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„Tut weh“

Denkwürdige Konfrontation in Traunstein: beinschuss.de stellt SBC-Leitung die unbequemen Fragen

Kilian Lehrberger (links) und Massimo Tonon (rechts) im Kreuzverhör von beinschuss.de.
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Kilian Lehrberger (links) und Massimo Tonon (rechts) im Kreuzverhör von beinschuss.de.

Im großen Frühjahrsinterview stellt sich die Sportliche Leitung des SBC Traunstein, um Kilian Lehrberger, Stefan Mauerkirchner und Massimo Tonon, den unbequemen Fragen von beinschuss.de. Klar wurde: Hinter den Kulissen bewegt sich beim SBC mehr, als die aktuellen Tabellenplätze vermuten lassen.

von Rudi Mayer

Traunstein – Im allgemein bekannten „Sportlerbräu“ im Jakob-Schaumaier-Sportpark des SBC Traunstein zu einem sehr umfangreichen und denkwürdigen Exklusiv-Interview mit der sportlichen Leitung Fußball, um Kilian Lehrberger (Sportlicher Leiter), Stefan Mauerkirchner (stellv. Sportlicher Leiter) sowie Massimo Tonon (Kleinfeldleiter U6–U14) und beinschuss.de.

Denkwürdig deshalb, weil in einem Redekontext sehr tiefgründige Fragen an die verantwortlichen Personen gestellt wurden, die bis dahin in dieser Intensität noch nicht bekannt waren. Im Laufe des Abends entwickelte sich daraus eine sehr offene und für unsere interessierten Leser sehr informative Unterhaltung, die an Spannung nicht zu überbieten war.

