Naht Ende des Ukraine-Kriegs?
Rohstoffdeal zwischen Trump und Selenskyj: Ukraine stellt klare Forderung – und eine Hürde bleibt
Der Rohstoffdeal zwischen Trump und Selenskyj bietet den USA und der Ukraine wirtschaftliche Chancen. Kiew stellt klare Forderungen. Diese Bodenschätze sind im Fokus.
Kiew – Bei den Verhandlungen für einen möglichen Frieden im Ukraine-Krieg zeichnet sich eine Wende ab: Das unterzeichnete Rohstoffabkommen zwischen der Ukraine und den USA könnte den Weg für ein Ende des Konflikts ebnen. Der Deal gewährt US-Präsident Donald Trump bevorzugten Zugang zu ukrainischen Bodenschätzen wie den Seltenen Erden. Mit den Einnahmen wiederum sollen Investitionen in den Wiederaufbau der Ukraine finanziert werden.
Wichtiger Rohstoff-Deal zwischen Ukraine und USA – um diese Bodenschätze geht es
Bei den Seltenen Erden handelt es sich um eine Gruppe von 17 Metallen. Diese werden etwa zur Herstellung von Magneten verwendet. Für Elektrofahrzeuge, Mobiltelefone, Raketensysteme und andere elektronische Geräte sind sie unabdingbar – es gibt keine brauchbaren Ersatzstoffe. Die wissenschaftliche Behörde U.S. Geological Survey stuft 50 Mineralien als kritisch ein, darunter Seltene Erden wie Nickel und Lithium.
Der Deutsche Bundestag hatte bereits 2023 mitgeteilt, dass in den geologischen Komplexen der Ukraine „hunderte Lagerstätten von Metallerzen mit Seltenen Erden“ vergraben lägen. Nach eigenen Angaben verfügt die Ukraine über Vorkommen von 22 der 34 Mineralien, die von der Europäischen Union als kritisch eingestuft wurden. Dazu gehören Industrie- und Baumaterialien, Ferrolegierungen, Edel- und Buntmetalle sowie einige Seltene Erden.
Wichtiger Rohstoff-Deal zwischen Ukraine und USA: Welche Bodenschätze die Ukraine hat
Nach Angaben des ukrainischen Instituts für Geologie kommen in der Ukraine Seltene Erden wie Lanthan und Cer vor, die in Fernsehern und Beleuchtungsanlagen verwendet werden. Neodym, das in Windturbinen und Elektroautobatterien zum Einsatz kommt, liegt ebenfalls im Boden. Hinzu kommen etwa auch Erbium und Yttrium, die in vielen Bereichen benötigt werden – von der Kernkraft bis zu Lasern. Von der EU finanzierte Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass die Ukraine auch über Scandiumreserven verfügt.
Dem Weltwirtschaftsforum nach ist die Ukraine auch ein potenzieller Lieferant von Lithium, Beryllium, Mangan, Gallium, Zirkonium, Grafit, Apatit, Fluorit und Nickel. So soll das Land über eine der größten bestätigten Lithiumreserven in Europa verfügen. Diese werden auf 500.000 Tonnen geschätzt. Diese Materialien werden für Batterien, Keramik und Glas benötigt.
Rohstoffabkommen mit Trump: Welche ukrainischen Ressourcen hat Putin unter Kontrolle?
Die Titanreserven befinden sich vor allem im Nordwesten und in der Mitte des Landes. Lithium wiederum kommt in der Landesmitte vor, aber auch im Osten und im Südosten vor. Grafit – ein wichtiger Bestandteil von Batterien für Elektrofahrzeuge und Kernreaktoren – liegt vor allem im Zentrum und im Westen unter der Erde.
Die Ukraine verfügt zudem über beträchtliche Kohlevorkommen, von denen sich die meisten jedoch in besetzten Gebieten unter russischer Kontrolle befinden. Bergbauanalysten und Wirtschaftsexperten zufolge verfügt die Ukraine derzeit über keine kommerziell betriebenen Minen für den Abbau der Seltenen Erden. China ist der weltweit größte Produzent.
Schätzungen von heimischen Instituten zufolge befinden sich etwa 40 Prozent der Metallvorkommen unter russischer Kontrolle. Eine detaillierte Aufschlüsselung wurde nicht vorgenommen. Russische Truppen sind in der östlichen Region Donezk stetig vorgerückt. Im Januar schloss die Ukraine ihre einzige Kokskohlemine außerhalb der Stadt Pokrowsk, die Moskaus Streitkräfte zu erobern versuche. Russland hat während des Krieges mindestens zwei ukrainische Lithiumlagerstätten besetzt – eine in Donezk und eine weitere in der Region Saporischschja im Südosten. Kiew kontrolliert immer noch Lithiumvorkommen in der zentralen Region Kyrowohrad.
Trump und Selenskyj unterzeichnen Rohstoffabkommen – es gibt eine Hürde
Laut der stellvertretenden Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko erlaubt das Abkommen der Ukraine, „selbst zu bestimmen, was und wo abgebaut wird“. Der Untergrund bleibe im Besitz ihres Landes. Auch gehe die Ukraine keine Schulden gegenüber den Vereinigten Staaten ein. Der Entwurf für das Abkommen enthielt keine konkreten US-Sicherheitsgarantien für die Ukraine, was Kiew ursprünglich angestrebt hatte.
Die Ukraine erhofft sich durch den Deal die Gewinnung kritischer Materialien. Die ukrainische Regierung schätzt das Investitionspotenzial bis 2033 auf etwa zwölf bis 15 Milliarden Dollar. Allerdings gibt es bestimmte Hürden: So sprechen Investoren von ineffizienten und komplexen Regulierungsverfahren sowie Schwierigkeiten beim Zugang zu geologischen Daten und beim Erwerb von Grundstücken. Die Entwicklung solcher Projekte dürfte Jahre dauern und erhebliche Vorabinvestitionen erfordern, warnen Experten. (bohy mit Material von Reuters)
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