Interne Spannungen, sportlicher Absturz – und jetzt Tabellenführer der Fußball-Kreisklasse 4 als Aufsteiger. Was hat sich beim FC Bischofswiesen verändert? Die Klubspitze gibt kurz vor dem Frühjahrsauftakt exklusive Einblicke in die wohl größte Wende der vergangenen Jahre.
von Rudi Mayer
Bischofswiesen – So mancher Fußballverein in unserer Region macht hin und wieder von sich Reden, mal sind es negative, mal sind es positive Schlagzeilen, über die wir berichten. Ein Verein jedoch, der momentan die Fußballexperten vehement auf die Probe stellt und inmitten seines Vereinswappens ein blühendes Edelweiß trägt, ist der FC Bischofswiesen! Kein Team macht derzeit mehr Furore als die Grün-Weißen aus dem Berchtesgadener Land, die nach ihrem Abstieg 2024 aus der Kreisklasse postwendend in der darauffolgenden Saison den Wiederaufstieg schafften (beinschuss.de berichtete). Und nun als Tabellenführer gar den direkten Aufstieg in die Kreisliga vor sich haben. Was ist da zwischenzeitlich passiert in Bischofswiesen, wie ist so was überhaupt möglich?
Und vor allem: Wo sind klassenmäßig gesehen die Grenzen für das von Cheftrainer Moritz Bauregger geführte, blutjunge Team? Hier in den wunderschönen Tälern am Fuße des Watzmanns hat sich eine Truppe zusammengefunden, deren Potenzial mit Blick nach oben noch nicht einmal annähernd abzuschätzen ist. Frech, unbekümmert, brachial schnelles Umschaltspiel auf die wieselflinken Stürmer unter Anwendung einer unbändigen Kraft und Kondition zeichnen derzeit den allseits gefürchteten Tabellenführer der Kreisklasse 4 aus. Für uns von beinschuss.de Grund genug und allerhöchste Zeit, hier einmal etwas genauer hinzuschauen in einen Verein, der auch schon in der Vergangenheit mit Bundesliga-Profis wie Mergim Berisha (Anm.d.Red. inzwischen beim 1. FC Kaiserslautern) oder Fabian Müller (FC Bayern München) große Namen hervorbrachte! Auf geht’s, liebe Leser … schaut’s mal rein!
Bischofswiesen: FC nach spektakulärer Wende vor Kreisliga-Aufstieg
Christoph, nach dem Abstieg 2024
kam mit Moritz Bauregger ein wahrer Erfolgstrainer ins Riedherrnstadion Bischofswiesen, wonach sich selbst gestandene Vereine der Region alle zehn Finger danach abgeleckt hätten. War das Glückssache, war das von langer Hand geplant und war euch damals bewusst, welche Trainerikone ihr da verpflichtet habt?
Christoph Strauch (1. Vorsitzender): Servus Rudi, schön, dass du da bist! Eingefädelt haben das ja noch unsere Vorgänger. Wir als neue Doppelspitze des FC Bischofswiesen, zusammen mit meinem Kollegen Sebastian Vorberg, haben die Verpflichtung nur zum guten Ende geführt. Natürlich waren wir immer auf dem aktuellen Stand, was das Leistungsvermögen von Moritz betrifft. Deshalb waren wir ja so begierig, ihn als gebürtigen Bischofswieser verpflichten und ihn nach Hause holen zu können.
Nach Ablauf der noch bevorstehenden Rückrunde der Saison 2025/26 steht ihr womöglich als Aufsteiger in die Kreisliga fest. Gewöhnlich werden dann höhergestellte Vereine äußerst aufmerksam auf das eigene Spielermaterial und Trainerteam. Habt ihr aufgrund aktueller Erfolge damit bereits zu kämpfen und wie begegnet ihr solchen „handelsüblichen“ Abwerbeversuchen?
