Seit März 2024 im Amt
Zwölf Monate Max Eberl beim FC Bayern: Zeit, um Bilanz zu ziehen
Max Eberl ist nun seit einem Jahr Sportvorstand des FC Bayern. Zeit, um eine Bilanz zu ziehen und die Geschehnisse Revue passieren zu lassen.
München – In den 1980er- und zu Beginn der 1990er-Jahre war Max Eberl Spieler beim FC Bayern. Der große Durchbruch als Profi vermochte dem gebürtigen Niederbayer in München allerdings nicht zu gelingen.
Max Eberl war bereits Spieler beim FC Bayern
Nur ein einziges Pflichtspiel, ein 45-minütiger Einsatz am 19. Oktober 1991 beim 2:3 gegen den VfB Stuttgart, war Eberl im Dress der ersten Mannschaft vergönnt. Erfolgreicher lief es für ihn später beim VfL Bochum, bei Greuther Fürth und letztlich bei Borussia Mönchengladbach.
Bei Borussia wurde Eberl nach seinem Karriereende 2005 Nachwuchskoordinator und später Sportdirektor. Anfang 2022 entschied sich Eberl für eine Auszeit, das Business nagte an ihm, er war erschöpft und erklärte unter Tränen seinen Rückzug. Dass er kein Jahr darauf bei RB Leipzig einstieg, nehmen ihm die Gladbach-Fans bis heute übel.
Es folgte lediglich ein knapp zehnmonatiges Intermezzo bei den Sachsen. Noch in Diensten von RB kokettierte Eberl mit einem Wechsel zum FC Bayern, die Leipziger trennten sich mangels eines klaren Bekenntnisses von ihrem Sportboss. Für Eberl war damit der Weg nach München frei, zum 1. März 2024 trat er die Stelle als Sportvorstand an, die nach dem Aus von Hasan Salihamidžić im Mai 2023 vakant gewesen war.
Die Trainersuche wurde Eberls erste Herausforderung
„Man träumt von so einer Aufgabe“, sagte Eberl zu seinem Amtsantritt in München. Auf seiner ersten Pressekonferenz in neuer Funktion ging es vor allem um ein Thema: die Trainersuche. Die Trennung von Thomas Tuchel zum Saisonende war nur wenige Tage vor Eberls Ankunft beschlossen und verkündet worden. Eberls erste große Aufgabe: einen adäquaten Nachfolger zu finden.
Ob der Sportvorstand da schon ahnte, welchem schwierigen Unterfangen er ausgesetzt war? Zunächst sagte Wunschkandidat Xabi Alonso ab, anschließend auch noch Julian Nagelsmann – und dann noch Ralf Rangnick.
Darüber hinaus wurden weitere Kandidaten von Oliver Glasner über Roger Schmidt gehandelt, sogar ein Comeback von Hansi Flick stand im Raum. Die Trainersuche schien gar kein Ende mehr zu nehmen, da wurde sogar mit Tuchel über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit verhandelt – ohne Erfolg.
Kompany laut Eberl „ein großartiger Trainer“
Die Trainersuche sei „kurios“ gewesen, musste Eberl rückblickend selbst zugeben: „Die eine oder andere Wende hätten wir uns ersparen können.“ Drei Monate dauerte es, ehe Eberl vermeintlich überraschend Vincent Kompany aus dem Hut zog. „Am langen Ende ist es für uns gut ausgegangen. Wir haben einen großartigen Trainer gefunden.“
Mit der mutigen Wahl nahm Eberl ein Risiko in Kauf. Kompany war zwar ein Innenverteidiger von Weltklasse-Format bei Manchester City, als Trainer aber ein Unerfahrener, der im Mai 2024 mit dem FC Burnley den Abstieg aus der Premier League hinnehmen musste. Trotzdem vertraute Eberl seinem Bauchgefühl und holte Kompany nach München.
Vom Belgier scheinen zumindest die Verantwortlichen des FC Bayern unisono überzeugt zu sein. Ob der 38-Jährige auch Erfolg in Form von Titeln bescheren kann, lässt sich erst zum Saisonende bilanzieren: Neben der Meisterschale steht der Champions-League-Titel auf dem Wunschzettel, zumal das Endspiel in der Allianz Arena steigt.
Doch nicht nur die Trainersuche verlangte Eberl in seiner bisherigen Zeit als Bayern-Manager viel ab. „Unsere Philosophie ist es, die bestmöglichen Spieler zum FC Bayern zu bringen“, sagte er zu Beginn. Man wolle „Stars finden“, aber „auch die Entwicklung von Spielern wie (Mathys) Tel fördern“, so der 51-Jährige vor einem Jahr.
