„Prädestiniert gesehen, dass wir mithalten können“
Fußball-Wahnsinn in Traunstein: SBC gleicht spät aus und kassiert noch den Knockout
Ein Drehbuchautor hätte den Overtime-Thriller, der sich am nasskalten Freitagabend (14. November) im Traunsteiner Jakob-Schaumaier-Sportpark zutrug, nicht dramatischer schreiben können. Nach einem frühen 0:2-Rückstand glich der SB Chiemgau gegen den VfB Hallbergmoos-Goldach in der Nachspielzeit aus und musste quasi mit dem Schlusspfiff doch noch den Nullpunkte-Stoß hinnehmen. Dabei hatte bis zur 44. Spielminute gar nichts auf einen möglichen Traunsteiner Punktgewinn hingedeutet.
Traunstein – Die Gäste traten vor knapp 400 Zuschauern von Beginn an dominant auf und ließen zunächst keinerlei Zweifel an ihren Ambitionen an einen Bayernliga-Aufstieg aufkommen. Top-Stürmer Emil Kierdorf entwischte bereits in der zweiten Minute der noch schläfrigen SBC-Abwehr. Nachdem er Torwart Christoph Gruber umkurvt hatte, verlor er die Balance und setzte das Leder rechts am leeren Kasten vorbei. Fünf Minuten später verfehlte Andreas Kostorz mit einem flachen 18-Meter-Strich haarscharf das Traunsteiner Gehäuse.
Während sich die Gastgeber vorerst nur mit langen Bällen Luft verschaffen konnten, kam VfB-Offensivmann Moritz Sassmann in der 15. Minute im linken Mittelfeld an den Ball. Nahezu ungehindert marschierte er an vier Traunsteinern vorbei und verwandelte aus 17 Metern Torentfernung links unten – Gruber war machtlos. Genauso als sechs Minuten später Emil Kierdorf alleine von rechts außen, lediglich flankiert von der SBC-Abwehr, in den Strafraum eindringen durfte und Gruber im Eins-gegen-Eins das Nachsehen gab – 0:2 (21.). Ausgerechnet Kierdorf, der vor einigen Jahren als Schüler auf Gut Ising bei der U17 des SB Chiemgau mittrainierte und sogar eine Zweitspielberechtigung besaß.
Traunstein: Fußball-Wahnsinn beim SBC in der Landesliga Südost
Mit dem Vorsprung ließ der Tabellen-6. die Zügel etwas lockerer und überließ den Hausherren etwas mehr Raum im Mittelfeld, ohne dabei jedoch eine Torchance zuzulassen. Umso überraschender der Anschlusstreffer kurz vor der Pause. Aktivcoach Gentian Vokri schickte mit einem brillanten Steilpass durch die Abwehr Michael Steinbacher links außen in die Box. Dessen Querpass blockte die VfB-Defensive erneut dem nachgerückten Vokri vor die Füße, der die Kugel von der Strafraumkante aus mit einem feinen Schlenzer halbhoch ins lange Eck verwandelte - 1:2 (44.).
„Unser Matchplan, Druck auf die gegnerischen Linien auszuüben, ging erst in der zweiten Halbzeit auf“, resümierte Vokri nach Spielende am beinschuss.de-Mikrofon. Nach der Pause habe man das Spiel dann mehr und mehr unter Kontrolle gebracht. Kierdorf musste aufseiten der Gäste verletzungsbedingt in der Kabine bleiben. Plötzlich übernahmen die Gastgeber deutlich das Zepter und traten nun mutiger und mit aggressiverer Körpersprache als in Durchgang eins auf. Besonders Patrick Dreßl und Michael Steinbacher beschäftigten ihre Gegenspieler über links außen. Zwingende Abschlussmöglichkeiten blieben vorerst trotzdem aus. Insbesondere Sturmspitze Julian Höllen war bei der VfB-Abwehr bis dahin bestens abgemeldet. Auf der Gegenseite prüfte Simon Werner SBC-Keeper Gruber, Dreßl klärte schließlich in letzter Not (63.).
Erst in der 80. Minute ereilte den SBC die zweite Luft. Endlich schüttelte Höllen seinen Gegenspieler ab, seine Hereingabe auf Kranzfelder war jedoch zu scharf, die Kugel prallte hoch über die Latte. Schiedsrichter Maximilian Prechtl verordnete sieben Minuten Nachspielzeit. Erneut tankte sich Höllen über rechts an der Torauslinie entlang durch. Seine Ablage zur Mitte konnten die Gäste zunächst nicht zwingend klären. Vokri setzte erfolgreich nach, sodass der Ball über Umwege bei Mihael Paranos landete, der ihn zum viel umjubelten Ausgleich in die Maschen setzte (2:2, 92.).
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„Heute hat man prädestiniert gesehen, dass wir auch mit den oberen Mannschaften mithalten können. Aber wenn Du hinten drinstehst und das Glück nicht hast, dann läuft’s meistens in die falsche Richtung“, fasste Spielertrainer Vokri die Geschehnisse in der Overtime zusammen. Zwei Minuten nach dem Ausgleich drang Höllen in den Strafraum ein und verlud seinen Gegenspieler. Beim Abschlussversuch zum erhofften Siegtreffer störte ihn gerade noch Gäste-Spielertrainer Andreas Giglberger, der sich unmittelbar zuvor selbst eingewechselt hatte.
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Die letzte Minute der Nachspielzeit war angebrochen, als der Giglberger-Elf, die in der zweiten Spielhälfte nur einmal zwingend vor Christoph Gruber aufgetaucht war, eine Ecke zuteilwurde. Und eiskalt nahm der Bayernliga-Aspirant die allerletzte Möglichkeit auf den Auswärtssieg wahr. In der Mitte war Simon Werner seinem Bewacher entwischt. Mit dem Kopf machte er einen sicherlich verdienten Punkt der Hausherren zunichte. Erneut war Gruber im Tor machtlos (2:3, 97.). „So ist Fußball. Das passiert und da mach’ ich dem Team überhaupt keinen Vorwurf“, sagt Gentian Vokri und blickt dennoch zuversichtlich nach vorne. „Wir möchten jetzt gegen Dornach und Karlsfeld vor der Winterpause maximal punkten, um dann ein wenig ruhiger ins Frühjahr gehen zu können.“ (mem)