Christoph Strauch: Soweit möchte ich jetzt noch nicht vorgreifen, vielmehr liegt unser Fokus voll auf einer erfolgreichen Rückrunde – was dann passiert, werden wir sehen. Grundsätzlich würden wir einem Spieler, der sich für einen höherklassigen Verein qualifizieren könnte, nichts in den Weg legen, aber tatenlos zusehen, ohne den Betreffenden auf einen weiteren Verbleib in unserem Verein zu überreden, werden wir ganz gewiss auch nicht.
Dein Tipp zur Endplatzierung der Kreisklasse 4 am 30. Mai 2026?
Christoph Strauch: Priorität hat nun erst mal die erfolgreiche Absolvierung der anstehenden Rückrunde. Dann können wir weitersehen. Natürlich sind wir guter Hoffnung, dass wir unter den beiden Erstplatzierten zu finden sind.
Bischofswiesens 1. Vorstand Strauch: „Wir nehmen dieses Thema sehr ernst“
Der FC Bischofswiesen verfügt über eine sehr vorbildliche und vorzeigbare Sportinfrastruktur! Was ist denn bis zum Jahrzehntwechsel noch alles an Investitionen und Bauvorhaben geplant?
Christoph Strauch: Die gesamte Sportanlage gehört ja der Gemeinde Bischofswiesen. Wir arbeiten und unterstützen uns gegenseitig dahingehend, dass im Sinne des Gemeinwohls alles in rechten Bahnen verläuft. Mir ist nicht bekannt, dass noch bis zum Jahrzehntwechsel eine größere Investition getätigt werden soll. Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass der neue Kunstrasenplatz, die neue Sprinkleranlage und die Laufbahnen vom Rasenplatz alle in den letzten beiden Jahren von der Gemeinde in Auftrag gegeben und inzwischen fertiggestellt wurden. Heuer werden wir noch eine neue Stadionsprecher-/Musikanlage installieren, das dürfte es dann vorläufig gewesen sein.
Ein sehr dunkles Thema im Nachwuchsbereich stellt die sexuelle Belästigung von Kindern und Jugendlichen dar. Zahlreiche Eltern anderer Vereine sind durch diese strafrechtlich zu verfolgenden und öffentlich gewordenen Schandtaten aufgeschreckt worden. Welche Vorsorgemaßnahmen unterhält diesbezüglich der FC Bischofswiesen?
Christoph Strauch: Das ist auch bei uns ein ständiges Thema, was bei den regelmäßig stattfindenden Besprechungen immer als Tagesordnungspunkt auf der Liste steht. Alle Kinder- und Jugendtrainer müssen mir jeweils jährlich ein neues Polizeiführungszeugnis zur Einsicht vorlegen, was von dem Betreffenden noch eidesstattlich unterschrieben werden muss. Zudem haben wir mit unserer Steffi Zaar eine hervorragende Verbindung zu unserem Landratsamt BGL, das in regelmäßigen Abständen Schulungen anbietet, die sich mit der Früherkennung solcher Missstände befassen. Der nächste Termin für eine solche Schulung ist am 26. April, an dem alle unsere Kinder- und Jugendtrainer teilnehmen müssen. Wir hier in Bischofswiesen nehmen dieses Thema sehr ernst, um besorgten Eltern möglichen Vorbehalten bei der Betreuung ihrer Kinder entgegenzuwirken.
Bauregger-Effekt: Wie ein Trainer Bischofswiesen veränderte
Moritz, nach dem Abstieg aus der Kreisklasse 2024 hast du die Mannschaft des FC Bischofswiesen als verantwortlicher Cheftrainer in einer nicht gerade euphorischen Konstellation übernommen. War das für dich als gebürtigen Bischofswieser eine Herzensangelegenheit, dem Verein zu helfen?