Letzteres gelang bis dato nur ungenügend. Zwar reifte Mittelfeldspieler Aleksandar Pavlović zum Nationalspieler, doch Tel wurde im Winter aufgrund unzureichender Spielzeit an Tottenham Hotspur abgegeben; für den Offensivspieler winkt immerhin eine Ablöse von kolportierten 60 Millionen Euro.
So fällt Eberls Transferbilanz beim FC Bayern aus
Eberl kaufte bislang Stars für 149 Millionen Euro und verkaufte Stars für 84,4 Millionen Euro. Während der Transfer von Michael Olise vorwiegend positive Kritik erhielt, da der Offensivspieler wohl inzwischen mehr als die für ihn bezahlten 53 Millionen Euro wert ist, so hinterfragt so mancher Beobachter die Verpflichtung von João Palhinha. Tenor: War es wirklich nötig, über 50 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler auszugeben?
Hiroki Ito wechselte für 23,5 Millionen Euro von Vizemeister VfB Stuttgart nach München, der Japaner kommt nach seinem Verletzungspech erst langsam in Fahrt.
Für den Verkauf von de Ligt schlug Eberl Kritik entgegen
Für den Verkauf von Matthijs de Ligt, der für 45 Millionen Euro an Manchester United abgegeben wurde, schlug Eberl der Gegenwind des eigenen Anhangs entgegen. De Ligt war beim FC Bayern nicht nur Fan-Liebling, sondern unter Tuchel in der Vorsaison noch gesetzt. Eberl rechtfertigte den Verkauf de Ligts damit, dass man ja Vertrauen in Dayot Upamecano und Min-jae Kim habe. Das Innenverteidiger-Duo wirkt jedoch immer wieder fehleranfällig und gilt damit nicht zu Unrecht als umstritten.
Einer, der womöglich die gewünschte Stabilität in der Abwehr gebracht hätte, wäre Jonathan Tah gewesen. Eberl verhandelte über einen möglichen Transfer, der letztlich aus Kostengründen scheiterte. Leverkusens CEO Fernando Carro polterte: „Ich halte von Max Eberl nichts – überhaupt nichts. Und ich würde nicht mit ihm verhandeln.“ Kurz darauf entschuldigte sich Carro für seine Äußerung.
„Es ist nichts Schlimmes, es wird diskutiert, verhandelt, versucht“, sagte Eberl. In der Transferposse fühlte er sich „durch den Kakao gezogen“.
Eberl hat Probleme, Großverdiener zu verkaufen
Den Auftrag, Großverdiener wie Leon Goretzka und Kingsley Coman zu verkaufen, um zu die Gehaltskosten zu senken, konnte Eberl bisher nicht erfüllen. Goretzka entschied sich trotz seiner prekären Lage im Sommer 2024 für einen Verbleib beim FC Bayern. Coman lehnte einen Abschied Richtung Saudi-Arabien im Spätsommer doch noch ab und blieb in München.
Seit seinem Amtsantritt befindet sich Eberl in schwierigen Verhandlungen. Zuletzt betraf dies vor allem die Personalien Alphonso Davies und Jamal Musiala. Für die Vertragsverlängerungen der beiden Stars schnürte der FC Bayern beachtliche Pakete. Im Fall von Musiala war es nach Informationen von fussball.news, dem Fußball-Portal von IPPEN.MEDIA, aber nicht Eberl, sondern der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen, der die Verhandlungen federführend zum Abschluss brachte.
Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars




Einer Herausforderung sieht sich Eberl dieser Tage gegenübergestellt: der Vertragsverlängerung mit Joshua Kimmich. Eine Entscheidung sollte schon nach Weihnachten fallen, nun zögert der Mittelfeldspieler noch immer, weshalb der FC Bayern sein Angebot vorerst zurückgezogen hat und eine Grundsatzentscheidung fordert.
Der auslaufende Vertrag mit Manuel Neuer wurde derweil verlängert. Bei Eric Dier und Leroy Sané liegt die Entscheidung beim Klub. Bei Thomas Müller stellt sich die Frage, ob er seine Karriere überhaupt fortsetzen will.
Und wie bewertet Eberl seine Arbeit der letzten zwölf Monate? „Eine Note gebe ich mir nicht“, so der Sportvorstand, die Note sollen ihm andere geben. Klar ist nur: Es sei für Eberl bislang eine Zeit gewesen, die „sehr aufregend und sehr intensiv, aber auch mit Glücksmomenten versehen war, wenn ich an unsere Trainerwahl denke“.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Silas Schueller/DeFodi Images



