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Anstieg um mehrere Meter

Schmelzwasser der Antarktis: Wo der Meeresspiegel am deutlichsten ansteigt

Die Antarktis-Schmelze lässt den Meeresspiegel ungleichmäßig ansteigen. Eine Studie identifiziert weit entfernte Regionen als besonders bedroht.

München – Die Karibik versinkt im Meer, während die Antarktis schmilzt – doch das Wasser steigt nicht überall gleich hoch. Eine neue Studie zeigt dramatische regionale Unterschiede beim Meeresspiegel-Anstieg. Forscher der University of Rhode Island haben mit Computermodellen berechnet, wo das Schmelzwasser der Antarktis die größten Schäden anrichtet. Das Ergebnis überrascht: The Conversation berichtet von der Studie, die zeigt, dass ferne Regionen stärker betroffen sind als die Gebiete nahe der Antarktis.

Eine neue Studie zeigt: Die Antarktis-Schmelze lässt den Meeresspiegel ungleich steigen. Die Karibik und der Pazifik sind zukünftig besonders bedroht. (Symbolbild)

„Das Verständnis dessen, was mit der Antarktis-Eisdecke passiert, ist wichtig, weil sie genug gefrorenes Wasser enthält, um den durchschnittlichen Meeresspiegel um etwa 58 Meter anzuheben“, erklären die Studienautoren Shaina Sadai und Ambarish Karmalkar. Der Grund für die ungleiche Verteilung liegt in der Schwerkraft. Die riesigen Eismassen ziehen das Meerwasser an. Schmilzt das Eis, lässt diese Anziehungskraft nach – das Wasser fließt weg von der Antarktis. Andere Forscher zeigten sich überaus besorgt über die Veränderungen in der Antarktis.

Meeresspiegel soll laut Studie dramatisch ansteigen

Die Berechnungen zeigen alarmierende Zahlen für bestimmte Regionen. Bei moderaten Emissionen steigt der Meeresspiegel durch antarktisches Schmelzwasser bis 2200 im Indischen Ozean, Pazifik und westlichen Atlantik um bis zu 1,5 Meter an. Besonders betroffen sind Inselstaaten wie Jamaika oder die Marshall-Inseln. Bei hohen Emissionen wird es dramatisch: Die Studie berichtet von möglichen 4,3 Metern Anstieg bis 2200 – nur durch antarktisches Schmelzwasser. Dazu kommen noch Grönland-Eis und die Wärmeausdehnung des Meerwassers.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Das National Snow and Ice Data Center meldet für die Saison 2024/2025 zunächst überdurchschnittliche Schmelze, die aber früh endete. Starke Schneefälle reduzierten den Beitrag der Antarktis zum Meeresspiegel-Anstieg in diesem Zeitraum. Die Forscher entdeckten überraschende Effekte: Wenn das Eis schmilzt, hebt sich der Untergrund. Durch das Schmelzen können Eisteile aus dem warmen Meerwasser gehoben werden und das Schmelzen verlangsamen.

Die globale Erwärmung kann durch das Schmelzen verlangsamt werden

Außerdem kühlt das kalte Schmelzwasser die Ozeane und bremst so die globale Erwärmung. „Diese Auswirkungen haben Bedeutung für Klimagerechtigkeit, besonders für Inselstaaten, die wenig zum Klimawandel beigetragen haben, aber bereits die verheerenden Folgen des Meeresspiegelanstiegs erleben“, mahnen die Wissenschaftler. Japanische Forscher warnten in der Vergangenheit vor einem bedrohlichen Dominoeffekt im Eis. (Quellen: Nature Communications, theconversation.com, National Snow and Ice Data Center) (rd)

Rubriklistenbild: © Robert Harding/Imago

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