Moritz Bauregger (Cheftrainer): Ja, in jedem Fall ist es für mich eine Herzensangelegenheit. Ich war ja noch als sportlicher Leiter beim TSV Teisendorf tätig, da sind die damals Verantwortlichen vom FCB schon immer hier umhergespaziert und haben mir offengelegt, dass sie starkes Interesse daran haben, mich als neuen Cheftrainer zu verpflichten. Irgendwann kam dann auch bei mir die Einsicht, meinen alten Heimatverein zu unterstützen, und habe das Traineramt angenommen, obwohl ich eigentlich nach Teisendorf damit Schluss machen wollte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich das bis heute keinesfalls bereut habe, ganz im Gegenteil, wenn man sich wie in früheren Jahren mit den ganzen Freunden und Bekannten bei gemeinsamen Gesprächen auf einer Ebene befindet. Hinzu kommt natürlich auch der seit zwei Jahren anhaltende sportliche Erfolg mit den ganzen Jungs zusammen, das motiviert und macht im Moment einfach nur Spaß.
Gleich in deinem ersten Jahr hast du es fertiggebracht, postwendend mit dem FC Bischofswiesen wieder in die Kreisklasse zurückzukehren – und das, obwohl du sehr viele neue Spieler ins Team integrieren musstest. Was sind deine Trainingsschwerpunkte und worauf legst du ganz besonders großen Wert?
Moritz Bauregger: Als ich mein Amt beim FCB als Trainer übernommen habe, waren die ganzen Umstände und Voraussetzungen alles andere als positiv. Es fehlte anfangs die Trainingsbeteiligung, die nach der Relegationsniederlage gegen den TV Feldkirchen förmlich am Boden lag. Es erforderte viele Einzelgespräche, viel Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis, um Schritt für Schritt die Jungs wieder an den Ball zu bekommen. Als wir von Spiel zu Spiel gesehen haben, dass der Erfolg wieder zurückkehrt, war der Bann auch für diejenigen Spieler gebrochen, die sich aufgrund des Abstiegs bisher verweigert hatten. So hat sich von Spieltag zu Spieltag bis zum heutigen Tage eine Truppe gebildet, auf die man als Trainer wirklich stolz sein kann. Meine Trainingsschwerpunkte liegen eindeutig auf den drei Säulen:
- Kraft und Kondition
- Gesicherte Abwehr
- Schnelles Umschaltspiel vom Mittelfeld in den Sturm
Wir haben sehr hart und intensiv an der Kraft und Kondition gearbeitet. Den Erfolg hierfür konnte man in den vergangenen Spielen sehr oft live verfolgen, als wir in den letzten 20 Minuten die ein oder andere verloren geglaubte Partie noch zu unseren Gunsten drehen konnten. Ich möchte an dieser Stelle einmal erwähnen, dass ich alleine den Umbruch mit der Mannschaft nie geschafft hätte, wenn mir meine Co-Trainer Aki Senger, Richard Schlagbauer, Torwarttrainer Stefan Köppel und zu guter Letzt Physio Toni Rieder nicht so tatkräftig unter die Arme gegriffen hätten. Dass wir mit Blick auf die Tabelle bis heute soweit gekommen sind, ist nicht die Leistung eines Einzelnen, sondern vielmehr das Zusammenwirken eines ganzen Teams.
Im Allgemeinen werden von vielen Vereinen die zu kleinen Gruppeneinteilungen und die daraus resultierende lange Winterpause kritisiert. In Zahlen ausgedrückt heißt das satte vier Monate Pause! Wie kritisch siehst du diesen Umstand, sollte deiner Meinung nach da etwas verändert werden?
Moritz Bauregger: Wenn es nach mir ginge, würden wir nicht erst Mitte August, sondern schon am 1. August mit den Punktspielen beginnen. Wir hätten dann im März nach hinten raus mehr Luft, wenn wie dieses Jahr mit strenger Kälte und Schnee der Außenbetrieb weiter auf sich warten lässt. Es hat ja nicht jeder Verein einen Kunstrasenplatz, und da bist du gleich doppelt bestraft, wenn du weder Training noch Spiele abhalten kannst.
Mit den Vorbereitungsspielen gegen WSV Aschau (1:1), TSV Teisendorf (2:2), DJK Weildorf (1:2), SG Übersee/Grassau (3:1) und DJK Otting (3:2) hattet ihr in den letzten Wochen ein ordentliches Programm. Welche Erwartungshaltung bezüglich Fitness, Spielfreude und möglicher Verletzungsgefahr hattest du an deine Mannschaft?