SBC Traunstein: Interview mit Sportlichem Leiter Kilian Lehrberger

Kilian Lehrberger – ein Begriff in unserer Region! Du bist Konrektor an der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule zu Traunstein und Fußballlehrer in einer Person, aktuell noch sportlicher Leiter des Landesligateams SBC Traunstein, wie auch Gesamtleiter des dortigen Leistungszentrums (Anm.der Redaktion: Der Begriff NLZ Nachwuchsleistungszentrum sind geschützte Begriffe des DFB und BFV und wurden dem SBC Traunstein als Bezeichnung aberkannt). Kilian, wenn du dich einmal selbst beschreiben könntest unter Zugrundelegung eines deiner Leitsätze: „Erfolg ist kein Glück“ – was sind dabei die Hauptmerkmale deines Charakters?
Kilian Lehrberger: Ich würde schon von mir behaupten, dass ich zielstrebig und fleißig unter Anwendung emphatischer Gesichtspunkte meinen an mich gestellten Aufgaben nachgehe. Meinen Leitsatz „Erfolg ist kein Glück“ begründe ich mit meiner langjährigen Erfahrung im Jugendbereich, dass diejenigen, die im Training immer Vollgas geben, irgendwann die vermeintlichen und hochgelobten Toptalente im Leistungsspiegel nach dem Motto „Ehrgeiz frisst Talent“ überholen werden. In diesem Zusammenhang ist es für mich immer sehr wichtig, den jungen Menschen in ihrer Entwicklungsphase zu vermitteln, ihr eigenes Leben mit aller sich bietender Konsequenz selbst in die Hand zu nehmen und ständig Gas zu geben.
Ein kleiner Rückblick in deine sportliche Vergangenheit! Du hast den SV Unterwössen in der Saison 2017/18 auf dem viertletzten Platz in der B-Klasse als verantwortlicher Cheftrainer übernommen und innerhalb von nur vier Jahren über die A-Klasse bis in die Kreisklasse geführt. Bezüglich dem, was du damit in Unterwössen aufgebaut hast – tut dir das persönlich weh, wenn man den direkten Abstieg mit nur einem Punkt und gar die zwischenzeitliche Auflösung der Seniorenmannschaften deines ehemaligen Vereins verfolgen muss? Denn: Du bist unmittelbar nach dem Aufstieg zum SBC Traunstein gewechselt?
Lehrberger: Ja Rudi, da liegst du mit deiner Vermutung absolut richtig! Mir tut das auch heute noch sehr weh, denn ich habe den leider negativen Verlauf des SV Unterwössen der letzten beiden Jahre sehr interessiert und aufmerksam verfolgt. Ich hatte in Unterwössen eine unfassbar schöne Zeit und denke, dass nach dem Aufstieg in die Kreisklasse ein anderes Saisonziel hätte gewählt werden müssen.
2023 hast du als Gesamtleiter des LZ SBC Traunstein angeheuert! Was waren hierfür die Gründe und wie kam das damals zustande?
Lehrberger: Nach sechs Jahren Unterwössen war für mich ganz einfach die Zeit gekommen, eine neue Herausforderung anzunehmen! Zum damaligen Zeitpunkt überschnitt sich das mit einem aussichtsreichen Telefonangebot zur Übernahme des LZ SBC Traunstein von unserem Abteilungsleiter Uli Habl. Die Vorstellung, hier in Traunstein im Nachwuchsbereich etwas zu bewegen und einen neuen Schwung reinzubringen, hat mich letztendlich überzeugt und angespornt, diese Aufgabe anzunehmen. Ich bin jedoch schon nach relativ kurzer Zeit zu der Erkenntnis gelangt, aufgrund dessen, dass wir mit der U15 aus der BOL (Bezirksoberliga) abgestiegen waren und die U14 aus Spielermangel gar ganz abmelden mussten, den gesamten Jugendbereich erst einmal zu stabilisieren. Das war so der Zeitraum, wo ich durch meinen intensiven persönlichen Einsatz kräftemäßig sehr an meine Grenzen gekommen war. Das alles irgendwie hinzubekommen, hat mir sehr viel Kraft abverlangt.
