Handelskonflikt
Brüssel zeigt Trump, wie es geht: So geht die EU gegen China vor
Zwischen Brüssel und Peking bahnt sich ein Deal an: Mindestpreise für E-Autos statt Strafzölle – ein Wendepunkt im globalen Handelskonflikt.
Brüssel – Inmitten globaler Handelskonflikte zeichnen sich Annäherungen zwischen der Europäischen Union und China ab. Laut Mitteilungen beider Seiten prüfen Brüssel und Peking derzeit eine Vereinbarung über Mindestpreise für in China produzierte Elektrofahrzeuge. Diese Mindestpreise sollen die im Oktober 2024 eingeführten Ausgleichszölle der EU ersetzen, wie ein Sprecher der EU-Kommission erklärte.
EU und China verhandeln über Zölle auf Elektroautos
Das chinesische Handelsministerium und die EU-Kommission bestätigten Gespräche auf Ministerebene. Chinas Handelsminister Wang Wentao tauschte sich demnach mit dem EU-Handelskommissar Maros Sefcovic über einen möglichen Kompromiss im Streit um die Einfuhr chinesischer Elektroautos aus.
Laut einem Bericht des Handelsblatts wird ein konkretes Vergleichsmodell diskutiert. Führende chinesische Hersteller von Elektroautos sollen in Europa verstärkt investieren und Technologietransfers ermöglichen. Im Gegenzug würde die EU die derzeitigen Ausgleichszölle durch einen verbindlichen Mindestpreis ersetzen. Chinesischen Produzenten bliebe damit die Differenz zwischen ursprünglichem Preis und Mindestpreis erhalten, was ihnen wirtschaftlichen Spielraum verschaffen könnte.
Bestehende Zollregelungen zwischen der EU und China im Überblick
Die aktuell gültigen EU-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge betragen bis zu 45,3 Prozent. Zusätzlich zu den regulären EU-Einfuhrzöllen von 10 Prozent gelten Aufschläge für Hersteller wie BYD (17,0 Prozent), Geely (18,8 Prozent) und SAIC (35,3 Prozent). Die Maßnahmen sollen laut EU-Kommission Preisverzerrungen durch staatliche Subventionen ausgleichen und faire Wettbewerbsbedingungen auf dem europäischen Markt sichern.
Als Reaktion auf die EU-Zölle hatte China Gegenzölle auf französischen Cognac eingeführt. Diese Maßnahme zielte insbesondere auf einflussreiche europäische Exportbranchen und traf mehrere bekannte Unternehmen direkt. Betroffen sind unter anderem Hennessy, Remy Cointreau und Pernod Ricard, die seit Jahren einen stabilen Absatz im chinesischen Markt verzeichnen.
USA gegen China: Keine Einigung im Zollstreit in Sicht
Die USA und China sind im Vergleich aber noch im großen Zoll-Krieg gefangen. Mittlerweile liegen die US-Zölle auf chinesische Produkte bei 145 Prozent. Das bestätigte ein Mitarbeiter der US-Regierungszentrale in Washington. Bei den früheren Angaben waren laut Wirtschaftswoche bereits eingeführte Zölle in Höhe von 20 Prozent nicht einberechnet, die Trump wegen Chinas Rolle bei der Herstellung der Droge Fentanyl in den vergangenen Monaten erhoben hatte. Im Gegenzug reagiert die chinesische Regierung mit deutlichen Maßnahmen. Wie das Finanzministerium in Peking mitteilte, werden ab Samstag (12. April) Zölle in Höhe von 125 Prozent auf US-Produkte erhoben. Zuvor betrugen diese noch 84 Prozent.
Die EU hatte diese Woche Strafzölle auf US-Produkte ab dem 14. April in Höhe von zehn bis 25 Prozent angekündigt, ruderte aber mit einer 90-tägigen Zollpause wieder zurück – Brüssel verfolgt das Ziel, den Dialog mit Washington aufrechtzuerhalten und eine Eskalation zu verhindern. Mit Material von Reuters.
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