Als 18-Jähriger gleich Stammkeeper in der Fußball-Landesliga? Diese kaum vorstellbare Geschichte schreibt derzeit der Schneizlreuther Christoph Gruber beim SB Chiemgau Traunstein.
von Martin Emig
Traunstein – Spätestens zum Karriereende von Issa Ndiaye im vergangenen Sommer waren die Verantwortlichen des SB Chiemgau Traunstein gefordert, adäquaten Nachersatz auf der Torwartposition zu präsentieren. Das gelang zunächst in Person des 35-jährigen Stefan Schönberger. Der routinierte Schlussmann kam vom Lokalrivalen ESV Freilassing. Am letzten Tag des Wechselfensters, dem 31. August, holten die Traunsteiner außerdem Christoph Gruber zurück vom SV Wacker Burghausen. Dort hatte er seit seinem Weggang aus Traunstein in den vergangenen drei Jahren die Jugendmannschaften durchlaufen, war dort zuletzt aber mit einer schwierigen, sportlichen Situation konfrontiert.
Seit Mitte September stand Gruber nun bereits in neun Landesliga-Partien zwischen den Pfosten und spielte dabei trotz 15 Gegentoren immerhin dreimal zu null. Vor und nach dem unglücklichen Last-Minute-Knockout gegen den VfB Hallbergmoos-Goldach (2:3) hat sich beinschuss.de-Mitarbeiter Martin Emig nicht nur mit Christoph Gruber selbst, sondern auch mit dem Sportlichen Leiter des SBC, Kilian Lehrberger, und Aktivcoach Gentian Vokri über den 2-Meter-Hühnen unterhalten.
Traunstein: Schneizlreuther Gruber ist SBC-Torwart in der Fußball-Landesliga
Kilian, wie siehst Du die Entwicklung von Christoph Gruber?
Kilian Lehrberger (Sportlicher Leiter, SBC Traunstein): „Wir sind sehr froh, dass wir Christoph am Deadline-Day von der Wacker-U19 verpflichten konnten. Christoph war schon immer ein brutal fleißiger Spieler. Der ist immer im Training, gibt 100 Prozent und möchte immer weiterkommen. Er hat sich die letzten Jahre sehr gut gemacht. Man sieht, dass er in Burghausen eine TOP-Ausbildung genossen hat. Was er trotz seines jungen Alters schon für eine Sicherheit ausstrahlt und unserer Mannschaft damit wahnsinnigen Rückhalt gibt, ist schon bemerkenswert.“
Da kommen ihm natürlich seine zwei Meter Körpergröße zugute. Trotzdem Kilian, gibt es da intern keine Diskussionen, einem so jungen Keeper das Vertrauen in der Landesliga zu schenken? Schließlich habt Ihr ja auch mit Stefan Schönberger einen sehr erfahrenen Mann verpflichtet, der dann für Christoph auf die Bank weichen musste.
Kilian Lehrberger (Sportlicher Leiter, SBC Traunstein): „Keine Sorge, das haben wir freilich von vornherein intern besprochen. Vielmehr hat uns Stefan bei seiner Verpflichtung bereits aufgefordert, uns auch um einen jungen Torwart zu bemühen, damit sich ein gutes Team entwickelt. Du hast es gesagt, Stefan bringt die Erfahrung mit, die er auch gerne weitergibt. Der Stefan ist ein ganz toller Charakter bei uns und gönnt dem Christoph wirklich jeden Einsatz. Gleichzeitig sind wir uns einig, dass ein 18-Jähriger die Zukunft noch vor sich hat und der SBC vielleicht nicht seine letzte Station im Fußball bleibt.“
Auch Spielertrainer Gentian Vokri hat nur lobende Worte für das Torwarttalent übrig: „Ich bin natürlich happy, dass sich Christoph für uns entschieden hat. Für sein junges Alter ist er schon sehr reif. Deshalb ist er nicht nur sportlich eine klasse Verstärkung für unsere Truppe.“ Auf Nachfrage unterstreicht auch der 26-jährige Vokri die Worte seines Sportlichen Leiters: „Der Fakt, dass wir Christoph kurz nach seiner Verpflichtung das volle Vertrauen im Tor schenken, wurde intern offen diskutiert und kommuniziert. Christoph bekommt dabei volle Rückendeckung, nicht nur von Stefan Schönberger, sondern von allen Spielern und Vereinsverantwortlichen.“
Und was sagt das Schneizlreuther Torwart-Juwel zu seinem „Last-Minute-Wechsel“ aus der Wacker-U19 in die Herren Landesliga?
Christoph Gruber (Torwart, SBC Traunstein): „Wenige Tage vor Ende der Wechselfrist hat sich Kilian Lehrberger bei mir gemeldet. Er hat mir die Planungen des SBC auf der Torwartposition vorgestellt und schließlich gefragt, ob ich Bock auf einen Wechsel hätte.“
Wie war Deine Perspektive in Burghausen zu der Zeit?
Christoph Gruber (Torwart, SBC Traunstein): „Schwierig. In der Jugend war es nicht mehr garantiert, dass ich zu entsprechenden Einsatzzeit komme. Der Weg hoch in den Herrenbereich war noch schwieriger, weil dort ein junger Ersatztorwart von außen geholt wurde. So stand ich dann vor der Entscheidung, im Burghauser Jugendbereich zu bleiben oder beim SBC den Schritt in den Herrenbereich zu wagen. Im Nachhinein gesehen hab‘ ich mich genau richtig entschieden.“
Du kennst den Verein aus Deiner früheren Jugendzeit. Hat sich die letzten Jahre was verändert und wie wurdest Du aufgenommen?
Christoph Gruber (Torwart, SBC Traunstein): „Es herrschen nach wie vor TOP-Bedingungen, das Umfeld ist sehr professionell und angenehm. Wir sind alles junge Spieler. Vom ersten Training weg wurde ich richtig gut und sympathisch aufgenommen. Mir taugt’s sehr gut. Jetzt muss nur noch sportlich ein wenig mehr Konstanz rein, dann sind wir auf einem guten Weg.“
beinschuss.de wünscht Christoph Gruber eine lange, verletzungsfreie Torwartkarriere mit möglichst wenig Gegentoren. (mem)