Mit deiner Übernahme des LZ kam auch sogleich eine sehr umstrittene Entscheidung auf deinen Tisch, nämlich die Aberkennung, bzw. die Aufgabe eures NLZ als BFV-Stützpunkt!  Wie kritisch siehst du heute diese Entwicklung, und sind die vom BFV vorgegebenen und zu erfüllenden Voraussetzungen mit Spielbetrieb nur in den obersten, höchsten Klassen nicht ein wenig übertrieben?
Lehrberger: Den Zeitpunkt der Aberkennung habe ich bis heute nicht verstanden! Es hätte vonseiten des BFV, vor allem aber vor meiner Zeit, Gründe und Gelegenheiten gegeben, die Aberkennung durchzuführen, aber nicht nachdem wir mit viel Mühe und Einsatz die Stabilisierung innerhalb der Jugendabteilung erfolgreich umsetzen konnten. Zumal wir mit dem DFB-Koordinator ständig in Kontakt standen und er uns auch immer wieder bestätigte, wir wären auf einem guten Weg. Dass wir dann, nur um die Statuten des BFV zu erfüllen, die Hälfte unserer Mannschaften nach Hause schicken und bei anderen Vereinen die besten Spieler abwerben, um auf Teufel komm raus in der Landesliga oder Bayernliga zu spielen, kam für uns überhaupt nicht infrage. Aus diesem Grund haben wir der Aberkennung der NLZ-Bezeichnung vom BFV zwar zähneknirschend, aber doch mit viel Vernunft zugestimmt.
Im vergangenen September hast du noch zusätzlich von Stefan Hafner den sehr verantwortungsvollen Job eines sportlichen Leiters in Zusammenarbeit mit Stefan Mauerkirchner übernommen! Wenn man sich dieses Personal-Duo einmal etwas genauer betrachtet, stellt man unweigerlich fest, dass hier im Verbund ein über viele Jahre erfolgreicher Trainer und einer der besten Stürmer, den Südostbayern hervorgebracht hat, mit geballter Kraft für den SBC Traunstein in Verantwortung stehen. Meine ehrfürchtige Frage an dich: Was habt ihr vor, was sind eure Ziele mit so viel Power?
Lehrberger: Wir sind nicht nur Kilian Lehrberger und Stefan Mauerkirchner, die jetzt als neue sportliche Leitung den SBC Traunstein komplett umkrempeln und nur noch Erfolge feiern. NEIN, wir sind ein ganzes Team von erfahrenen Personen, dem Stefan und meine Wenigkeit nur vorstehen. Es ist unser Ziel, gemeinsam und bodenständig über die mittelfristig gesehenen Etappenaufgaben wie Stabilisierung der Landesligamannschaft mit überwiegender Integrierung eigener Nachwuchsspieler und der damit verbundenen Popularitätssteigerung des Vereins nach außen hin wirksam in die Tat umzusetzen. Es soll wieder so sein, dass die Fans und Zuschauer registrieren, dass sich hier beim SBC Traunstein etwas tut, und dazu gerne in die Schaumaier-Arena kommen, um einen schönen und zugleich spannenden Nachmittag im Kreise ihrer Familien zu erleben. Dass das aber kein Prozess von heute auf morgen ist, sondern über viele Monate, gar Jahre, muss auch jedem verständlich vermittelt werden, wozu sinngemäß dieses Interview mit beitragen soll.
Mit deiner Verpflichtung zum sportlichen Leiter kehrten auch ganz spontan die ersten Erfolgsmeldungen bezüglich Neuverpflichtungen für eure Landesligamannschaft – mit den Spielern Kenan Smajlovic vom FC Kufstein, Fabian Weindl vom österreichischen Regionalligisten SV Seekirchen und Lukas Hauser vom TSV Peterskirchen – an die Schaumaier Arena zurück. Einmal ganz provokativ gefragt – hätten solche Aktionen nicht schon viel früher getätigt werden müssen, oder war damit dein Vorgänger Hafner schlichtweg überfordert?
