„Schön, dass du wieder bei uns bist“
SBC Traunstein sorgt für absoluten Transfer-Hammer in der Fußball-Landesliga
Dieser Name sorgt für Aufsehen in der Fußball-Landesliga: Mit der Rückkehr von Kenan Smajlovic gelingt dem SBC Traunstein ein regelrechter Transfer-Hammer zur Winterpause.
Traunstein – Manchmal reichen ein paar Emojis und ein kurzer Satz, um in der regionalen Fußballszene für Bewegung zu sorgen. Als am Sonntagabend (11. Januar) ein Instagram-Post des SB Chiemgau Traunstein online ging, war klar: Das ist mehr als ein normaler Wintertransfer. „Neuzugang“, hieß es da – und der Name darunter ließ viele Fans aufhorchen. Kenan Smajlovic ist zurück an der Traun.
Der 25-jährige Offensivspieler wechselt vom österreichischen Regionalligisten FC Kufstein zurück zu jenem Klub, bei dem er zwischen 2019 und 2023 bereits Spuren hinterlassen hat. 67 Pflichtspiele, 30 Tore – Zahlen, die in Traunstein niemand vergessen hat. Nun kehrt Smajlovic mit zusätzlicher Erfahrung zurück, übernimmt wieder die Rückennummer 33 und soll dabei helfen, „in der Rückrunde ein anderes Gesicht zu zeigen“, wie es der Verein formuliert. Ein Satz, der viel über die aktuelle Lage verrät.
Traunstein: SBC sorgt mit Smajlovic-Transfer für Landesliga-Hammer
Denn der SB Chiemgau Traunstein steckt mitten im Abstiegskampf der Landesliga Südost. Platz 14, 20 Punkte nach 21 Spielen, der Strich nur hauchdünn über dem Kopf. Sportlicher Leiter Kilian Lehrberger bringt es in der Montagsausgabe (12. Januar) der „OVB Heimatzeitungen“ nüchtern auf den Punkt: „Jedes Spiel wird für uns ein Endspiel.“ Genau in diese Phase fällt nun die Rückkehr eines Spielers, der den Verein kennt – und der weiß, was Druck bedeutet.
Smajlovic kommt nicht als Talent, sondern als Persönlichkeit. Zuletzt stand er beim FC Kufstein in der österreichischen Regionalliga unter Vertrag, sammelte dort Spielpraxis und Erfahrung in einem körperlich intensiven Umfeld. Zuvor hatte er zwei Jahre für den TSV 1860 Rosenheim in der Landesliga Südost gespielt und erzielte 24 Tore in 46 Partien. Eine Bilanz, die ihn ligaweit bekannt machte. Seine Zeit in Rosenheim endete allerdings unrühmlich: Nach einem hinterlegten Wechselwunsch wurde der damalige Kapitän suspendiert, anschließend bremste ihn eine Verletzung monatelang aus.
Dass Smajlovic dennoch immer wieder als Führungsspieler wahrgenommen wird, zeigte ein exklusives Interview mit beinschuss.de aus dem Sommer. Damals sprach er offen über die Liga, die Vereine – und auch über Traunstein. Er lobte den neuen Spielertrainer Gentian Vokrri als „super Typ und unglaublichen Fußballer“ und zeigte sich überzeugt, dass der SBC eine gute Rolle spielen könne. „Ich denke, Traunstein wird auch oben mitspielen“, sagte er damals. Ein Satz, der mit Blick auf die Tabelle heute fast kurios wirkt – aber auch zeigt, welches Vertrauen Smajlovic in den Klub und dessen Umfeld hat.
Kenan Smajlovic von Rosenheim über Kufstein nach Traunstein
Die Realität ist inzwischen eine andere. Traunstein kämpft ums Überleben in der Landesliga. Der erste Pflichtspieltermin im neuen Jahr hat es direkt in sich: Am 21. Februar wartet das Nachholspiel gegen den TSV Eintracht Karlsfeld – ein direkter Konkurrent, nur drei Punkte entfernt. Es ist ein klassischer Kellerkracher, ein Spiel, das den Ton für das gesamte Frühjahr setzen könnte. Genau für solche Momente wurde Smajlovic geholt. Die Vorbereitung läuft bereits. Fünf Testspiele stehen an, fast alle auf dem heimischen Kunstrasen. Gegner aus der Bezirks-, Kreis- und Bayernliga warten, darunter der SV Erlbach, der zuletzt seinen einzigen Nationalspieler verlor, der TSV Siegsdorf, SV Saaldorf und SC Anger aus der Region.
Trainer Vokrri und sein Team wollen Stabilität, Struktur, Widerstandsfähigkeit. Und vorne jemanden, der Spiele entscheiden kann. Smajlovic bringt genau das Profil mit: Abschlussstärke, Physis, Erfahrung – und eine emotionale Bindung zum Verein. „Schön, dass du wieder bei uns bist, Keno!“, schreibt der SBC auf Instagram. Es klingt herzlich, fast familiär. Doch hinter der Romantik steckt eine klare Erwartungshaltung. Die Rückkehr ist kein Nostalgieprojekt, sondern ein sportliches Signal. Dass der Angreifer in Traunstein sofort funktionieren muss, ist kein Geheimnis.
Der Abgang von Torhüter Dean Sipura zum TSV 1860 Rosenheim hat eine weitere Baustelle geöffnet, der Kader ist schmal, die Luft dünn. Umso wichtiger ist ein Spieler, der Verantwortung übernimmt – auf und neben dem Platz. Kenan Smajlovic kennt beide Seiten des Amateurfußballs: Aufstiege und Abstiege, Jubel und Suspendierung, Verletzung und Comeback. Jetzt kehrt er an einen Ort zurück, der ihm vertraut ist – in einer Situation, die keinen Spielraum für Anlaufzeit lässt. Für Traunstein ist diese Rückkehr Hoffnung, Risiko und Chance zugleich. Oder anders gesagt: Ein Instagram-Post, der mehr ist als ein Transfer. Es ist ein Versprechen – und ein möglicher Wendepunkt im Abstiegskampf. (mck)