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„Viele strukturelle Probleme“

„Alle Register ziehen“: Was die Merz-Regierung beim Bürgergeld beachten muss

Die Merz-Regierung will das Bürgergeld zur neuen Grundsicherung umbauen – und setzt auf Sanktionen. Doch Härte allein reicht nicht, warnt ein Arbeitsmarktforscher.

Nürnberg – Mit der neuen Grundsicherung will die schwarz-rote Koalition zum Prinzip des „Förderns und Forderns“ zurückkehren, so ist es besonders aus Reihen der CDU zu hören. Mit Kanzlerkandidat Friedrich Merz hatte die Union vor allem gegen sogenannte „Totalverweigerer“ gewettert. Im Koalitionsvertrag liegt der Fokus darauf, Mitwirkungspflichten und Sanktionen zu verschärfen. Erwerbslose sollen möglichst schnell in Arbeit kommen – und den Bürgergeld-Bezug damit verlassen.

Bürgergeld-Konflikt zwischen Sanktionen und Förderung „inhaltlich nicht sinnvoll“

Bei der Debatte um eine Neuausrichtung des Bürgergelds „betreiben wir Entweder-oder-Diskussionen“, bemängelte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. „Also entweder mehr Druck, mehr direkte Vermittlung in Arbeit, mehr Verpflichtungen oder mehr Unterstützung und mehr Qualifizierung“, sagte der Ökonom. „Das ist plakativ und leicht zu vermitteln, aber das ist inhaltlich nicht sinnvoll.“

Die Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz will das Bürgergeld zur neuen Grundsicherung umbauen – und dabei vor allem auf Härte setzen. (Montage)

„Man muss alle Register ziehen“, sagte Weber jedoch mit Blick auf die Reform. „Man braucht hinreichende Verbindlichkeit, sprich Verpflichtungen, nötigenfalls auch Sanktionen.“ Man dürfe es jedoch nicht überziehen. „Übermäßiger Druck ist auch nicht gut.“ Man müsse genauso qualifizieren.

„Qualifizierung ist bisher noch gar nicht angestiegen“ – auch nicht im Bürgergeld

Hier sieht Weber noch weiteren Bedarf. „Die Qualifizierung ist bisher noch gar nicht angestiegen, auch nicht in Bürgergeldzeiten“, erklärte der IAB-Forscher. Dabei war die Qualifizierung im Gegensatz zur schnellen Vermittlung in eine beliebige Arbeit das Ziel der Bürgergeld-Reform. Über die individuelle Förderung, festgehalten in den Kooperationsplänen, sollte eine langfristige, besser bezahlte Arbeitsaufnahme ermöglicht werden. Zuvor wechselten Erwerbslose vorwiegend in prekäre Beschäftigung – und rutschten häufig immer wieder in die Arbeitslosigkeit.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

„Hier muss mehr getan werden“, forderte Weber. „Man braucht individuelle Unterstützung, weil die Lebenslagen oft kompliziert sind.“ Die Problemlagen dabei sind sehr unterschiedlich. Das trifft etwa 525.000 Alleinerziehende, die Probleme haben, die Betreuung der Kinder mit einer Erwerbsarbeit zu vereinbaren. Aber es schon bei der Schulbildung los: Im Januar 2025 hatten 330.500 Langzeitarbeitslose keinen Schulabschluss. Etwa zwei Drittel hat dazu keinen formalen Berufsabschluss. 80 Prozent der gemeldeten Stellen richten sich laut Arbeitsministerium jedoch an Fachkräfte.

Neben Qualifizierung muss sich Mehrarbeit in der Grundsicherung stärker lohnen

Dabei könne „man in vielen Fällen nicht davon ausgehen, dass dort sie sofort abrufbaren Fachkräfte nur so auf ihren Einsatz warten“, erklärte Weber. Denn neben der Kostenfrage sollen durch die neue Grundsicherung vor allem Arbeitskräfte gewonnen werden. Doch durch die sogenannten Vermittlungshemmnisse haben die Bürgergeld-Beziehenden häufig keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Weber sieht hier „viele strukturelle Probleme“.

Doch mit Verbindlichkeit und Qualifizierung ist es für Weber noch nicht getan. „Man braucht bessere finanzielle Anreize, damit nicht immer der größte Teil des Geldes angerechnet wird, wenn man seine Arbeitszeit ausweitet“, sagte Weber. Die über 820.000 Erwerbstätigen im Bürgergeld-Bezug bekommen einen Teil ihres Gehalts auf den Regelsatz angerechnet. Wer beispielsweise im Rahmen eines Minijobs bis zu 520 Euro verdient, bekommt damit maximal 184 Euro.

Umbau der neuen Grundsicherung muss mehrere Aspekte vereinen

„Nur im Paket wird etwas daraus“, stellte Weber mit Blick auf die Reform klar. Unabhängig von der Grundsicherung selbst sieht Weber Bedarf beim Ausbau der Kinderbetreuung. „Davon brauchen wir insgesamt mehr, auch für diejenigen, die sonst ihren Erwerbsumfang nicht erhöhen können und deswegen in Sozialleistungen hängen bleiben.“

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/Kay Nietfeld/dpa

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