Lehrberger: Generell gesagt weiß man es nachher immer besser! Natürlich hätte man diese Transfers schon früher machen können, aber daraus jemandem im Nachhinein einen Vorwurf zu stricken, wäre nicht fair dem Gegenüber, der damals in der Verantwortung stand und mit Sicherheit auch aus bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat. Die Frage stimmt nicht ganz, es war nicht mein erster Transfer, denn schon im vergangenen Sommer ist es uns gelungen, einen neuen Torhüter mit Christoph Gruber von Wacker Burghausen zu verpflichten. In der Winterpause war uns allen klar, dass wir viel zu wenig Tore schießen und einem jungen Stürmer wie Michael Steinbacher oder auch Julian Höllen die alleinige Verantwortung für unsere Torerfolge in der Landesliga nicht auf die Schultern legen können. Eine junge und talentierte Mannschaft zu haben, ist das eine, aber sie muss auch maßgeblich von tragenden Säulen in Form von erfahrenen Spielern bestehen, die das ganze Team über 90 Minuten führen und leiten können. Dem gegenüber sind wir nachgekommen und konnten vor wenigen Wochen den Transfer von Kenan Smajlovic und Lukas Hauser erfolgreich abschließen.
Erst kürzlich hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einem hohen Funktionär eines höhergestellten Bayernliga-Vereins! Er meinte, dass der SBC Traunstein völlig unterdimensioniert in der Landesliga Südost „herumdümpelt“, anstatt als Kreisstadt mit einer hervorragenden Sportinfrastruktur in der Bayernliga, bzw. in der Regionalliga seine Fans in der Fußballregion zu erfreuen. Was ist deiner Meinung nach dran an diesem „freundlichen“ und nicht böse gemeinten Vorwurf?
Lehrberger: Dem stimme ich absolut zu! Eine starke Stadt wie Traunstein, mit diesem Wirtschaftshintergrund und mit dieser Sportinfrastruktur, da muss mehr möglich sein! Wir alle arbeiten momentan sehr hart an diesen Veränderungen, die Resultate daraus müssen sich nicht sofort in Ergebnissen spiegeln, sondern vielmehr sollten die Ergebnisse in der Entwicklung wahrnehmbar sein. Es gilt jetzt im Verein mit Vorstand, Wirtschaftsbeirat, Sponsoren, Spielern und auch Eltern, die Kräfte so zu bündeln, dass daraus das entsteht, was sich viele Sympathisanten, Fans, Zuschauer und Gönner von diesem wunderbaren Verein für die Zukunft wünschen und vorstellen.
Kilian, eine abschließende Frage an dich: Der TSV Siegsdorf nimmt für sich in Anspruch, ein „außergewöhnliches“ Jugendfußball-Konzept als absolute Neuheit in unserer Region zu präsentieren! Da ist die Rede von einer „Trainingsphilosophie Deutschland“, die bei den Jugendlichen Anwendung findet. Was ist denn deine persönliche Meinung dazu als erfahrener Leiter des LZ: Trifft diese Behauptung überhaupt zu und siehst du darin unsere fußballerische Zukunft?
Lehrberger: Prinzipiell muss ich sagen, ist es eine ganz tolle Sache, wenn, wie hier beim TSV Siegsdorf geschehen, sich Menschen zusammensetzen und ein Konzept für eine neue Jugendförderung entwickeln. So was ist immer als sehr positiv zu bewerten. Ein Konzept ist dann aber auch immer nur so gut, als dass es ständig weiterentwickelt wird! Ob es dann letztlich den Erfolg bringt, ist meiner Meinung nach immer mit der Qualität jedes einzelnen Trainers eng verbunden, der in einer solchen Jugendförderung unter Anwendung der entsprechenden Trainingsphilosophie das auch entsprechend umsetzen kann. Mir ist das System vom DFB her wohlbekannt und es kann auch in allen Vereinen Anwendung finden. Wir verfolgen im Gegensatz zu Siegsdorf eher den anderen Ansatz, weil wir in unserer Jugendförderung mehr dem ambitionierten Leistungssport den Vorrang geben.

