Klimawandel in der Antarktis
Antarktis-Erwärmung: Neue Studie enthüllt alarmierende Entwicklungen
Eine frische Studie enthüllt unerwartete Trends in der Ostantarktis. Doch was liegt hinter den ungewöhnlichen Entwicklungen im Eis?
München – Die Antarktis ist der kälteste, trockenste und windigste Kontinent der Erde. Rund 70 Prozent des weltweiten Süßwassers sind in den massiven Eisschilden eingefroren, die dort lagern. Klimaveränderungen in der Region beeinflussen somit das globale Klimasystem und den Meeresspiegel. Während Küstenregionen der Antarktis besser dokumentiert sind, blieb das Landesinnere lange ein „blinder Fleck“ in der Klimaforschung. Doch eine neue Studie, veröffentlicht in Nature Communications und geleitet von Naoyuki Kurita von der Nagoya University, liefert erstmals umfassende Daten und enthüllt alarmierende Entwicklungen im Inneren der Ostantarktis.
Die Studie zeigt, dass sich das Innere der Ostantarktis schneller erwärmt als ihre Küstenregionen. Basierend auf Daten von drei unbemannten Wetterstationen – Dome Fuji Station, Relay Station und Mizuho Station – stellten die Forscher fest, dass die jährliche Durchschnittstemperatur zwischen 1993 und 2022 um 0,45 bis 0,72 Grad Celsius pro Dekade gestiegen ist. Das übertrifft den globalen Durchschnitt.
Atmosphärische Muster und ihre Verbindung zur Ozeanerwärmung
Die Ursache für diesen Anstieg liegt laut den Forschern in der Veränderung der atmosphärischen Zirkulationsmuster, die durch Temperaturunterschiede im Südlichen Indischen Ozean ausgelöst werden. Diese Veränderungen transportieren warme Luft tief in das Landesinnere der Antarktis. „Während Innenregionen eine rasche Erwärmung zeigen, haben Küstenstationen bisher keine statistisch signifikanten Erwärmungstrends erlebt“, erklärt Professor Naoyuki Kurita vom Institute for Space-Earth Environmental Research der Nagoya University in einer Pressemitteilung auf phys.org.
Das Forschungsteam analysierte meteorologische und ozeanische Daten, um den Ursprung dieser Erwärmung zu verstehen. Die Forscher fanden heraus, dass sich die Erwärmung des Indischen Ozeans ungleichmäßig auf die dortigen ozeanischen Fronten auswirkt – Bereiche, in denen warme und kalte Wassermassen aufeinandertreffen.
Diese stärkeren Temperaturunterschiede führen zu intensiveren Sturmaktivitäten und Veränderungen im Luftdruck. Das Ergebnis: Ein sogenanntes „Dipol-Muster“, bei dem tiefer Luftdruck in mittleren Breiten und hoher Luftdruck über der Antarktis entsteht. Dieses Hochdrucksystem zieht warme Luftmassen in das antarktische Inland. „Die über 30 Jahre hinweg intensiver gewordenen Warmströmungen deuten darauf hin, dass eine erkennbare Erwärmung und Oberflächenschmelze bald auch Küstenregionen wie die Syowa-Station erreichen könnten“, so Kurita weiter.
Unterschätzte Daten und ihre Folgen für Klimamodelle
Die Wissenschaftler verwendeten Wetterdaten von drei unbemannten Stationen, die seit den 1990er Jahren in Betrieb sind. Diese Stationen lieferten monatliche Durchschnittstemperaturen über einen Zeitraum von 30 Jahren. Die Analyse zeigte, dass die Erwärmung im ostantarktischen Inneren nicht nur real ist, sondern in aktuellen Klimamodellen bisher nicht berücksichtigt wird. „Der derzeitige Temperaturanstieg im Inneren der Ostantarktis übertrifft den globalen Durchschnitt, was darauf hinweist, dass bestehende Vorhersagen zur zukünftigen Eisschmelze möglicherweise zu optimistisch sind“, heißt es in der Studie.
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Dringlichkeit, Klimamodelle zu verbessern. Der Mechanismus, der warme Luftmassen tief ins antarktische Inland transportiert, könnte in Zukunft auch die Küstenregionen der Antarktis betreffen. „Das bedeutet, dass die größten Eismassen der Welt schneller auf die globale Erwärmung reagieren könnten, als bisher angenommen“, so die Forscher. Auch ein anderes neues Antarktis-Phänomen alarmiert Forscher.
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