Moritz Bauregger: Ich will auf alle Fälle Einsatz sehen von jedem Einzelnen, das Ergebnis interessiert mich nur zweitrangig. Ich will eine starke und geschlossene Mannschaftsleistung sehen, die es am 7. März im Punktspiel gegen den ASV Piding nur noch zu bestätigen gilt.
Dein Tipp zur Endplatzierung der Kreisklasse 4 am 30. Mai 2026?
Moritz Bauregger: Ich hab ja mitbekommen, dass sich im Gegensatz zu uns etliche Mannschaften in der Winterpause gezielt verstärken konnten. Nun liegt meine Hoffnung darauf, dass sich diese betreffenden Teams vielleicht gegenseitig die Punkte abnehmen, und wir uns unerkannt auf die beiden ersten Plätze durchschlängeln (Trainer lacht!). Aber im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass wir zweifelsfrei das Potenzial für einen Aufstieg in die Kreisliga haben und ich guter Hoffnung bin, dass wir das auch schaffen.
„Platz 1!“ – 2. Kapitän Hölzl spricht Klartext über die Aufstiegsmission
Michael, als zweiter Mannschaftskapitän des FC Bischofswiesen hast du alle Höhen und Tiefen der letzten drei Jahre miterleben dürfen. Wenn du ein Buch über diese Thematik schreiben müsstest, was würde da, was den Aufwärtstrend des Teams betrifft, alles drinstehen?
Michael Hölzl (2. Kapitän): „Festzuhalten ist ganz eindeutig, dass wir nach dem Abstieg 2024 aus der Kreisklasse richtig Probleme mit dem Teamgeist hatten. Dann kam Moritz und legte dabei großen Wert auf Zusammenhalt und Kameradschaft, was wir dann auch nach jedem weiteren Spiel immer besser umgesetzt haben. Wir hatten zu Beginn der A-Klasse Grüppchenbildung gehabt, die wir aber bis zum Beginn der Rückrunde vollkommen aufgelöst haben, nachdem alle sehen konnten, dass wir als Tabellenführer der A6 auf dem richtigen Weg waren.“
Als Spielführer bist du der verlängerte Arm deines Trainers auf dem Rasen. Vielen Spielern jedoch ist die Bedeutung, wie auch die Verantwortung der elastischen Binde am Oberarm nicht bewusst. Wie siehst du deine Arbeit als Kapitän in Zusammenarbeit mit Moritz bezüglich Teambuilding, Disziplin und Motivation?
Michael Hölzl: „Ich muss da als junger 21-Jähriger bei unserem 1. Mannschaftskapitän Fabian Motz, der heute wegen Erkrankung fehlt, noch ein wenig lernen. Fabian macht das alles als erfahrener Spielführer in Absprache mit unserem Trainer Moritz, was bezüglich Teambuilding, Spieldisziplin und Motivation während eines Matches eventuell verändert oder korrigiert werden muss.“
Siehst du in deiner Mannschaft das Potenzial für eine Kreisliga – und wenn JA, mit welcher Begründung?
Michael Hölzl: Ja, auf jeden Fall! Was uns auszeichnet, ist, dass wir fast alle noch sehr jung sind, unser Altersdurchschnitt liegt bei 22 Jahren! Vor allem in den letzten beiden Jahren haben wir technisch und kräftemäßig deutlich zulegen können, um in einer möglichen Kreisliga zu bestehen.
Wenn du bei euch die Stimmung innerhalb des Teams auf einer Skala von 1 bis 10 beschreiben müsstest, wo liegt dein Wert?
Michael Hölzl: Diese Frage beantworte ich sehr gerne mit einer glatten Zehn.
Dein Tipp zur Endplatzierung der Kreisklasse 4 am 30. Mai 2026?
Michael Hölzl: Vorausgesetzt, wir bleiben in einem erträglichen Maße, was die Verletzungsquote betrifft, haue ich jetzt einmal ganz frech raus: Platz 1! (rm)