Traunstein: SBC-Interview mit stellv. Sportlichem Leiter Stefan Mauerkirchner

Stefan, mit dir kommt ein neues, aber zugleich altes Gesicht zum SBC Traunstein! Du bist nach dem Ausscheiden als Chefcoach beim TSV Siegsdorf im Oktober 2024 und einer relativ langen Findungsphase von fast einem Jahr wieder bei deinem Heimatverein eingetroffen. Was hat dich dazu bewegt, hier beim SBC den Posten eines stv. Sportlichen Leiters anzunehmen, und wie ist das abgelaufen?
Stefan Mauerkirchner: Nach einem Jahr Pause und einer beruflichen Veränderung musste ich bei einem Anruf von Uli Habl nicht lange überlegen, ob ich mich zusammen mit Kilian Lehrberger für den SBC Traunstein in der sportlichen Leitung einbringen wolle. Es ist eine absolute Herzensangelegenheit für mich, ich habe die schönsten Zeiten meiner aktiven Laufbahn, u. a. als wir in der Bayernliga spielten, hier in diesem Verein erleben dürfen, und von daher gab es kein Wenn und Aber.
Eine Sportskanone namens „Maui“, geboren als Skorpion im Jahr, als Werder Bremen Deutscher Meister wurde, in 248 Pflichtspielen 122 Tore, davon alleine für den SBC Traunstein 82 Goals eingenetzt! Stefan, gab es, oder besser gesagt gibt es heute mit deinen 32 Jahren bei dir Momente, wo du sagst: Das würde ich heute völlig anders machen, da habe ich Mist gebaut, wie z. B. bei der Vertragsauflösung beim Regionalligisten TSV Buchbach?
Mauerkirchner: Also dein Leistungsspiegel war mir bis heute gar nicht so bewusst, es ist aber schön, dies so mit anderen Ereignissen aus der Zeit vor Augen zu haben. Das ist mal was anderes, das liest sich wirklich interessant. Grundsätzlich möchte ich von mir behaupten, keine gravierenden Fehler in meiner Laufbahn gemacht zu haben. Sicherlich war das eine odere andere dabei, wo ich es, wenn es nicht so lief wie erwartet, aber eher als weitere Erfahrung als einen Fehler bezeichnen möchte. Meine Zeit beim TSV Buchbach war eine überaus wertvolle Erfahrung, die ich keinesfalls missen möchte, aber nach einem Jahr von selbst die Konsequenzen aufgrund des enorm hohen Aufwandes an Zeit gezogen habe.
Du arbeitest in enger Verknüpfung mit Kilian zusammen! Du hast den Auftrag erhalten, ein Netzwerk aufzubauen, um, sagen wir es in gut Deutsch, talentierte Spieler anderer Vereine für den SBC anzuwerben. Verfügst du in Ausübung deiner Tätigkeit als „Scout“ über einen von Sponsoren gestützten finanziellen Etat und hast du keine Bedenken, dass dir bei Sichtungen auf fremden Sportplätzen mal eine Flasche Bier hinterherfliegt?
Mauerkirchner: Als direkten Scout würde ich mich jetzt weniger bezeichnen, sondern vielmehr als Vermittler für talentierte Spieler aus dem näheren Umkreis, denen wir eine Art Plattform bieten wollen, einen höherklassigen Fußball zu spielen und sich mit den Besten zu messen. Wir legen dabei einen sehr großen Wert auf die Mentalität dieser talentierten Spieler, denen aus innerer Überzeugung und Tatendrang heraus eine persönliche Leistungssteigerung im Fußball wichtiger als Geld erscheint. Natürlich verfügen wir über einen begrenzten Etat, aber der sollte in erster Linie bei einem Vereinswechsel zweitrangig sein. Die innere Gier nach „Ich will ein besserer Fußballer werden“ sollte dabei immer im Vordergrund stehen.
Mit der Neubesetzung der sportlichen Leitung, die von Abteilungsleiter Uli Habl ins Leben gerufen wurde, werden natürlich große Erwartungen in das Duo Lehrberger/Mauerkirchner gesetzt! Stefan – bist du dir deiner Verantwortung bewusst, hast du das dazu notwendige Herzblut und traust du dir zu, durch dein Mitwirken dem Verein in der Landesliga Südost eine entscheidende Wende zu geben?
Mauerkirchner: Die sportliche Leitung Lehrberger/Mauerkirchner steht für ein Miteinander zum sportlichen Erfolg des SBC Traunstein. Es arbeiten nicht nur wir beide, sondern wir sind eine große Gemeinschaft von Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, zusammen mit dem Trainerteam und jedem einzelnen Spieler der Mannschaft eine entscheidende Wende einzuleiten. Auf deine Frage, ob ich dazu das notwendige Herzblut dafür aufbringe, kann ich nur zur Antwort geben: Ich wäre fehl am Platze, wenn dem nicht so wäre. Abschließend gesagt, kann ich nur bestätigen, dass wir die Weichen für eine Wende gestellt haben, und bin mir auch absolut sicher, dass wir mit unserem Aufbruch wieder zum Erfolg zurückkehren werden.
Eine letzte und zugleich lustige Frage an dich: Weißt du noch, was am 21. August 2021 um 17.42 Uhr beim Spiel TSV Siegsdorf gegen den VfB Forstinning hinsichtlich deiner Person als einzigartiger Vorfall registriert wurde?
Mauerkirchner: „Das ist wirklich eine lustige Frage, aber wenn mich nicht alles täuscht, waren das die Minuten, wo ich die einzige Rote Karte in meiner gesamten Laufbahn hinnehmen musste – und die war sogar noch völlig unberechtigt, bzw. überzogen. In der letzten halbe Stunde gegen den damaligen Tabellenführer VfB Forstinning wurde ich vom Trainer als Stürmer zur Unterstützung in die Abwehr gesteckt und verursachte prompt einen Elfmeter, der zur knappen 2:3-Niederlage führte. Zusätzlich führte mein Platzverweis zu einer Doppelbestrafung, die meines Wissens heute so in der Art nicht mehr möglich wäre. Meine damalige Spielweise betrachte ich heute als sehr körperbetont, hart, aber niemals unfair. Das ist übrigens genau eines der Themen, die wir, geboren aus unserer langjährigen Erfahrung, an unsere jungen Spieler, die in dieser Beziehung natürlich noch sehr unerfahren sind, weitergeben wollen.“

