das Vermögen extrem ungleich verteilt. Nach Studien besitzen 3300 Superreiche fast ein Viertel des gesamten Finanzvermögens im Land, während ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland von Armut bedroht ist und fast die Hälfte der Menschen über kein Vermögen verfügt.

Abgeordneter kritisiert Machbarkeitsstudie: „Nebelkerze, die EU-Kommission Zeit kaufen soll“

Doch obwohl es danach aussieht, als würde in Brüssel die Idee der Reichensteuer, wie sie auch die Linke schon lange fordert, vorangetrieben. Ökonom De Masi, aufgrund seines Wechsels von der Linken zum BSW selber nicht unumstritten, findet die Bekenntnisse zu schwach und erklärt am Dienstag (10. Juni) gegenüber IPPEN.MEDIA: „Ich halte die Machbarkeitsstudie eher für eine Nebelkerze, die der EU-Kommission Zeit kaufen soll. Es ist für die EU-Kommission schwer zu rechtfertigen, dass im Zuge der Rüstungsausgaben zivile Investitionen und Sozialstaat unter die Räder kommen, aber eine Minderheit von 3000 Milliardären nicht angefasst wird.” 

Der Abgeordnete, der die Linke auch aufgrund Äußerungen Wagenknechts verließ, ist mit der Antwort auf seine parlamentarische Anfrage unzufrieden: „Die Vorschläge der im Auftrag der EU-Kommission tätigen Expertengruppe unter Leitung des renommierten Ökonomen Gabriel Zucman nimmt der EU Steuer- und Klimakommissar Hoekstra nur zur Kenntnis, statt sie aktiv zu unterstützen.“

Oft werde behauptet, mehr Steuergerechtigkeit und Schutz vor undemokratischer Macht der Milliardäre sei aufgrund der Globalisierung nur europäisch denkbar, „es ist aber vielmehr so: Ohne Druck aus den Hauptstädten wird Brüssel nicht liefern, weil die Interessen des großen Geldes gerade in Brüssel besonders stark sind”, kritisiert De Masi.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Leco Viana

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