Interview mit Florian Wiesener
„Wir haben Moral gezeigt“: Florian Wiesener zum Aus von Kolbermoors Tischtennis-Damen
Die Bundesliga-Tischtennisspielerinnen aus Kolbermoor mussten dieses Jahr bereits im Viertelfinale ihre Taschen packen. Im Interview äußert sich Betreuer Florian Wiesener zum frühen Aus von Annett Kaufmann und Co.
Kolbermoor – Für Kolbermoors Bundesliga-Tischtennisdamen ist die Saison früher als erwartet, im Viertelfinale geendet. Florian Wiesener, der das Team in den beiden Spielen betreut hat, gibt gegenüber der OVB-Sportredaktion Auskunft, wo die Gründe gelegen haben.
Über eine Woche ist das Ausscheiden im Playoff-Viertelfinale gegen den ttc berlin eastside nun schon her. Wirkt das Aus bei Ihnen und Ihrer Mannschaft noch nach?
Florian Wiesener: Niemand verliert gerne, das ist im Sport ganz normal. In den Tagen nach dem Spiel war die Enttäuschung bei uns allen natürlich spürbar – besonders, weil wir eine ordentliche Leistung gezeigt und durchaus unsere Chancen gehabt haben, auch wenn das Rückspiel-Ergebnis das nicht sofort vermuten lässt. Mittlerweile richtet sich der Blick wieder nach vorne: im Verein auf die kommende Saison, bei den Spielerinnen teilweise schon auf die anstehenden Turniere wie die Weltmeisterschaft, die am Wochenende startet.
Nach dem Hinspiel waren Sie trotz des 5:5-Unentschiedens sehr zuversichtlich.
Wiesener: Wir haben im Hinspiel eine starke Moral gezeigt und uns nach einem 2:5-Rückstand verdient ein Unentschieden erkämpft. Uns war klar, dass wir im Rückspiel ein „Break“ brauchen – also mindestens ein Spiel gewinnen müssen, das wir am Freitag noch verloren hatten. Mit unseren Fans im Rücken hatten wir das Vertrauen, dass uns das gelingen kann. Und speziell im Hinblick auf die japanische Abwehrspielerin Yuko Kaneyoshi, die uns vor dem Hinspiel unbekannt war, waren wir nun deutlich besser vorbereitet. Wir wussten jetzt, wie sie spielt und wie wir von Anfang an taktisch dagegenhalten müssen. Und selbstverständlich muss man in einem Playoff-Rückspiel mit Überzeugung und Selbstvertrauen antreten.
Im Rückspiel lag Ihr Team nach den beiden Eingangsdoppeln wie schon in der ersten Begegnung mit 0:2 zurück. Welche Gedanken kamen da bei Ihnen auf?
Wiesener: Das 0:2 musste natürlich erstmal verdaut werden, vor allem, weil wir nach der gedrehten Doppelaufstellung von Berlin in beiden Partien unsere Chancen hatten. Besonders bei Annett Kaufmann und Hana Arapovic war es extrem eng: Sie konnten sich in den ersten vier Sätzen zwei mit 11:9 sichern, mussten aber auch zwei mit dem gleichen Ergebnis abgeben. Trotzdem war ich weiterhin zuversichtlich. Uns blieben noch drei Möglichkeiten, das nötige Break zu holen. Und dass wir auch nach einem 0:2 zurückkommen können, hatten wir ja bereits im Hinspiel gezeigt.
„Auf dem Niveau ist es dann schwer, das Spiel noch zu drehen“
An was lag es, dass am Ende doch ein 2:6 zu Buche stand?
Wiesener: Wir haben sicherlich keine schlechte Leistung gezeigt. Aber wir haben alle vier Fünfsatz-Matches verloren, das war ein entscheidender Faktor. Oftmals haben wir die einfachen Punkte nicht gemacht, gerade in der Mitte der entscheidenden Sätze, und das hat uns in Rückstand gebracht. Auf dem Niveau ist es dann schwer, das Spiel noch zu drehen.
Wie hat das Team dieses frühe Aus gegen den ttc berlin eastside aufgenommen?
Wiesener: Alle waren enttäuscht, weil sich jede einzelne Spielerin mehr ausgerechnet hatte. Wir hatten unsere Chancen und konnten sie am Ende nicht nutzen.
Wie war die Stimmung nach Spielende in der Kabine?
Wiesener: Es herrschte große Enttäuschung über das Saisonende. Die Saison war aufgrund von Verletzungen und Krankheiten insgesamt nicht einfach, aber diesmal waren diese kein Faktor. In diesem Spiel war mehr drin, wenn wir unsere Chancen besser genutzt hätten. Und wir alle hätten die Saison gerne noch verlängert.
„Während der Spiele liegt mein Fokus auf dem Tisch...“
Sie wurden tatkräftig durch Krisztina Toth unterstützt? Haben Sie sich nur auf die Betreuung Ihrer Begegnung konzentriert oder haben Sie auch immer einen Blick auf das parallel verlaufende Spiel gehabt?
Wiesener: Krisztina Toth bringt als ehemalige Weltklassespielerin und erfahrene Trainerin enorm viel mit, wovon das gesamte Team profitiert. Gemeinsam mit Cheftrainer Dr. Michael Fuchs, Krisztina Toth und mir gelingt es uns, bei nahezu allen Spielen zwei Betreuer zu stellen. Das hilft den Spielerinnen, sich voll auf ihre Aufgaben zu konzentrieren. Während der Spiele liegt mein Fokus auf dem Tisch, den ich betreue – in den wenigen Momenten, in denen es möglich ist, versuche ich aber auch, etwas vom parallel laufenden Spiel mitzubekommen.
Wie waren denn eigentlich die Reaktionen aus dem Umfeld nach dem Spiel?
Wiesener: Unsere Fans und das Team hinter dem Team waren genauso enttäuscht wie wir. Die Unterstützung durch unsere Fans und unsere Sponsoren in dieser Saison war großartig und verdient an dieser Stelle ein großes Dankeschön.