Traunstein: SBC-Interview mit Massimo Tonon – Leiter der Kleinfeldabteilung U6–U14

Massimo, du bist für viele unserer Leser eher ein unbeschriebenes Blatt, bzw. du stehst nicht immer im direkten Rampenlicht des SBC! Würdest du dich bitte einmal kurz vorstellen?
Massimo Tonon: Mein Name ist Massimo Tonon, ich wurde 1980 in Italien geboren, bin verheiratet und habe drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, bin wohnhaft in Ainring und vom Beruf her selbständig. Ich besitze die italienische Trainerlizenz B (Anm.d.Red. ist gleichwertig der deutschen Trainerlizenz B) und habe u. a. die U16 von Atalanta Bergamo trainiert. Ich bin hier beim SBC Traunstein tätig, seit Oktober 2020, und als Leiter zuständig für die Kleinfeldmannschaften der U6 bis U14.
Du bist im LZ verantwortlich für den Jugendbereich U6 bis U14! Seit geraumer Zeit werden Trainingsmethoden nach der „Trainingsphilosophie Deutschland“ vorgegeben und von DFB-Sportdirektor Hannes Wolf auf deutschen Fußballplätzen praktiziert. Unter anderem werden bei den Jüngsten Spiele mit vie Minitoren ohne Torwart und ohne Tabelle abgehalten. Ist das deiner Meinung nach der Fußball der Zukunft im Nachwuchsbereich, und wie erklärst du samstagabends bei der Sportschau deinen Kindern, warum die Bundesliga auf zwei Tore spielt, die Kleinfeld-Jugend aber auf vier ohne Torwart?
Tonon: Rudi, ich verstehe deine Frage sehr gut! Und ich verstehe auch deine versteckten Zweifel zu dieser Thematik! Es sind im Bereich der ganz Kleinen bis zur U10 die vorgegebenen Spielsysteme, die wir umsetzen. Bis zur U10 haben wir keinen festen Torwart in der Mannschaft! Es ist in etwa vergleichbar mit einem jungen Menschen, der in eine Lehre geht, oder anders gesagt: Man lässt ja auch keinen Arzt am offenen Herzen operieren, der nicht von Anfang an die Verwendung der richtigen Instrumente beherrscht. Und unser Instrument ist der Ball. Wir legen Wert darauf, dass die ganz jungen Spieler zuerst einmal den richtigen Umgang mit dem Spielgerät Ball über sehr viele Ballkontakte und der sogenannten Nettospielzeit auf vier Tore lernen, bevor es später wie bei den Großen auf zwei Tore geht.

Den Einwand von Kilian Lehrberger, dass der heutige Torwart in diesen angesprochenen Altersklassen mehr ein Feldspieler mit guten Fangeigenschaften ist, reichen wir hiermit gerne nach!

Kreisauswahl, Bezirksauswahl, Bayernauswahl – viele Erfolge begleiten den Weg einer erfolgreichen Nachwuchsförderung, die in Abertausenden von zumeist ehrenamtlichen Arbeitsstunden umgesetzt wird. Ich frage mich oft, weshalb nicht mit gleicher Konsequenz den jungen Talenten eine Vereinstreue gelehrt wird, anstatt den großen Profivereinen als „Zulieferer“ zu dienen. Wenn die SBC-Jugendarbeit doch so stark ist, liegt es da nicht auf der Hand zu sagen: Wir behalten und fördern unsere außergewöhnlichen Talente wie z. B. Stelianos Lytos oder Julian Janoschka selbst, um mit dem SBC in den nächsten Jahren zwei Klassen höher zu spielen? Wäre hier nicht ein klein wenig mehr Egoismus in der Talentförderung angebracht?
Tonon: „Das ist eine sehr gute Frage mit einer ganz eigenen Thematik! Wir hier in unserem Leistungszentrum Traunstein, sind, wenn z. B. junge Spieler wie Julian Janoschka oder Stelanios Lytos von uns zu 1860 München aufgrund ihrer Leistungsstärke in den nächsthöheren Level wechseln können, stolz darauf. Denn das zeigt doch eindeutig, dass wir hier im Nachwuchsbereich gute Arbeit leisten, die sich hier in unserer Region positiv herumspricht. Positiv in dem Sinne, dass sich im Gegensatz zu früher heute viel mehr kleinere Vereine dazu entscheiden, ihre förderungswürdigen Talente zur weiteren Ausbildung beim SBC Traunstein abzugeben. Das war nicht immer so und ist erst seit wenigen Jahren ein Aushängeschild für die derzeitige Jugendarbeit in unserem Verein geworden. Natürlich kann man die dazu notwendige Methodik insofern hinterfragen: Warum behalten wir unsere Talente nicht für uns selbst? Man sollte aber dabei nie vergessen, dass wir alle aus dem Leistungszentrum eine gewisse Verantwortung dahingehend haben, dass wir diesen jungen und besonders talentierten Menschen eine Chance einräumen müssen, später einmal den Beruf eines Profifußballers zu ergreifen. Und sowas geht eben meist nur bei großen Profivereinen. Einen weiteren, sehr wichtigen Aspekt dabei dürfen wir nicht außer Acht lassen: Nämlich wenn diese Talente den Sprung ins Profilager nicht schaffen, und das ist über Jahre unsere ganz eigene Erfahrung, kommen diese Spieler voll ausgebildet wieder zurück zum SBC Traunstein! Das sehe ich als Umstand, von dem wir nur profitieren können.“
Wenn heute ein großer Geldgeber auf dich zukäme und dir freie Hand geben würde, um Anschaffungen, Veränderungen oder Ergänzungen im Jugendbereich zu tätigen, was würde da alles auf deiner Liste stehen?
Tonon: Eine Philosophie kann man nicht bezahlen! Und wir hier beim SBC haben in den letzten Jahren eine Philosophie entwickelt, die mit keinem Geld der Welt gekauft werden kann. Als ich 2020 hierherkam, tat es mir unendlich leid, dass hier ein Verein existiert, der zwar eine wahnsinnig gute Infrastruktur aufbieten kann, aber dafür niemals die entsprechende Anerkennung fand. Von der Warte her gesehen kann ich dir beim besten Willen keine Antwort auf meine Wünsche geben, denn dieser Verein hat alles, was ein leistungsorientierter Klub benötigt.
Ich möchte gerne das Exklusivinterview damit schließen, den hier Anwesenden die Gelegenheit zu geben, wichtige, hier noch nicht angesprochene Themen oder Fakten mit einem kurzen Statement zu ergänzen! Liegen hier also noch Punkte vor, die eurer Meinung nach noch unbedingt Erwähnung finden sollten?
Lehrberger: Mir ist total wichtig, den Leuten da draußen, die nur unseren momentan sehr ernüchternden Tabellenplatz unserer Landesligamannschaft zur Kenntnis nehmen, zu vermitteln, dass sich hier beim SBC Traunstein just in diesen Wochen hinter den Kulissen verdammt viel bewegt. Und ich bin auch absolut sicher, dass wir mit unserem neuen GEMEINSAM vieles bewegen werden, um zwar nicht heute und auch nicht morgen, aber in absehbarer Zeit wieder an erfolgreichere Zeiten anknüpfen zu können. (rm)

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